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27.07.2010
SIEBENSTERN/BRAUNAU
Doppeltes Unglück für Walther-Glas
Anzeige wegen Verdacht auf Insolvenzverschleppung / Feuerwehrgroßeinsatz im Zweigbetrieb Braunau
VON DAVID SCHELLENBERG

Immer wieder gefährlich | FOTO: FEUERWEHR BRAUNAU

Siebenstern/Braunau. Schwerer Schlag für den wirtschaftlich angeschlagenen Glashersteller Walther Glas: In der Nacht zu Montag brach in der Produktionsstätte in Braunau in Oberösterreich die Fertigungswanne. Mehrere Tonnen des 1.500 Grad heißen Glases liefen aus. Zudem muss sich die Firma mit einer anonymen Anzeige wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung auseinandersetzen.

Der Einsatz für die 120 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Braunau war gefährlich. "Vor allem die große Menge des heißen flüssigen Glases stellte uns vor Herausforderungen", erklärte der Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr Braunau, Klaus Litzlbauer, im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Schwierigkeiten bereitete den Brandbekämpfern zudem das viele heiße Wasser und der Wasserdampf. "Für die Einsatzkräfte eine enorme physische und psychische Belastung bei den hohen Temperaturen und sonstigen Gefahren zu arbeiten", heißt es im Einsatzbericht.

Zugleich betonte Litzlbauer, dass die Feuerwehrleute bereits eine gewisse Routine bei Einsätzen in der Glasfirma haben. Es sei schon der fünfte Einsatz in der jüngeren Vergangenheit gewesen. "Allerdings bisher nicht in dieser Größenordnung", so der Kommandant. Verletzte seien glücklicherweise nicht zu beklagen.
Zur Unglücksursache und zur Höhe des Sachschadens in Braunau konnte Geschäftsführer Volker Walther gestern noch nichts sagen. Weil ein Großteil der 60 Tonnen Glas ausgelaufen war, konnte es nicht vollständig in der Auffangwanne abgefangen werden und lief in die Produktionshalle. "Die Beschädigungen rund um die Wanne sind gering", berichtet Walther. Zurzeit steht die Produktion in dem Braunauer Betrieb mit 150 Mitarbeitern still.

"Die Wanne selbst war am Ende ihres Lebenszyklusses. Wir hatten bereits in der vergangenen Woche eine neue bestellt", berichtet Volker Walther. Ob die alte Wanne binnen 14 Tagen repariert werden kann, wie der Geschäftsführer hofft, ist noch offen. Die neue Produktionswanne wäre erst im November einsatzbereit. Deshalb wollte Volker Walther auf Nachfrage einen Insolvenzantrag für Walther Glas Austria weder ausdrücklich verneinen noch bestätigen.

Ein solcher Insolvenzantrag für das Österreicher Tochterunternehmen wurde bereits in einer anonymen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Paderborn, die der Neuen Westfälischen vorliegt, am vergangenen Freitag angekündigt. "Das Schreiben ist bei uns eingegangen. Wir werden jetzt die Vorwürfe prüfen", erklärte Oberstaatsanwalt Bernd Rürup. Einzelheiten wollte er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht nennen.In dem Schreiben begründet der anonyme Anzeigensteller seinen Verdacht auf Insolvenzverschleppung in 13 detailreichen Punkten, die teilweise bereits früher von der Geschäftsführung öffentlich bestätigt wurden. So seien schon seit Monaten Löhne gesplittet und mit längerer Verzögerung gezahlt wurden. Dies, so erklärte Volker Walther bereits im Juni, geschehe im Einvernehmen mit dem Betriebsrat. Zu inhaltlichen Details wollte sich Volker Walther gestern nicht im Einzelnen äußern. Nur soviel: "Sie sind alle haltlos. Wir hoffen, dass die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft schnell als unbegründet eingestellt werden. Um das Unternehmen nicht zu schädigen, wollen wir das Thema nicht in der Öffentlichkeit breit treten."

Verärgert zeigte sich der Geschäftsführer über die Vorwürfe, die offenbar aus der Mitte des Unternehmens selbst kommen, weil sie das Wirtschaften nicht erleichtern würden. Die Firma hatte im Juni angekündigt, im August die stillgelegte zweite Wanne in Siebenstern wieder anzufeuern, um das Herbst- und Weihnachtsgeschäft voll nutzen zu können. Investitionskosten: rund 1,5 Millionen Euro. "Dabei bleibt es. Die ersten Steine für die Wanne werden in der kommenden Wiche geliefert", so Walther.

Allerdings werde er als Gesellschafter in der Zeit der Prüfung der Vorwürfe kein frisches Geld in das Unternehmen stecken. Zudem prüft er mit seinem Anwalt eine Strafanzeige wegen Kreditgefährung sowie arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Briefeschreiber.

Unter den Mitarbeitern selbst ist die Stimmung nach Informationen von Radio Hochstift angespannt. Der Frust über die verspätet gezahlten Löhne sei enorm. "Viele fühlen sich seit anderthalb Jahren hingehalten und haben regelrecht Angst. Und viele überlegen, ob sie einen Anwalt einschalten", berichtet ein Mitarbeiter.
Für die schlechte Stimmung habe er Verständnis, sagt Volker Walther. "Keiner freut sich, wenn das Geld später kommt. Die Ängste sind menschlich", so der Geschäftsführer. Allerdings komme das Unternehmen nur gemeinsam mit den Mitarbeitern aus den Schwierigkeiten heraus.
     

  
  
     

  
  
     
  
     


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