Schwere Verluste für Fehring (CDU), Freude bei Unruhe (SPD) trotz Mandatsverlustes
Kreis Höxter. Katerstimmung im Kreis Höxter. Hohe Stimmenverluste für die CDU, nur knappe Zugewinne für die FDP. Freude dagegen bei der SPD und die Grünen sprechen gar von einem grandiosen Abschneiden bei der Landtagswahl 2010.
Die schlechte Wahlbeteiligung hat die CDU viele Stimmen gekostet. Hubertus Fehring, der wieder direkt in den Landtag einzieht, wollte deshalb auch nicht in Siegerpose fotografiert werden. Von 61,7 Prozent ist er auf 52,4 Prozent abgerutscht. Er ist enttäuscht, die aus seiner Sicht erfolgreiche Politik nicht weiterführen zu können: "Das ist schon bitter." In der nächsten Legislaturperiode will er sich den Themen Erneuerbare Energie, Agrar und Umwelt, Verkehr und Kommunales kümmern. Fehring: "Ich hoffe, dass beim Lückenschluss der B 64 keine neuen politischen Hindernisse auftauchen."
Obwohl er nicht wieder in den Landtag einziehen wird, antwortet Jürgen Unruhe auf alle Fragen mit einem breiten Grinsen. "Ich habe vorher gewusst, was passiert. Wenn die SPD erstarkt, habe ich keine Chance mehr, über die Reserveliste in den Landtag zu kommen." Unruhe wird wohl wieder in seinen Beruf bei der Post zurückkehren. Aber er will die in Düsseldorf geknüpften Kontakte nicht einschlafen lassen. Großer Wermutstropfen: Die SPD hat hochstiftweit keinen Landtagsabgeordneten.
Hans Jürgen Zurbrüggen (FDP): "Wir liegen im Kreis Höxter nach Auszählung von zwei Dritteln der Stimmen im Landesdurchschnitt. Damit haben wir uns auch im Kreis Höxter leicht verbessert gegenüber 2005. Gleichwohl halte ich fest, dass dieses Ergebnis für uns sehr enttäuschend ist. Klar haben auch wir Höxteraner Liberale für die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition in Düsseldorf gekämpft. Die Argumente, die wir vorgetragen haben, sind leider nicht durchgedrungen. Die Erfüllung der guten Arbeitsergebnisse sind untergegangen im allgemeinen Negativtrend, ausgelöst von den Querelen in Berlin. Die Schwierigkeiten in Bezug auf Griechenland haben alles andere an Sachthemen überlagert. Bei diesen dramatischen zweistelligen Verlusten der CDU ist auch ein Plus bei der FDP nicht ausreichend. Die sich abzeichnenen Koalitionskonstellationen bedeuten allesamt für NRW keine gute Nachricht."
Martina Fahlbusch (Grüne): "Ich freue mich wahnsinnig über das sehr gute Ergebnis, denn es ist das beste Ergebnis für uns bei einer NRW-Landtagswahl. Auch im Kreis Höxter haben wir unser Ergebnis verdoppelt. Ein Grund mehr, sich zu freuen. Und deshalb sage sehr herzlichen Dank an alle Wählerinnen und alle Wähler und allen, die mit uns diesen engagierten Wahlkampf geführt haben. Die Bürger sagen uns klar klar, wir möchten ein Änderung in der Bildungspolitik, im gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Energiepolitik."
Bildungspolitik und die angespannten Finanzen - auch in den Kommunen - waren im Landtagswahlkampf 2010 im Kreis Höxter die zentralen Themen. Vier gemeinsame Veranstaltungen hatten die Direktkandidaten. Davon allein drei in Schulen. Ansonsten galten sie eher als Einzelkämpfer vor Parteifreunden und an ihren Ständen auf Marktplätzen, wo sich unter anderem Jürgen Unruhe (SPD) und Martina Fahlbusch (Grüne) tummelten, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
Der Kritik aus den eigenen Reihen musste sich Hubertus Fehring (CDU) stellen. Er hatte sein Programm schwerpunktmäßig auf Besuche in Ortsunionen ausgerichtet. Seine Begründung: Er wolle zunächst einmal "seine eigenen Leute" hinter sich versammelt wissen.
Ohne Fleiß kein Preis. Diesen Spruch sah FDP-Direktkandidat Hans Jürgen Zurbrüggen aber eher gelassen. Er hatte sich kurz vor der Wahl erst einmal eine Woche Urlaub in Spanien gegönnt. Das FDP-Mobil war zwar nach Beverungen gekommen. Allerdings ohne den Dauerwahlkämpfer. Zurbrüggen war schon 2009 bei den Wahlen Hans Dampf in allen Gassen. Sein Themenschwerpunkt in diesem Jahr war neben der Bildungspolitik die Infrastruktur, heruntergebrochen auf den Kreis Höxter - mit dem Ziel, die Attraktivität zu stärken, um die Abwanderung junger Menschen zu stoppen.