Nieheim (kö). "Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken", heißt es zum Eingang der Deutschen Messe von Franz Schubert. Diese Frage dürfte sich in den letzten Tagen auch Dietmar Becker gestellt haben.
Der Grund: Nieheims neuer Kämmerer hat ein Loch in der Haushaltskasse der Stadt entdeckt, das sich weder mit der äußerst robusten Jute-Nähmaschine des Sackmuseums noch mit vielen frommen Gesängen schließen lässt.
Wenden konnte sich Becker deshalb nur an Bürgermeister Rainer Vidal, der heute dem Rat die traurige Nachricht von den leeren Kassen mitteilen muss. 1,5 Millionen Euro, das ließ sich Vidal im Vorfeld der Haushaltseinbringung entlocken, beträgt das strukturelle Defizit. Und so wie es ausschaut, ist das nicht nur in diesem Jahr so.
Erheblich beigetragen zur Nieheimer Misere hat die Banken- und Wirtschaftskrise. Durch sie sind Steuereinnahmen weggebrochen und die Kreisumlage ist kräftig angestiegen. Die Politik von Bund und Land hat der Stadt zusätzliche Soziallasten aufgebürdet, die nun allzu schwer auf den Schultern lasten. Obwohl Bürgermeister Vidal und Kämmerer Becker neu im Amt, und was die Vergangenheit anbetrifft, unvorbelastet sind, will sich Rainer Vidal nicht mit einem rückblickenden Abwasch aus der Bredouille ziehen. "Ich möchte den Rat und ich möchte die Bevölkerung von Anfang an auf dem notwendigerweise zu gehenden Sparkurs mitnehmen", kündigte er die künftige Marschroute an.
Angesichts dieser Ansage dürfte die heutige Sitzung des Rates für die Bürgerinnen und Bürger der alten Ackerbürgerstadt spannender werden als jeder Krimi. Denn es steht zu vermuten, dass nach den noch lobenden Worten der Wirtschaftsprüfer im vergangenen Jahr, ein finanzieller, viele Dinge hemmender Tsunami über die Stadt hinwegfegen wird.