9. Hoffmann-von-Fallersleben-Rede: ZDF-Journalist empfiehlt Rückbesinnung auf alte Werte
Höxter. Alles neu macht der Mai. Jedes Jahr, immer wieder, immer wieder wunderbar – eigentlich ein alter Hut. "Alte Hüte" verkauft auch Peter Hahne – herrlich aufbereitet, in neuen Farben und Formen, modern und zeitgemäß mit neuen und alten Federn hübsch verziert.
Er präsentiert sie charmant und mitreißend, überzeugend und mit Humor. Und seine Kundschaft reißt sie dem brillanten Wort- und Redekünstler begeistert aus den Händen. Als 9. Redner der Hoffmann-von-Fallersleben-Rede zum 1. Mai 2010 ist Peter Hahne ein Glücksgriff.
Hohe Erwartungen waren in den ebenso prominenten wie profilierten Festredner gesetzt worden. "Zum ersten Mal waren alle 300 Eintrittskarten gleich am ersten Tag vergriffen", erklärte Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey in seiner Begrüßungsansprache vielsagend. Und auch Dr. Michael Stoltz, Sprecher des Fallersleben-Arbeitskreises im Höxteraner Heimat- und Verkehrsverein, verstand es, in seiner Einführungsrede, in der er unter anderem die Verbindung zwischen Heinrich Hoffmann von Fallersleben und dem streitbaren Theologen und Politjournalisten knüpfte, die Vorfreude und gespannte Erwartung auf die Spitze zu treiben.
Dermaßen gefordert lässt ein Peter Hahne sich nicht lumpen. Wie kein anderer versteht er es, in der allseits tosenden Wertediskussion Klartext zu reden und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Im Kaisersaal von Schloss Corvey, getragen vom besonderen Ambiente und beflügelt vom musikalischen Rahmenprogramm, das die herausragende niederländische Harfenistin Godelieve Schramm, Professorin an der Musikhochschule Detmold, so vorzüglich gestaltet, scheint es Peter Hahne besonders viel Spaß zu machen.
Kenntnisreich holt er zunächst Heinrich Hoffmann von Fallersleben ins Boot, beruft sich auf Gott als Steuermann, um das schlingernde Schiff wieder auf Kurs zu bringen und packt die Gesellschaft am Schlafittchen. Genau dort, wo sie es sie derzeit am meisten schmerzt: "Wenn die ideellen Werte verfallen, verfallen auch die materiellen Werte", springt er mitten hinein in die Finanz- und Wirtschaftskrise. "Da kommen wir wieder heraus", stellt er überzeugt fest. "Das Dramatische an der Finanzkrise ist die dadurch ausgelöste Vertrauenskrise." Gnadenlos legt er den Finger in Wunden.
Bildungskrise und Ausbildungskatastrophe, Stimmungs -und Zuschauerdemokratie, Verfall der Parteien, was hin zu reinen Klientelparteien führe, bis hin zur aktuellen Dramatik in der katholischen Kirche. Er warnt vor der aufkommenden Häme: "Wir brauchen die Kirche als Institution."
Dass Tabus gebrochen werden müssen, steht für ihn außer Frage. "Wir brauchen Tabubrecher, die brennende Themen auf den Tisch legen, ehe uns alles um die Ohren fliegt. "Es brodelt und brodelt, dann explodiert es. Wir müssen über alle Tabus reden, aber ohne Schaum vorm Mund." Eines der größten Tabus, die es zu brechen gilt, sieht Hahne beim Verteilungskampf. "Die heutigen Rentner genießen noch ihre Kurzurlaube. Wenn die Hartz-IV-Empfänger verrentet werden, sieht es anders aus", warnt er.
"Zukunft ist Herkunft", betont er immer wieder. "Nur von der Herkunft geht’s in die Zukunft", sagt er und verlangt die Rückbesinnung auf alte Werte. "Werte- und Bildungsnotstand sind zwei Seiten einer Medaille." "Wir müssen uns immer wieder den Wert der eigenen Kultur bewusst machen. Wir brauchen Gestalter, keine Gestalten, die sich in Talkshows tummeln. Keine Vorschriften, sondern Vorbilder. Werte wollen nicht als Worte erfahren werden."
Als bestes Lehrstück zum Thema "Aufstieg und Verfall" empfiehlt Peter Hahne wieder einmal Thomas Manns Roman "Buddenbrooks" zu lesen. Zum richtigen sei allerdings die Kenntnis der Bibel vonnöten. "Die Bibel ist die Grundlage unserer Kultur. Ohne Bibel verstehen Sie Thomas Mann nicht, auch Bach und Mozart und noch nicht mal Brecht. So viel können Sie gar nicht googlen."
Eigentlich sei alles ganz einfach: "Lesen Sie die zehn Gebote, da steht alles drin." Ebenso einfach, wie der oft gehörte Leitsatz seiner Oma: "Das gehört sich nicht!" – "Das ist ein ganz großer philosophischer Leitsatz", führt Peter Hahne aus. "Es gibt so etwas wie Anstand. Hier liegen letztlich die Wurzeln unserer Kultur. "Wir können keine Früchte ernten, wenn wir vorher die Wurzeln abschneiden."