Kreis Höxter. Den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf erledigt inzwischen fast jeder beim Discounter. Mit einer großen Auswahl, hoher Qualität und einem geringen Preis begründen vor allem jüngere Bürger den Weg in die Stadt zu den großen Lebensmittelketten. Die Leidtragenden sind die kleinen Dorfläden, bei denen oftmals nur noch eingekauft wird, wenn etwas beim Discounter vergessen wurde.
Ursel Kaste besitzt einen kleinen Dorfladen in Fürstenberg. Sie verkauft Lebensmittel, Zeitschriften, Tabak und Getränke. Ein klassischer Tante-Emma Laden also. Die ältere Dame heiratete 1957 ihren Mann, dessen Großeltern das Lebensmittelgeschäft schon im 19. Jahrhundert führten.
Nach mehr als hundert Jahren guten Betriebs wurden die Kunden in den letzten zehn Jahren deutlich weniger. "Ich lebe nur noch von meiner älteren Stammkundschaft und den Touristen in Fürstenberg. Kunden unter 50 Jahren werden immer seltener. Trotzdem macht mir mein Beruf immer noch sehr viel Spaß, und ich will, trotz meines Alters, nicht auf ihn verzichten", erklärte Ursel Kaste im Gespräch mit der NW.
Ein großes Problem sei außerdem, dass die Dorfläden gar nicht mehr wahrgenommen werden. Jüngere Bürger kämen einfach nicht mehr hinein, da es nur noch die Option Discounter in der Stadt gäbe.
"Ich kann es ja bedingt nachvollziehen, wenn man zum Großeinkauf in den Discounter fährt. Aber ich verstehe beispielsweise nicht, wieso man in die Stadt für ein Paket fährt, obwohl man es bei uns zum gleichen Preis abgeben kann", sagte Bernhard Frewer, Besitzer des Supermarktes mit Poststelle in Herstelle. Frewer sieht sich inzwischen eher als Lückenbüßer: "Getränke verkaufe ich meistens kurz vor Feierabend, wenn es jemand nicht mehr schafft schnell in die Stadt zu fahren. Richtig enttäuscht bin ich, wenn ich sehe, wie Hersteller samstagmorgens für fünf Brötchen, ein Päckchen Wurst und ein Glas Marmelade nach Bad Karlshafen fahren. Wir haben in Herstelle doch einen Bäcker, einen Fleischer und ein Lebensmittelgeschäft. Wenn es diese Läden aber auf einmal nicht mehr gibt, dann regen sich genau diese Bewohner auf. Das Dorfleben sollte uns alle ein bisschen was wert sein."
Doch die "Tante-Emma-Läden" kämpfen nicht nur aufgrund der schwindenen Kundschaft um das Überleben. Die Lebensmittellieferanten vernachlässigten ihre kleineren Kunden häufig. "Warenlieferungen kommen erst am nächsten Tag oder bestimmte Marken sind manchmal gar nicht zu haben", schilderte Frewer.
Die älteren Menschen im jeweiligen Dorf sind jedoch auf die kleinen Geschäfte vor Ort angewiesen. Alle befragten Einzelhändler bringen ihren Kunden auf Wunsch Lebensmittel und Getränke nach Hause. "Der Service ist die einzige Chance, sich gegen die Discounter zu behaupten. Ich fahre zum Teil für eine Kiste Sprudel zu unserer Stammkundschaft. Trotzdem müssen wir preislich auf der Höhe der Ketten sein, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben. Das ist das große Problem", sagte Wolfgang Grewe, Besitzer des Markants in Amelunxen.