Funde aus Höxter dokumentieren die Sachkultur auf einem frühneuzeitlichen Adelshof
Höxter/Köln. Die vielfältigen Aufgaben und die reichen Ergebnisse der Archäologie in Nordrhein-Westfalen illustriert die Landesausstellung "Fundgeschichten" im Römisch-Germanischen Museum Köln. Zu den Zeugnissen vergangener Alltagskultur und Lebenswelt, die in Köln zu sehen sind, gehören auch beispielhafte Funde, die von der Stadtarchäologie Höxter bei den Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung des Heisterman von Ziehlbergschen Adelshofes in der Altstadt geborgen werden konnten.
Im seinem Textbeitrag zu dem Katalog, der zu der Landesausstellung erschienen ist, erinnert Stadtarchäologe Andreas König an die näheren Umstände der Ausgrabung. Bei den Nachforschungen in den durch Bauarbeiten gefährdeten Bereichen wurde 2005 unter anderem ein großer, im Hof zwischen den Gebäuden Westerbachstraße 35 und 37 gelegener Kloakenschacht mit einer Tiefe von 8,5 Meter und einem inneren Durchmesser von 1,8 Meter entdeckt.
Dieser Schacht wies, wie König darlegt, eine durchgängige Schichtenabfolge vom späten 16. bis ins späte 18. Jahrhundert auf. Er barg mehrere Zentner zerbrochener Glas- und Keramikgefäße, die auf diese Weise entsorgt worden waren. "Für die Erforschung der Sachkultur im Oberweserraum in der frühen Neuzeit handelt es sich hierbei zweifellos um einen Schlüsselkomplex", hebt der Archäologe hervor. Im Forum Jacob Pins sind die Ausgrabungsergebnisse sowie auch die Geschichte des Adelshofes dokumentiert.
Nächste Station nach Köln ist Herne
Die Landesausstellung "Fundgeschichten. Archäologie in Nordrhein-Westfalen" im Römisch-Germanischen Museum Köln ist geöffnet bis 14. November, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, donnerstags 10 bis 20 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10 bis 22 Uhr.
Im Auftrag des Ministeriums für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und in Zusammenarbeit mit den Bodendenkmalpflegeämtern und den Museen im Rheinland und in Westfalen-Lippe führt sie die Tradition der Landesausstellungen der Jahre 1990, 1995, 2000 und 2005 im Römisch-Germanischen Museum Köln und in den Landesmuseen Münster und Herne fort. Nach Köln ist Herne die nächste Station der aktuellen Ausstellung. Dort wird sie im LWL-Museum für Archäologie vom 16. April bis 20. November 2011 zu sehen sein. (lon)
Die Funde gewähren nach den Worten von König "Einblicke in die Ausstattung der Küche und Tafel auf dem Adelshof während der Renaissance- und Barockzeit": "Sie dokumentieren ein sich wandelndes Konsumverhalten, das unter anderem in dem Aufkommen neuer Materialien, Formen und Dekore seinen Ausdruck findet."
Zu den spektakulären Objekten, die von dem archäologischen Team geborgen werden konnten, gehören zwei goldene Schmuckstücke aus der Zeit um 1600, die den luxuriösen Lebenswandel auf dem Anwesen erahnen lassen. Der Ring und das broschenartige Exemplar, das auf ein Gewand aufgenäht war, sind mit farbigen Emaileinlagen verziert und tragen jeweils einen Smaragd. Vermutlich gingen die beiden kostbaren Goldschmiedearbeiten bei der Abortnutzung verloren.
Das Gros der in dem Abortschacht entsorgten Keramik bilden Gefäße, die der Nahrungsbereitung und Bevorratung zuzuordnen sind. "Für das 18. Jahrhundert", erläutert König, ist ein einschneidender Wandel bei der Tischkultur zu verzeichnen. Bedingt durch den zunehmenden Import ostasiatischen Porzellans sowie die Gründungen von europäischen Fayence-, Porzellan- und Steingutmanufakturen wurde vor allem in wohlhabenden Haushalten das Geschirr aus Irdenware und Steinzeug weitgehend von der Tafel verbannt.
Darüber hinaus führte der allgemein steigende Konsum von exotischen Warmgetränken (Kaffee, Tee und Schokolade) zu neuen Formen des Trink- und Schenkgeschirrs." Frühe Beispiele hierfür bilden Koppchen und Unterschalen aus niederländischer Fayence und ostasiatischem Porzellan, sogenanntem "weißen Gold", wie sie in der Adelshof-Kloake gefunden wurden.
Anhand wichtiger Ausgrabungen und vielfältiger Funde zeigt die Landesausstellung im Römisch-Germanischen Museum die facettenreiche Welt der Archäologie.
Mit Ausstellungsstücken, die einen Bogen spannen über Millionen Jahre, vom Schwimmsaurier bis zum Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg, gibt sie einen Überblick über das breitgefächerte Betätigungsfeld der Bodendenkmalpflege.