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21.07.2010
KREIS HÖXTER
Lebendige und gesunde Gewässer
Kreis Höxter landesweit Vorreiter bei Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie

Wie ein kleiner Gebirgsbach | FOTO:GÜNTER BROMBACH

Kreis Höxter (nw). Als erster Kreis in Nordrhein-Westfalen hat der Kreis Höxter ein städteübergreifendes Handlungskonzept zur Verbesserung des ökologischen Zustands seiner Fließgewässer vorgelegt. Damit nimmt der Kreis Höxter bei der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, die das europäische Wasserrecht europaweit modernisiert und vereinheitlicht, landesweit einen Spitzenplatz ein. Bis 2015 sollen Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser in ganz Europa in einem guten Zustand sein. Dazu haben sich alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet.

"Ich freue mich, dass der Kreis Höxter erneut in einem wichtigen Gebiet eine Vorreiterrolle in NRW übernommen hat. Denn als erste Verwaltung im Land haben wir das vom Umweltministerium geforderte kooperative Vorgehen vor Ort aufgegriffen und gemeinsam mit den Kommunen ein Konzept zur hydromorphologischen Verbesserung der Fließgewässer im Kreis Höxter in Auftrag gegeben.

Damit ist der Kreis Höxter der erste Kreis im Land NRW, der ein Handlungskonzept zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie fertig gestellt hat", erklärte Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi bei der Vorstellung des Maßnahmenplans im Kreishaus in Höxter, an der neben Vertretern der Bezirksregierung, Bürgermeister aus dem Kreis Höxter sowie Vertreter von Kommunen aus den Nachbarkreisen in Niedersachsen und Hessen, der Land- und Forstwirtschaft, der Naturschutzverbände sowie der Energie- und Wasserwirtschaft teilnahmen.

Fahrplan für die zehn Städte erarbeitet

Gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen, hat der Kreis diesen Fahrplan zur naturnahen Verbesserung der Fließgewässer im Rahmen eines Pilotprojekts für die zehn Städte des Kreises erarbeitet.

Nach der Präsentation durch das beauftragte Ingenieur- und Planungsbüro Umwelt Institut Höxter überreichte Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi das "Konzept zur hydromorphologischen Verbesserung der Fließgewässer im Kreis Höxter" Birgit Rehsies von der Bezirksregierung in Detmold und den bei der Abschlusspräsentation im Kreishaus anwesenden Bürgermeistern der Städte des Kreises Höxter.

"Mit diesem Konzept ist der Kreis Höxter auf dem Weg der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie erneut Vorreiter und Vorbild zugleich", beglückwünschte Birgit Rehsies von der Bezirksregierung Detmold den Kreis Höxter, dessen kooperatives Handlungskonzept als Modell für andere Kommunen und Kreise in Nordrhein-Westfalen dienen könne.
Glückwunsch an die Kreisverwaltung

Lebendige und gesunde Gewässer seien wichtig für die Zukunft der Kommunen. Sie erhöhten die Lebensqualität und auch die touristische Attraktivität der Städte. Die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort durch heimische Betriebe, die vom Land gefördert werde, sei zugleich regionale Wirtschaftsförderung.

Die Gesamtlänge der Gewässerabschnitte, die nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 in einem guten Zustand sein sollen, beträgt im Kreis Höxter 471 Kilometer. "Davon sind 76 Kilometer schon jetzt in einem guten bis sehr guten Zustand", erklärte Bernd Schackers von dem vom Kreis Höxter beauftragten Ingenieur- und Planungsbüro Umwelt-Institut Höxter (UIH).

Dazu gehören Abschnitte der Saumer, des Hilgenbachs, Katzbachs, Silberbachs, Schwarzbachs, Hörler Bachs, der Schelpe, Aa, Öse und Nethe. Für 395 Gewässer-Kilometer hat das UIH im Auftrag des Kreises Höxter für die zehn Städte Bereiche lokalisiert, an denen Maßnahmen durchgeführt werden müssen, um die Ziele der EU-WRRL zu erreichen.

"Mit diesem Handlungskonzept können alle zehn Städte sofort durchstarten und für diese Pflichtaufgabe Fördermittel des Landes beantragen", verwies Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi darauf, dass die Fördertöpfe jetzt noch voll seien. 80 Millionen Euro stellt das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen 2010 bereit.

Positive Effekte für Kleinstlebewesen

Bis vor kurzem gingen Experten davon aus, dass nur eine Renaturierung auf einer möglichst langen zusammenhängenden Strecke die Gewässerökologie spürbar verbessern würde. Inzwischen hat sich jedoch die so genannte Strahlwirkungstheorie bestätigt. "Das bedeutet, dass von einem ökologisch aufgewerteten Bachstück flussab- und flussaufwärts positive Effekte für Kleinstlebewesen und Fische ausgehen", so Michael Werner, Leiter des Fachbereichs Umwelt, Planen, Bauen. "Und das auf Strecken von 900 bis 5.000 Metern."

Ein Vorgehen nach dem Strahlwirkungskonzept senkt die Kosten für die nach der EU-Richtlinie erforderlichen Maßnahmen gewaltig. Nach dem vorgelegten Handlungskonzept des Kreises Höxter sind kreisweit über 395 Kilometer Gewässerstrecke 173 Strahlursprünge den Anforderungen entsprechend zu entwickeln, die durch 166 Strahlwege miteinander vernetzt sind.

Ziele der Wasserrahmenrichtlinie

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 schreibt vor, dass bis 2015 alle Gewässer in einem "guten chemischen und ökologischen Zustand" sein sollen.In puncto Wasserqualität (chemischer Zustand) hat Deutschland dieses Ziel aufgrund vieler Investitionen in Abwasseranlagen im Wesentlichen erreicht. Um einen guten ökologischen Zustands zu erreichen, besteht bei vielen Fließgewässern Europas jedoch noch großer Handlungsbedarf.

Flusslandschaften sind seit jeher beliebte Siedlungsräume. Dies führte zu vielfältigen Veränderungen der Gewässerstruktur, also der Beschaffenheit des Flussbetts, des Ufers und der angrenzenden Aue. So wurden früher Fließgewässer streckenweise begradigt, aufgestaut oder sogar in Rohren unter die Erde verlegt. Dies hatte nicht nur Probleme bei Hochwasser zur Folge, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. So können bauliche Eingriffe in das Flussbett, wie zum Beispiel Aufstauungen, ein unüberwindbares Hindernis für Fische und andere im Wasser lebenden Tiere sein.

Damit ein Gewässer Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein kann, muss nicht nur die Chemie stimmen, also die Wasserqualität gut sein. Auch die Struktur, also Flussbett und Uferbereiche, sollten dem natürlichen Charakter des Gewässers möglichst nah kommen.



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