Großfeuer in OWL mit vielen Millionen Euro Schaden
VON DAVID SCHELLENBERG
Boffzen. Zweithöchste Alarmstufe eines "Massenanfalls von Verletzten": Bei einem Großbrand in einer Glasfabrik in Boffzen (nahe Höxter) wurden gestern am frühen Morgen 37 Menschen verletzt, 19 mussten zur stationären Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden.
Mehr als 160 Feuerwehrleute, 6 Notärzte und über 100 Rettungssanitäter aus den Kreisen Holzminden und Höxter waren gestern Vormittag bei einem Großbrand in der Boffzener Glasfabrik Nölle und von Campe im Einsatz. Weil die Zahl der Verletzten im Verlauf des Vormittags auf 37 anstieg, wurde auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Einkaufsmarktes ein mobiles Lazarett zur Erstversorgung aufgebaut.
22 Mitarbeiter der Firma wurden mit Rauchvergiftung in die umliegenden Krankenhäuser gebracht, 19 mussten zur Beobachtung über Nacht bleiben. "Die Verletzungen sind alle nicht schwerwiegend", erklärte der Leitende Notarzt Axel von Hirschheydt. Weil sich aber bei Rauchvergiftungen Beschwerden erst bis zu einem Tag später zeigen können, seien die Einweisungen notwendig gewesen.
Zahlreiche Glutnester
Der Brand war gegen 7.45 Uhr an einer Glasproduktionsmaschine im Keller ausgebrochen und breitete sich schnell bis zum Dach aus. Zwar hatten die Einsatzkräfte das Feuer rasch unter Kontrolle, mussten aber bis zum Nachmittag zahlreiche Glutnester löschen. Erst gegen 17 Uhr beendeten die Feuerwehrleute ihren Einsatz – eine Brandwache blieb jedoch über Nacht, um die Entwicklung zu beobachten. "Probleme bereitete uns, dass wir zunächst von einem Vermissten ausgehen mussten", berichtet der Feuerwehr-Einsatzleiter Bernd Kaussow. Der verschwundene Mitarbeiter meldete sich aber eine Stunde nach Brandausbruch unversehrt bei den Rettungskräften.
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Zu Ursache und Schadenshöhe konnten die Verantwortlichen noch keine genauen Angaben machen. "Allein die beiden zerstörten Maschinen kosten nach ersten groben Schätzungen rund fünf Millionen Euro", sagte Personalleiter Michael Pieper dieser Zeitung. Hinzu kommen Kosten für die zerstörte Halle sowie der Produktionsausfall. Pieper hofft, dass das Werk ab Weihnachten wieder normal produzieren kann. Eine andere, nicht betroffene Produktionsstraße sowie ein erst in diesem Jahr in Betrieb genommenes Werk können schon jetzt weiterarbeiten.
Bereits gestern Nachmittag nahmen Brandermittler die Halle in Augenschein. Zwar deutet derzeit alles auf einen technischen Defekt hin, allerdings konnten die Experten noch nicht mit ihren Untersuchungen beginnen. "Wir wissen nicht, inwieweit die Halle einsturzgefährdet ist. Deshalb hat die Einsatzleitung die Halle noch nicht freigegeben", sagte ein Feuerwehr-Sprecher.
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