Kreis Höxter/Altenbeken. Ein Meer aus Fahnen und Transparenten begleitete über 200 Demonstranten aus den Kreisen Höxter und Paderborn, die mit Trillerpfeifen, Ratschen und scheppernden Dosen vom Treffpunkt am Bahnhof durch Altenbeken zogen, um auf dem Marktplatz versammelt ihrem Unmut über die Atompolitik der Bundesregierung Ausdruck zu verleihen.
Bundesweit fand am Samstag in über hundert Städten Deutschlands entlang der Castor-Strecken der Aktionstag gegen Castortransporte statt. Am 5. November starten in der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague elf Transporte, die am 6. und 7. November in die Zwischenlager gebracht werden sollen.
Auch durch Altenbeken rollten schon dreimal, 1996, 2001 und 2006, Züge mit Castorbehältern. Ob das auch diesmal der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Die Altenbekener machten mobil, und gründeten ein Aktionsbündnis gegen die Transporte. Bündnis-Sprecherin und Ortsverbandsmitglied der Grünen in Altenbeken, Karin Wiemers, betonte: "Es ist keine Aktion der Grünen allein, sondern ein Zusammenschluss von vielen."
Privatpersonen, biolandwirtschaftliche Betriebe, Paderborner Natur- und Umweltschutzverbände, die evangelische Kirche, die Bürgerinitiative Mönkeloh, Windkraftbetreiber, SPD und Linke haben sich zu dem Aktionsbündnis zusammengeschlossen und fordern den Stopp der Atomtransporte, insbesondere durch dicht besiedelte Gebiete. Auch aus dem Kreis Höxter beteiligten sich viele an der Kundgebung, so auch Martina Denkner und Silke und Stephan Bambach mit ihrem kleinen Sohn Simon aus Bad Driburg. "Wir haben selbst ein Kind und sind der Meinung, dass man für nachfolgende Generationen Verantwortung übernehmen muss", erklärt Silke Bambach.
Auf dem Marktplatz in Altenbeken legten Elmar Rohde, SPD-Ortsvorstand, und die Teilnehmer eine Schweigeminute für die Opfer des Reaktorunglücks in Tschernobyl ein. Die Redner der Kundgebung ernteten zustimmenden Beifall, als sie unter anderem die Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke oder die Erhöhung der Strompreise durch die Einspeisung von Solarstrom kritisierten.
Aus Höxter beteiligte sich eine Delegation, der unter anderem Ludger Roters, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Grünen, und Pfarrer Herbert Falke, Kreissprecher der Grünen, angehörten. Falke sprach auch auf dem Marktplatz zu den Teilnehmern der Kundgebung. Eine Abordnung aus Steinheim kam per Bahn angereist, unter anderem die Fraktion der Grünen im Rat Steinheim, Helge Hörning und Bernd Behling.
Gregor Westermann aus Altenbeken hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen, indem er bedruckte Papiertüten mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum bis 23.10.26120 n.Chr. an die Teilnehmer verteilte, in denen sich aus Keksen und Schokoküssen gebaute Atommeiler befanden, und meinte: "Wir schaffen es nicht, der nächsten Generation die Rente zu sichern, aber sehenden Auges überlässt man nachfolgenden Generationen den Atommüll für Jahrtausende."