Kreis Höxter. Die Pläne für eine Einleitung der Salzabwässer des Düngemittel- und Salzhersteller Kali und Salz in die Weser werden konkreter. Der finanziell günstigste Vorschlag sieht eine Einleitung der Salzlauge bei Würgassen vor. Aber egal wo der Abwässer künftig einleiten wird, die Pipeline wird quer durch den Kreis Höxter verlaufen.
Die Machbarkeitsstudie sieht vor, die bis zu einen Meter dicken Rohre entlang der Midal-Erdgasleitung zu verlegen. Vorteil der Mitteldeutschen-Anbindungsleitung (Midal), die von der Nordseeküste nach Süddeutschland verläuft: Die Trasse hat alle bau- und umweltrechtlichen Genehmigungsverfahren durchlaufen. "Die Planungszeit wäre entsprechend kürzer", erklärt der Anwalt für Umweltrecht, Hans Peter Sawatzki, der die Städte Holzminden, Beverungen und Boffzen in Fragen der Salzeinleitung vertritt.
Derzeit prüft der Runde Tisch "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" fünf Pipeline-Varianten, von denen drei an der Weser und zwei direkt in der Nordsee enden würden.
Während die Nordseevarianten eine Einleitung am Jadebusen bei Wilhelmshaven oder nördlich von Mellum vorsehen, kommen an der Weser eine Einleitung bei Langwedel, Petershagen oder Würgassen in Frage.
Eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des Runden Tisches sieht in der "Variante Würgassen" viele Vorzüge. So betragen die Baukosten je nach Größe der 150 Kilometer langen Leitung für die Einleitung nördlich der Diemel zwischen 124 und 154 Millionen Euro, während für die Varianten weiter Weserabwärts zwischen 289 und 407 Millionen Euro veranschlagt werden. "Der Kostengesichtspunkt ist deswegen sehr wichtig, weil für das Projekt sicherlich viele Fördergelder aus Steuern bereit gestellt werden", sagt Sawatzki.
Zudem würden die längeren Varianten wesentlich größere Umweltprobleme mit sich bringen, heißt es im Gutachten des Ingenieurbüros für Raum- und Umweltplanung Jestaedt. "Die Umweltauswirkungen durch die Nordseetrasse sind aufgrund der erheblich größeren Trassenlänge deutlich größer." So wären nach aktuellen Planungen vier Naturschutzgebiete betroffen. Außerdem würde sie auf 16 Prozent ihrer Länge durch Trinkwasserschutzgebiete führen. Deshalb werden bei dieser Variante lange Genehmigungsverfahren erwartet.
Hingegen führt die "Variante Würgassen" nicht durch Schutzgebiete. Außerdem erwarten die Gutachter an der Einleitungsstelle keine "großräumig bedeutsamen Veränderungen der Salzgehalte", obgleich durch "die erhöhten Salzkonzentration Beeinträchtigungen der Lebensgemeinschaften" möglich seien.
Dieser Aussage widerspricht Umweltanwalt Sawatzki deutlich: "Wir haben jetzt schon sehr hohe Salzgehalte durch diffuse Einträge von Kali und Salz. Andere Gutachter bestätigen uns, dass es eine ökologische Sperre an der Einleitungsstelle geben wird."An dieser Sperre könnten Fischschwärme durch den sich plötzlich ändernden Salzgehalt nicht weiter schwimmen. Auch die Ökologie für Kleinstlebewesen ändere sich erheblich.
Nachteil der Einleitung in die Weser: Bei niedrigem Wasserstand ist keine Einleitung möglich, weshalb bei höherem Wasserstand mehr Salz eingeleitet würde. Dies ist der Grund, warum für Würgassen ein größerer Rohrdurchmesser geplant wird.
Welche Variante der Runde Tisch von Kommunen, Ländern, Verbänden und Wissenschaftlern am Ende zum Bau empfehlen wird, entscheidet sich auf dessen voraussichtlich letzter Sitzung am 10. November in Kassel. "Im Sinne der Kommunen, die ich vertrete ärgert uns besonders, dass sich der Runde Tisch sehr zeitig auf die Pipeline festgelegt hat", sagt Sawatziki. Alternativen, wie die Einlagerung in Bergwerkstollen seien zu wenig geprüft worden.