Rudi Krekeler betreibt 85-jährig mit Hingabe und Leidenschaft Familienbetrieb in dritter Generation
Lüchtringen. "Zur Linde" heißt die wohl älteste Gaststätte Lüchtringens, geführt von dem ältesten und einzig gelerntem Wirt des Dorfes. Mit 85 Jahren betreibt Rudi Krekeler seine Wirtschaft mit noch genauso viel Hingabe und Leidenschaft wie am ersten Tag.
Bereits in der dritten Generation führt er das Familienunternehmen. "Seit meiner Geburt bin ich hier", betonte der Lüchtringer. Während andere in seinem Alter schon längst in Rente sind, kann er sich den Ruhestand nicht vorstellen. "Ohne Gaststätte kann ich nicht leben. So lange wie es geht, mache ich weiter". Er ist eines der Urgesteine Lüchtringens und seine Kneipe erreichte bereits Kultstatus bei den Lüchtringern.
Jung und Alt kennen die Gaststätte und nahezu jeder hat eine Geschichte darüber und den Gastwirt zu erzählen. Nicht nur in seinem Lokal, sondern auch im Vereinsleben war Rudi Krekeler in jungen Jahren aktiv. Mit der Feuerwehr löschte er Brände, mit den Schützenbrüdern feierte er Schützenfeste und er ist auch heute noch Mitglied in den Vereinen, wie auch in der Blaskapelle Lüchtringen.
Um Rudi Krekeler Anerkennung und Dank zu bekunden, organisierte der amtierende König Helmut Fischer eine Geburtstagsfeier für ihn. Dafür waren ihm und seinen Schützenbrüdern keine Mühen zu groß. Mit einer Messe am Morgen begann der große Tag am vergangenen Sonntag. Für den Wirt war die große Überraschung das alte Löschfahrzeug, den die Brauerei Allersheim zur Verfügung stellte und Krekeler für jedes Lebensjahr einen Liter Bier schenkte.
Aufgeregt und begeistert konnte der 85-Jährige es kaum fassen, wie viele Leute kamen, um ihm zu gratulieren und mit ihm den Tag zu verbringen. "Das ist einfach schön, wundervoll", sagte er gerührt, als er sich sich umsah.
Die Blaskapelle Lüchtringen ließ es sich nicht nehmen, ihrem Mitglied ein Ständchen zu bringen. Beim Frühschoppen und Rudis berühmter Bockwurst ließen die Gäste alte Traditionen nochmal aufleben. "Hier gab es schon immer die beste Bockwurst. Rudi hat uns nie verraten, woher er die Würstchen hat", erzählten die Gäste.
Für die Lüchtringer war es selbstverständlich, den Wirt auf diese Weise wissen zu lassen, welche wichtige Rolle er in der Gesellschaft des Dorfes spielt.
"Die Wirtschaft ist ein Traditionslokal. Früher gab es hier im Weserdorf zehn Lokale, Rudis Gaststätte ist eins von dreien, die davon übrig geblieben sind", erklärte Friedel Höke gegenüber der Neuen Westfälischen. "Es ist ein Teil der Lüchtringer Historie", betonte er weiter. In den alten Räumen "Zur Linde" fand sich früher nahezu das ganze Dorf ein. In dem Festsaal veranstalteten die Vereine Bälle und die Laienspielgruppe ihre Aufführungen. Rudi war für seinen Saal und das immer volle Haus bekannt. Die Lüchtringer erinnern sich gut an die Zeiten und berichten gerne über die alten Geschichten.
Obwohl der Saal nun geschlossen und die Besucherzahlen zurückgegangen sind, finden sich die Frauen und Männer noch immer regelmäßig in Rudis Kneipe ein. "Wir haben hier unseren Johanni-Stammtisch", erzählte Helmut Fischer, von den "Waschechten" des Stammtisches. Das Dorf jenseits der Weser ist für sie ohne die Gaststätte "Zur Linde" nicht vorstellbar. Die Kneipe und der Wirt gehören seit Generationen fest zu Lüchtringen.