Steinheim (bat). Joachim Franzke (CDU), Bürgermeister der Stadt Steinheim, sieht sich in der Affäre um die rechtsradikale Freie Kameradschaft als Opfer eines Komplotts. "Heute muss ich sagen, dass ich von diesen Leuten regelrecht gelinkt worden bin. Das war alles von langer Hand geplant", sagte Franzke, der sich nach eigener Angabe "weit weg" im Urlaub befindet, gestern auf Nachfrage der Neuen Westfälischen.
Franzke widersprach auch dem Schreiben des Innenministers in einem wesentlichen Punkt. "Das ist absurd, am 11. Dezember ist nicht über die Freie Kameradschaft gesprochen worden, sondern nur über Ordnungsfragen, die sich aus dem Bürgerbrief ergeben haben. Dabei waren vier Personen anwesend, ich werde das bald möglichst auch vor dem Innenministerium richtig stellen", sagte Franzke. Zur Erinnerung: Im Oktober soll Joachim Franzke einen Bürgerbrief erhalten haben. Darin beschwert sich ein Steinheimer über Graffiti-Schmierereien und Sachbeschädigungen. Mit dem Briefeschreiber hat Franzke dann am 21. Januar ein persönliches Gespräch geführt. "Das hat zehn bis 15 Minuten gedauert. Das war ein junger Mann, bei dem nichts auf einen rechtsradikalen Hintergrund hingedeutet hat", betonte Franzke. Darum habe er es auch als vernünftig empfunden, den jungen Mann einzuladen, vor der Ordnungspartnerschaft sein Anliegen vorzutragen.
Eine Woche vor dem Gespräch mit dem Freien Kameraden im Bürgermeisterzimmer ist in Steinheim ein Flugblatt der Freien Kameradschaft verteilt worden, wo der Bürgerbrief und der Bürgermeister thematisiert worden sind. "Ich nahm an, das Schreiben sei in Kopie weitergegeben worden", rechtfertigte sich Franzke gestern, räumte aber ein, dass er im Nachhinein das Versäumnis erkennt, die Sache nicht ernst genug genommen zu haben.
Mit der Polizei besprochen
Franzke blieb gestern nach wie vor bei der Darstellung, erst wenige Stunden vor Beginn der Ordnungspartnerschafts-Sitzung von der Polizei darüber in Kenntnis gesetzt worden zu sein, dass es sich um ein Mitglied der rechtsradikalen Freien Kameradschaft handle. Den jungen Neonazi aber dennoch vor der Ordnungspartnerschaft reden zu lassen, sei mit der Polizei einvernehmlich so besprochen worden. "Genau darum ging es im Gespräch mit der Polizei am Nachmittag. Absagen ließ sich das Ganze nicht mehr. Darum ist mit der Polizei abgestimmt worden, ihn reden zu lassen und dann hinauszukomplimentieren. Erst danach hat die Polizei umfassend über die Freie Kameradschaft und dort tätige Personen informiert", betonte Franzke. Daraufhin habe der Bürgermeister jeglichen Kontakt abgebrochen. Von der Freien Kameradschaft, so Franzke, habe er bis zu diesen Vorfällen noch nie gehört.