Steinheim. Die im September 2009 veröffentlichte Studie zur Suchtgefährdung von unter 18-Jährigen im Kreis Höxter, hat auch in Steinheim den Rat auf den Plan gebracht. Im Kreisvergleich wartet die Stadt bei regelmäßigem Alkoholkonsum und dem "Probieren" von Cannabis mit relativ geringen Quoten auf. Als Maßnahme gegen eine noch stärkere Einflussnahme von Alkohol und Drogen bei jungen Menschen ist innerhalb des Rates die Einstellung eines Jugendsozialarbeiters im Gespräch.
Um sich ein genaueres Bild von der Situation in Bezug auf effektive Maßnahmen zu machen, hatte der Ausschussvorsitzende Volker Helms (FDP) den Diplom-Pädagogen und Suchtberater Burkhard Albers in die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Soziales in das Familienzentrum Pusteblume eingeladen.
"Rauschmittel sind nicht das Problem spezieller Gruppen, besonders der Alkohol zieht sich durch die gesamte Gesellschaft", weist Suchtberater Albers auf ein wichtiges Ergebnis der Studie der Gesellschaft für angewandte Sozialpraxis (GEFAS) hin.
Zukunftsängste, ausufernde Langeweile und mangelnde Kommunikation innerhalb der Familien sieht er als Hauptfaktoren im Hintergrund: "Es wäre falsch, von Schuld zu sprechen. In der aktuellen Situation können die Eltern ihre Verantwortung neben den steigenden Anforderungen im Arbeitsleben häufig einfach nicht mehr wahrnehmen."
Blick auf die Situation im gesamten Kreis Höxter
Unter den männlichen Schülern der Stadt Steinheim trinken 39,1 Prozent regelmäßig Alkohol, auf Kreisebene sind es 46 Prozent. Borgentreich steht mit 78 Prozent regelmäßig trinkender Schüler der Klassen 9 und 10 an der Spitze der Schulstädte des Kreises. Brakel hat die geringsten Prozentzahlen, weist aber mit einem höheren Anteil bei den Schülerinnen (31,6 Prozent, Kreisdurchschnitt: 26 Prozent) eine im Kreis einmalige Struktur auf.
Suchtberater Albers macht deutlich, dass ein spezieller Jugendsozialarbeiter nicht kurzfristig alle Suchtrisiken in der Stadt minimieren kann: "Er müsste auf der Straße und in den Jugendtreffpunkten ebenso präsent und aktiv sein, wie in der Zusammenarbeit mit Eltern, Schulen, Vereinen und zudem einen ständigen Draht zu Ordnungsamt und Krankenhäusern pflegen. Das ist ein langfristig angelegtes Projekt."
Auch ist, seiner Meinung nach, die einfache Beschäftigung von Jugendlichen nicht geneigt, ihre, oft abgrundtiefe, Langeweile, zu beseitigen: "Junge Menschen müssen Perspektiven für ihr Leben erkennen, dann verlieren Rauschmittel automatisch an Bedeutung."
Die Studie der GEFAS von Dr. Wolfgang Settertobulte aus 2009 zeigt im Vergleich zu der letzten aus dem Jahr 1997 einen deutlichen Anstieg beim Verzehr von harten alkoholischen Getränken, wie die Tendenz zu immer früherem Alkoholkonsum:
"Aufgrund der körperlichen Entwicklung Jugendlicher steigt die Suchtgefahr erheblich adäquat zum Absinken des Alters", warnt der Diplom Pädagoge aus der Suchtberatung der Caritas für den Kreis Höxter vor Bagatellisierung des Rausches: "Er ist kein langsam benebelnder Prozess, wie bei einem Erwachsenen, die Wirkung im jungen Körper erfolgt schlagartig."