Höxter. Die Euphorie und die Siegesgewissheit vor dem WM-Spiel war in Höxter groß. Der Respekt vor den Spaniern aber ebenfalls. Denn vergessen war das Drama aus dem EM-Finale vor zwei Jahren bei den rund 1.500 Fans auf dem Marktplatz längst noch nicht. Sie hofften endlich auf eine Revanche.
"Daraus wird nichts. Spanien wird mit 2:1 gewinnen", gab sich Cafer Tarsoy, Besitzer des Restaurants Ritmo in Höxter siegesgewiss. Zwar hat der Chef die spanische Flagge gehisst, aber auch in seiner Gaststätte dominierten die Farben schwarz, rot und gold. Während sich die Fußballfans hier trafen, um gemütlich bei Tappas und Rotwein das Spiel zu verfolgen, trafen sich rund 200 Meter weiter auf dem Marktplatz die Fans, die mit Vuvuzelas, Fahnen und Gesängen ihr Team unterstützen wollten.
Dort stimmt Animateur "Engelbert" die Massen mit seinen WM-Songs auf die Partie ein. Kaum einer der nicht den Hit "54-74-90-2010" aus vollem Hals und lauterem Herzen mitgrölt. Ebenso stimmgewaltig stimmen die Public-Viewing-Besucher in die deutsche Nationalhymne ein.
Doch mit dem Anpfiff wird es vor der großen Leinwand merklich ruhiger. Es sin die Iberer, nicht die Deutschen, die das Spiel machen. Pedro schickt Villa in den Strafraum, Arne Friedrich sieht in dieser Szene ziemlich alt aus. Neuer rettet. Aufatmen bei den Fans. Szenenapplaus für den deutschen Keeper. Den gibt es für die Deutschen lange Zeit nicht. Mit der schwindenden Selbstsicherheit von Podolski, Schweinsteiger und Co schwindet auch die Siegesgewissheit bei den Fans. "Engelberts" Anfeuerungsrufe und Prophezeiungen lassen die Stimmung auf dem Marktplatz nicht steigen. Zaghafte Anfeuerungsrufe und Super-Deutschland-Rufe an die in diesem Moment niemand so recht glauben will.
Dafür ist Cafer Tarsoy und sein Koch Diego Sequara Rey guter Dinge. "Es ist doch noch alles drin", sagt Tarsoy beim Stand von 0:0 kurz vor der Pause mit einem Augenzwinkern. Er meint seine Spanier.
Die Halbzeit gibt Kraft. Durchatmen, neuen Mut fassen. Die Partie wird nach dem Seitenwechsel flotter. Doch weniger die deutschen Chancen als die von Villa und seinen Spielerkollegen häufen sich. Löws Mannen bekommen ihre Grenzen aufgezeigt, doch sie halten tapfer dagegen. Kloses Seitfallzieher in der 58. Minute und Kroos Schuss nach der Flanke von Podolski geben Hoffnung. Die schwindet jedoch endgültig in der 73. Minute, als Puyol mitten ins Herz der Fans auf dem Marktplatz trifft.