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30.06.2010
ENTRUP
Der Turmbau zu Entrup
EU und NRW fördern den Aufbau einer Telegrafenstation / Erster Spatenstich 2011
VON DAVID SCHELLENBERG

Zukunftspläne | FOTO: DAVID SCHELLENBERG

Entrup. Das kleine Nieheimer Dorf ist der Mittelpunkt - zumindest auf der historischen Telegrafenlinie zwischen Potsdam und Koblenz. Jetzt soll auf dem Lattberg ein Aussichtsturm mit einem funktionsfähigen optischen Telegrafen entstehen - gefördert vom Land NRW und der Europäischen Union.

Er wird ein Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische - da ist sich der Entruper Ortsheimatpfleger Josef Köhne ganz sicher. "Mit diesem Turm bekommt der Kreis Höxter etwas einmaliges in ganz Deutschland: Drei hintereinander liegende Stationen der ehemaligen Telegrafenlinie zwischen Potsdam und Koblenz", sagt Köhne. Wie bereits die Station in Oeynhausen soll der optische Telegraf in Entrup wie in der Zeit von 1833 bis 1849 funktionieren. Erste Umsetzungsvorschläge hat die Fachhochschule Holzminden-Hildesheim erstellt.

Die Möglichkeiten, die sich damit ergeben, seien vielfältig, zeigt sich Köhne begeistert. "Zum Beispiel könnten Schulklassen zwischen den beiden Orten das Telegrafieren selbst ausprobieren, um zu erfahren, wie schwierig die Nachrichtenübermittlung früher war. Immerhin ist die optische Telegrafie quasi die Ur-Großmutter des Handys", sagt der Ortsheimatpfleger.

Geplant ist, mit Schautafeln nicht nur die Geschichte der Telegrafie, sondern auch der Region nachzuzeichnen. Er hofft auch, dass das Projekt zum verbindenden Element zwischen der Bevölkerung in Nieheim und Marienmünster wird.

Zudem könnten die Telegrafenstationen und der Aussichtsturm in Marienmünster im Verbund eine einmalige Touristenattraktion werden. "Gäste können von einem zum anderen Turm wandern und unsere schöne Natur genießen", schlägt Köhne vor. Wer’s schneller mag, kann das Fahrrad nehmen. Denn neben dem Wanderweg soll ein Telegrafenradweg von Potsdam nach Koblenz entstehen.

Vielleicht, so hofft der Entruper, lässt sich mit dem Turm auch ein weiterer Traum verwirklichen: Eine Web-Kamera. "Damit könnten wir jeden Tag der ganzen Welt zeigen, wie reizvoll unsere Landschaft ist, deren Vegetation sich ja fast wöchentlich verändert", erklärt Köhne, der seit acht Jahren für die Verwirklichung der Idee wirbt. Bereits im März 2007 Entrup ein einstimmiges Votum für den Turm abgegeben.

Förderbescheid

Zu den seit acht Jahren verfolgten Plänen sagt Köhne mit einem Achselzucken: "Wenn man einen hohen Turm baut, dauert die Arbeit an den Fundamenten am längsten." Inzwischen ist auch die Finanzierung des 175.000-Euro-Vorhabens gesichert, das Teil des Kreisprojektes "Erlesene Natur" ist.

Den Bau des Aussichtsturms fördert die Europäische Union mit 50 Prozent und das Land Nordrhein-Westfalen mit 30 Prozent. Den Eigenanteil von 20 Prozent trägt die Stadt Nieheim, wobei ein Teil davon durch den Heimatverein Entrup aufgebracht wird, der bereits einige Spenden eingeworben hat. Gebaut werden

soll er im kommenden Jahr, obgleich die genaue Höhe noch nicht fest steht. In jedem Fall wir er einen einzigartigen Blick auf die beiden geschützten Fauna-Flora-Habitat-Gebiete "Nieheimer Tongruben" sowie "Emmeroberlauf und Beberbach" bieten. "Die ergänzende Förderung zeigt den landesweit hohen Stellenwert unseres kreisweiten Projekts "Erlesene Natur", so Landrat Friedhelm Spieker.

Im Rahmen des Projekts "Erlesene Natur" werden im ganzen Kreisgebiet 18 attraktive Erlebnisgebiete für Bürger und Touristen geschaffen. "Damit stärken wir den Tourismus als wichtigen Wirtschaftszweig für unser Kulturland Kreis Höxter", betont Spieker.

Info

Genau in der Mitte

62 Stationen hatte die optische Telegrafenlinie zwischen Potsdam und Koblenz, die der preußische König 1832 für die militärische Nachrichtenübermittlung bauen ließ. Auf dem 231 Meter hohen Lattberg stand die Station 31, eingerahmt von der wieder aufgebauten Station 32 in Oeynhausen und der Station 30 auf dem Vördener Hungerberg, wo heute ein Aussichtsturm steht. Die Nachrichtenübermittlung auf dieser Telegrafenlinie, die nur Tagsüber möglich und durch Regen, Schnee und Nebel stark beeinträchtigt worden war, wurde bereits 1849 wieder eingestellt.
Weitere Infos unter www.optischertelegraph4.de.

Glücklich über den Fördermittelbescheides der Bezirksregierung Detmold ist auch Nieheims Bürgermeister Rainer Vidal: "Für das zweimalige Kreisgolddorf Entrup ist diese Entwicklung eine Riesenchance." Neben den bekannten Stärken wie der gewerblichen Wirtschaft am Ort und dem durchweg gut erhaltenen Gebäuden erhalte Entrup nun eine auch touristische Attraktion, die sich gut in das touristische Gesamtkonzept von Nieheim einpasse.

"Ich wünsche mir, dass dieses Projekt jetzt als Gemeinschaftsaufgabe der ganzen Ortschaft angegangen wird. Dazu brauchen wir eine nachhaltige Konzeption, insbesondere für die Zeit nach dem Bau und der Errichtung des Turms", sagte Vidal.

Der Bürgermeister kündigte eine Bürgerversammlung in Entrup an, bei der er über die Einzelheiten des Projekts und die weiteren Planungen informieren möchte.


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