Kreis Höxter. Halten bald nur noch alte Schützen Gewehr und Fahne hoch? Schützenfeste als aussterbende Tradition, wer will denn heute noch Schützenkönig werden? Zwei Fragen, die Befürchtung oder Prognose sein können, aber nicht unbedingt müssen im Kreis Höxter.
Die Mitgliederzahlen sind überall annähernd gleichbleibend, während sich die Altersstrukturen sehr unterschiedlich präsentieren. Ob Bruderschaft, Verein oder Gilde, Stadt oder Dorf, selbst gleiche Voraussetzungen lassen keine verallgemeinernden Angaben zu. "Wir müssen aktiv sein, Ideale und der Einsatz für die Sache sind die Basis für ausgeglichene Strukturen", bringt Schützengilde-Kommandeur Claus-Werner Ahaus, Höxter, den Stellenwert des persönlichen Engagements für den Erhalt der Attraktivität der Traditionsvereine auf den Punkt.
Kleinste Dorfstrukturen können Segen wie Fluch sein, in dem gleichen Maß die Größe der 17.000 Einwohner zählenden Kreisstadt. Der pure Mangel an jungen Menschen oder auf der anderen Seite ein besonders enges Gemeinschaftsleben können einen Traditionserhalt behindern oder fördern. Ebenso lassen sich unter vielen Menschen viele Mittuende finden, allerdings unter der Prämisse, dass größere Anonymität hier blockierenden kann.
Einzelne, vorherrschend kleine Schützenvereine haben sogar mehr Mitglieder, als ihr Ort Einwohner: "Selbstverständlich bin ich noch in der Bruderschaft meiner Heimatstadt Elsen". Viele, wie Pfarrer Wilhelm Koch, Präses in Diözese, Bezirk und Ortschaft, verlieren auch beim Wegzug ihre Verbindung zum Heimatort nicht. Die, häufig lebenslange, Rückkehr zu den Wurzeln und Festen beschränkt sich nicht auf die kleinen Ortschaften, wie Bezirksbundesmeister Georg Dressler die Situation in der Bruderschaft in Beverungen sieht: "Herkunft zählt bei uns. Zum Schützenfest sieht man sie alle, die Studierenden und Weggezogenen ebenso wie generationsübergreifend die Bürger der Stadt."
Was aber auch bei ihm nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Akzeptanz, besonders bei den Jüngeren, nicht im ganzen Bezirk Höxter mit seinen 40 Bruderschaften vergleichbar hoch ist: "Ich sehe hier die einzelnen Bruderschaften in der Pflicht, speziell auf ihren Ort zugeschnitten aktiv zu werden", erläutert Bezirksbundesmeister Dressler, wo er momentan die Grenzen des Bezirksvorstandes sieht.
Seit fünf Jahren ist er an der Spitze des Bezirks mehr als ausgelastet mit der Schaffung von zeitgemäßen Rahmenbedingungen: "Alleine eineinhalb Jahre hat uns die Neuordnung der Beitragsbemessungsgrenze für die Vereine beschäftigt. Die gleiche Zeit hat in etwa die Umsetzung des Bundesdatenschutzgesetzes in Anspruch genommen", bei den Ausführungen von Georg Dressler wird klar, das Schützenwesen muss zeitgemäß bleiben. Hier braucht es viele zupackende Hände in den großen wie in den kleinsten Strukturen. Sind es doch nicht nur die Gilden und Bruderschaften, die eine starke Jugend brauchen, wie Pfarrer Wilhelm Koch betont: "Ich bin den Bruderschaften so dankbar, für ihre aktive Jugendarbeit. Die Musikzüge, beispielsweise, geben den jungen Menschen ein Hobby in Gemeinschaft und beleben die Feste."
Für Pfarrer Wilhelm Koch ist die Symbiose von Bruderschaft, Kirche und Ort unabdingbar. Ganz streng am Motto des Historischen Schützenbruders "Für Glaube, Sitte und Heimat" spricht er sich deutlich für die Bruderschaften in der Kirche und für die dörflichen Belange aus.
Der Schützenkönig steht folglich in seiner Prioritätenliste nicht ganz oben: "Man sollte das doch ganz realistisch sehen, das ist auch eine Frage des Geldes", hat er absolut Verständnis für die schon einmal fehlenden Könige in der Region: "Wichtig finde ich, dass die Menschen gemeinsam beten und feiern!"
Dagegen ist für die Schützengilde Höxter schon aus der Statuten von 1595 heraus ein Fest ohne König nicht möglich: "Wir haben hier auch gar kein Problem. Seit der Gründung haben wir mit einer Ausnahme in jedem Vereinsjahr einen König proklamieren können", beschreibt Kommandeur Claus-Werner Ahaus die große diesbezügliche Akzeptanz in den Reihen der Schützen.
Augenzwinkernd fügt er noch den entsprechenden Absatz der historischen Statuten hinzu, der dem Bürgermeister, im Fall des fehlenden Schützenmeisters, diese Würde verleiht.