INTERVIEW: Hundetrainer Holger Schüler über seine Arbeit mit Zwei- und Vierbeinern
Höxter/Worms (nw). Ob der Hund an der Leine zieht, andere Hunde verbellt oder in der Wohnung alles zerkaut - der Hundeversteher Holger Schüler aus Worms weiß Rat. Denn nicht nur bei ganz gravierenden Problemen mit dem lieben Vierbeiner ist Hilfe von Nöten. Auch im Alltag helfen professionelle Ratschläge, das Zusammenleben von Mensch und Hund zu verbessern.
Mit seinen beiden Hunden, dem Chesapeake Bay Retriever Ralk und der Berner Sennerhündin Siska, führt Holger Schüler am Montag, 13. September, ab 20 Uhr in der Stadthalle Höxter vor, wie ein Team "auf sechs Pfoten" funktioniert. Im Gespräch mit Sibylle Roderer, die Schüler bereits mehrfach bei Dreharbeiten für Fernsehfilme über die Schulter schaute, gibt der Hundeerziehungsberater einen Einblick in seine Arbeit.
Herr Schüler, wieso wird man eigentlich Hundetrainer?HOLGER SCHÜLER: Eigentlich ist das einfach so passiert. Ich wurde immer öfter von Freunden um Rat gefragt, weil ich sehr gut mit meinen eigenen Hunden klar kam. Da war die Idee irgendwann naheliegend. Das ist nun schon bald 20 Jahre her. Die Faszination für Hunde hatte ich natürlich von Kind an, und wohl auch einfach ein gutes Händchen dafür. Ganz wichtig ist aber, dass es mir auch Spaß macht, mit den Hundebesitzern zu arbeiten. Denn als Hundeerziehungsberater muss man ja vor allem den Menschen verändern und zeigen, wie er mit dem Hund besser umgehen kann.
Was war Ihr schlimmster Fall? SCHÜLER: Schwierig sind natürlich aggressive Hunde. Da muss man ruhig und souverän gegenüber dem Hund auftreten und man darf keine Angst haben. Ich hatte zum Beispiel eine Hündin, die schon seit Jahren keinen Besuch mehr in der Wohnung duldete und auch auf mich natürlich erst mal losging. Besonders kompliziert war der Fall dann eigentlich gar nicht. Der Hund war schnell bereit, sein aggressives Verhalten aufzugeben - nur die Menschen mussten ihr Verhalten zuerst verändern, dem Hund zeigen, dass sie nicht bewacht werden wollten und lernen, ganz selbstverständlich den Hund wieder in den Alltag zu integrieren.
Wurden Sie schon einmal von einem Hund gebissen?SCHÜLER: Natürlich. Allerdings war ich selbst schuld, weil ich die Anzeichen nicht ernst genug genommen hatte. Lehrgeld zahlt man einfach. In der Regel arbeite ich mit aggressiven Hunden aber mit Maulkorb.
Was raten Sie bei einem aggressiven Hund?SCHÜLER: Ich arbeite zwar mit aggressiven Hunden und erziele dabei Erfolge. Laien Tipps zum Umgang zu geben, halte ich aber für verantwortungslos. Jeder Fehler macht alles nur noch schlimmer. Aggressives Verhalten sollte von einem Profi korrigiert werden. Und die Besitzer müssen lernen, was sie selbst anders machen können.
Hatten Sie schon einen Hund, dem Sie nicht mehr helfen konnten, den sie nicht mehr erziehen konnten?SCHÜLER: Es kommt vor, dass die Besitzer nicht mitarbeiten möchten oder können. Dann kann man nichts erreichen. Auch wenn jemand brutale Erziehungsmethoden anwendet und nicht bereit ist, davon Abstand zu nehmen, hat die Zusammenarbeit keinen Sinn.
Lassen sich Hunde in jedem Alter noch erziehen oder gibt es Grenzen?SCHÜLER: Grundsätzlich kann man mit jedem Hund arbeiten. Man muss eben Rücksicht nehmen, wie lange ein Hund körperlich und geistig mitarbeiten kann. Aber lernen kann jeder Hund - zumal es ja meist die Menschen sind, die etwas Neues lernen müssen. Für den Hund ist die Umstellung oft gar nicht so schwierig und entspricht ohnehin seinem natürlichen Bedürfnis nach festen sozialen Regeln und einer souveränen Führung.
Welche Hunderassen eignen sich besonders für Anfänger? Welche sind besonders schwer zu erziehen?SCHÜLER: Das kann man pauschal nicht sagen. Kein Hund ist per se für Anfänger geeignet. Und jeder Hund kann verkorkst werden. Gute Erziehung ist immer notwendig. Besonders anspruchsvoll sind aber natürlich Hunde aus Arbeitszuchtlinien, besonders Hütehunde wie Border Collies oder Australian Shepherds. Solche Hunde sind sehr lernbereit, müssen aber eben auch beschäftigt werden. Auch Schutzhunderassen können für Anfänger schwierig werden.
Wem würden Sie generell von einem Hund abraten?SCHÜLER: Man muss einfach seine Motive überdenken. Ein Hund sollte zum Beispiel nicht einfach ein Kinderspielzeug sein oder nur niedlich aussehen. Er macht Arbeit, erfordert Zeit und eine erwachsene Bezugsperson, die sich zu 100 Prozent verantwortlich fühlt. Wer das nicht leisten kann, sollte seine Entscheidung überdenken.
Warum haben Sie Ihre Tournee "Menschen an der Leine" genannt?SCHÜLER: Es kommt bei meiner Arbeit häufig vor, dass ich den Menschen am eigenen Leib demonstriere, wie sich ihr Hund fühlt. Wenn ihm dauernd am Kopf herumgewuschelt wird. Oder hektisch auf ihn eingeredet wird. Oder eben, und dazu lege ich den Leuten die Leine um den Arm, wie es sich anfühlt, wenn grob an einem gezogen wird. Solche Aha-Effekte sind wichtig. Viele Leute machen sich zu wenig Gedanken, was sie mit dem Hund überhaupt anstellen. Der Fehler liegt eben fast immer beim Menschen - deshalb heißt das Programm: "Menschen an der Leine!"