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17.03.2010
BAD DRIBURG
Spürhunde im Driburger Wald
Neue Erkenntnisse der Mordkommission zur vermissten Silke Twardoch
VON DAVID SCHELLENBERG

Erfolglos | FOTO: DAVID SCHELLENBERG

Bad Driburg. Der Schnee rund um die Iburg in Bad Driburg liegt noch so hoch, dass Hundeführer Stefan Meier manchmal bis zu den Knien einsinkt. Auch für die Spürhunde ist die Suche nach der Vermissten Silke Twardoch in dem schwer zugänglichen Gelände ein Kraftakt. Schon nach wenigen Minuten werden die Vierbeiner der Polizeihundeschule Schloß Holte-Stukenbrock, die auf das Aufspüren von Leichen trainiert sind, ausgetauscht.

Spontan hatte sich die Mordkommission gestern Morgen die Suche im Bad Driburger Wald angesetzt. Acht Spürhunde sollten das Gelände rund um den Parkplatz, auf dem der Leihwagen der Vermissten gefunden wurde, absuchen. Der Hintergrund: Neue Zeugenhinweise. Bisher glaubten die Ermittler, dass Silke Twardoch am Donnerstag, 4. März, einen Tag nach ihrem Verschwinden, mit einem Unbekannten in der Gaststätte "Sachsenklause" war. Dies stimmt offenbar nicht. Der Hinweis des Gastwirtes hat sich als falsch herausgestellt. "Bei uns hat sich ein Paar gemeldet, dass in der betreffenden Zeit dort war und die Szene so beschrieben habt, wie sie uns auch der Wirt geschildert hat", erklärte der Leiter der Mordkommission, Ralf Östermann. Zweifel an einem solchen Treffen in der Gaststätte hatte der Ehemann der 38-Jährigen, Roman Twardoch, bereits vor Tagen angemeldet. Sie rauche nicht und sei nicht gern in Lokale gegangen, sagte Roman Twardoch der Neuen Westfälischen.

Wie der Leiter der Mordkommission, Ralf Östermann, weiter berichtet, hätten sich weitere Zeugen gemeldet. Diese haben den Leihwagen der der Vermissten, einen weißen Opel Combo, bereits am Mittwochnachmittag, 3. März, auf dem Parkplatz gesehen, der rund 800 Meter von der "Sachsenklause" an der Iburg entfernt ist. Demnach wurde die zweifache Mutter nicht mehr gesehen, seit sie am Mittwochmorgen ihre Wohnung in Bergheim verlassen hat.
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"Diese Umstände haben uns veranlasst, eine spontane Suchaktion zu starten", so Östermann. Probleme bereitete den Hunden und ihren Führern nicht nur das schwer zugängliche Gelände, sondern auch der hohe Schnee. "Die Witterung macht die Suche für uns sehr schwierig. Zwar hatten wir heute Morgen auch erwogen, einen Hubschrauber anzufordern, aber das hat bei diesem Schnee keinen Sinn", sagte Östermann. Weil am Wochenende nach dem Verschwinden von Silke Twardoch neuer Schnee gefallen war, seien von oben keine frischen Spuren mehr zu entdecken.Sternenförmig suchte die Hundestaffel das Gebiet rund um den Parkplatz ab. Dabei geht der Hundeführer in der Mitte und zwei Außenposten jeweils links und rechts in bis zu hundert Meter Entfernung.

Die Hunde durchkämmen rennend das Gelände zwischen den Polizisten. "Sie sind darauf trainiert, nach Leichen, Leichenteilen oder Vermissten zu suchen", erklärt Hundeführer Stefan Meier. Wenn sich die Hundeführer nicht mehr sehen, rufen sie mit "such und find" nach dem Hund. "Mit dieser Methode lässt sich relativ schnell ein größeres Gebiet absuchen", sagt Meier.
Die Vierbeiner könnten auch die Witterung aufnehmen, wenn die Leiche tief unter dem Schnee liegt. "Allerdings ist das für die Hunde entsprechend schwieriger, immerhin sind sie mit bis zu 40 Stundenkilometern unterwegs", so Meier.  Tatwerkzeuge ließen sich mit dieser Methode allerdings nicht finden, betont der Hundeführer.
An kleinere, verdächtige Schneehügel wurden die Spürhunde extra hingeführt. Zehn, manchmal auch 15 Minuten können die Tiere im Gelände suchen. Dann brauchen sie eine Pause. "Gleichzeitig zu laufen und Witterung aufzunehmen, ist für die Hunde besonders anstrengend", erklärt Meier. Damit sie so gut riechen können, müssten sie die ganze Zeit hyperventilieren. Regelmäßige Pausen brauchten aber auch die vier Hundeführer.

Nach zwei Stunden Suche und einer Besprechung mit dem Leiter der Mordkommission wurde die Suche rund um den Parkplatz ohne Ergebnis abgebrochen. "Das bringt hier heute nichts", musste Ralf Östermann eingestehen. Auch eine Suche unterhalb der Iburg am Nachmittag blieb erfolglos. Vergeblich hatte die Polizei bereits vor einer Woche mit Hubschrauber und Spürhunden nach der 38-Jährigen gesucht.

Jetzt will die Mordkommission warten, bis der Schnee rund um die Iburg vollständig abgetaut ist. Sie hofft auf wärmere Temperaturen in den kommenden Tagen. "Vorher bringt eine Suche nichts", sagte Östermann. Er rechnet damit, dass es Anfang kommender Woche eine erneute Suchaktion geben könnte.

Konzentration auf Suche im Internet


Die sechsköpfige Mordkommission will sich jetzt auf die Suche im Internet  konzentrieren. "Wir werten derzeit Computer der Familie aus. Wir brauchen Spuren, sonst kommen wir nicht weiter", sagte Peter Schneider, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Höxter. Silke Twardoch, die Bereichsleiterin einer Rohrreinigungsfirma im Bereich Steinheim, Paderborn und Detmold war, hat sich sehr viel im Internet bewegt und dort möglicherweise neue Bekanntschaften gemacht.

Wie der 52-jährige Ermittler betont, seien auch die Hinweise aus der Bevölkerung weitgehend abgearbeitet worden. Eine heiße Spur, so Östermann, gebe es in dem rätselhaften Fall nicht. Deshalb stellt die Mordkommission noch einmal folgende Fragen:

Wer hat Silke Twardoch am 3. März oder danach noch lebend gesehen?

Wer hat den von ihr benutzten Pkw Opel Combo beobachtet?

Möglicherweise ist das Fahrzeug an dem Tag noch betankt worden. Wer kann dazu Angaben machen?

Hinweise bitte an die Kripo Höxter, Tel. (0 52 71) 96 20 oder jede andere Polizeidienststelle. 


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