Deutschlands einziges Soldaten-Masskottchen starb mit 14 Jahren / Nachfolger tritt im April seinen Dienst an
Höxter. Das ABC-Abwehrbataillon Höxter trauert um einen toten Kameraden: Deutschlands einziges Kompanie-Maskottchen, Ziegenbock Erwin, ist tot. Er starb im Alter von 14 Jahren an Altersschwäche.
Sein Strafregister reichte von Befehlsverweigerung bis zum Angriff auf Vorgesetzte. Auch wenn Erwin manchmal reichlich undiszipliniert war - ihm wurde alles verziehen. Mehr noch: Bei offiziellen Anlässen wie Kommandoübergaben schritt er mit dem Kompanie-Chef die Soldatenreihen ab oder zog schon mal den "Ziegen-Streitwagen".
Vor elf Jahren, am 3. Juni 1998, wurde Erwin zum Wehrdienst eingezogen. Nach dem morgendlichen Appell, zu dem er manchmal recht verschlafen antrat, durfte er, im Gegensatz zu seinen Kameraden, wieder in seinen rund 200 Quadaratmeter großen Stall mit Strohlager und Kletterlager. Nur wenn es regnete, dann hatte Erwin ganz und gar keine Lust und stellte sich einfach bockig. Wie jeder Soldat hatte Erwin auch Urlaub: Zweimal im Jahr rückte er für drei Wochen auf einen Hof mit anderen Ziegen aus.
Obwohl der Bergziegenbock, gemessen an seinem Alter, bereits Oberstabsgefreiter oder gar Hauptmann sein könnte, blieb er im Jargon seiner Kompanie immer der "Schütze Erwin". Auf eine Beförderung mit Urkunde und Dienstgradabzeichen wartete er trotz langjähriger Dienstzeit vergeblich. Dafür wurde er von seinen Kameraden gehegt und gepflegt. "Normalerweise erreichen diese Ziegen ein Alter von 12 Jahren. Dass er 14 Jahre alt wurde, zeigt, dass es ihm bei uns besonders gut ging", sagt Presseoffizier Michael Mundhenke.
Im stillen Gedenken nahmen die Soldaten Abschied von ihrem Bock, nachdem ein Veterinär die Todesursache Altersschwäche bestätigt hatte. Sein Gehörn soll neben seinen beiden Vorgängern, Franz-Josef (1973-1986) und Charles (1986-1998) in der Ahnengalerie im Geschäftszimmer der Kompanie Platz finden. Begraben durften sie ihn auf dem Kasernen-Gelände allerdings nicht.
Fest steht bereits, dass Erwin im April einen Nachfolger bekommt. "Dies hat die Führung bereits genehmigt", erklärte Mundhenke. Auch die Soldaten der Kompanie haben sich mit großer Mehrheit für eine Forführung der Tradition entschieden. Immerhin müssen sie Futter, Tierarzt und Versicherung allein aus der Soldaten-Kasse bezahlen. Auch die Patengemeinde der Kompanie, die Stadt Beverungen, wolle helfen, einen neuen Bock zu finden und eine Spende zum Kaufpreis zuschießen.