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30.04.2011
HÖXTER
Weser auf dem Prüfstand
Verkehrsminister Ramsauer strebt Reform der Bundeswasserstraßen an / Sieben Kategorien
VON KARL-HENDRIK TITTEL

Durch die Natur | FOTO: KARL-HENDRIK TITTEL

Höxter. Paddelboote, Fische, Holzstückchen, Ausflugsschiffe, Enten und Frachtkähne: Im Wasser der Oberweser tummelt sich eine bunte Vielfalt. Mit der Frachtschifffahrt könnte aber bald Schluss sein, denn Verkehrsminister Peter Ramsauer strebt eine Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an. Wasserstraßen ohne Bedeutung für den Gütertransport und kaum Bedeutung für den Wassertourismus könnten ihre Verkehrsfunktion verlieren. Ob auch Teile der Oberweser dazu gehören, wird zurzeit geprüft.

Viel Frachtverkehr findet auf der Oberweser nicht mehr statt. Zwischen Hann. Münden und Hameln beispielsweise werden 4.000 Tonnen pro Jahr bewegt.

Das Verkehrsministerium (BMVBS) kategorisiert aber Wasserwege, auf denen unter 100.000 Tonnen pro Jahr transportiert wird, als sogenannte "Randnetze". Und diese "Wasserstraßen mit geringer Transportnachfrage" sollen nicht mehr wie bisher unterhalten werden.

Förderung für stark befahrene Wasserstraßen

Auf der anderen Seite will das BMVBS "die zur Verfügungen stehenden Ressourcen auf die Teile der Wasserstraßeninfrastruktur (...) konzentrieren, die bereits heute oder absehbar über ein hohes Verkehrsaufkommen verfügen", heißt es in einem Bericht des Verkehrsministeriums zur geplanten Reform.

Das bedeutet im Klartext: See- und Binnenwasserstraßen mit hoher Transportnachfrage werden gefördert, diejenigen mit kaum nennenswerter Funktion für den Gütertransport, der Personenschifffahrt oder den Wassertourismus sollen sich selbst überlassen, beziehungsweise renaturiert werden. In dem Fall würde die Verwaltungszuständigkeit des Bundes entfallen. Diese Abschnitte werden als Restwasserstraßen bezeichnet.

In welche der insgesamt sieben Kategorien die Oberweser fallen wird, ist auch im Verkehrsministerium noch nicht klar. "Wir prüfen jede Bundeswasserstraße einzeln, die Weser wird zurzeit von unserer Fachabteilung kategorisiert", sagt eine Sprecherin des BMVBS auf Anfrage der NW. Am 11. Mai soll das fertige Reformkonzept vorgelegt werden. Die Sprecherin macht deutlich: "Wir wollen Verkehr ermöglichen, nicht Verkehr verhindern". Die Reform sei kein Sparprogramm, das vorrangige Ziel sei es, mehr Verkehr von Schiene und Straße auf Wasserwege zu bekommen.

Firmen auf Wassertransport angewiesen

Was heißt das für den Teilabschnitt der Weser, der durch das Kreisgebiet fließt? "Wir machen uns natürlich Sorgen, auch wenn wir noch keine genaueren Informationen haben", sagt Heinrich Arnke vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden, das fünf Außenstellen, darunter eine in Höxter, unterhält. Einige regionale Firmen seien auf den Wassertransport angewiesen und in letzter Zeit sei ein reges Interesse spürbar, die Transportschifffahrt, besonders für Kies, Getreide oder Streusalz, wieder mehr zu beleben. "Aus unserer Sicht ist genug Bedarf sowohl für die touristische als auch die wirtschaftliche Nutzung der Oberweser", so Arnke. Ein wenig mulmig blicken er und seine 190 Kollegen, 20 sind in Höxter tätig, in die Zukunft.

Betriebsbedingte Kündigungen sind im Zusammenhang mit der Reform aber nicht zu erwarten, betont die Sprecherin des BMVBS. "Wir wollen Änderungen in der äußeren Struktur der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, daher sind auch Zusammenlegungen von Standorten möglich; allerdings im Rahmen der Sozialverträglichkeit."

Wenn man sich die Kategorien der BMVBS anschaut, liegt es nahe, die Oberweser irgendwo zwischen "Randnetz" und "Wassertourismusnetz" einzustufen (¦ Info-Kasten). Das wollte die Sprecherin gestern aber weder bestätigen noch verneinen, da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Christian Schneider vom "Büro am Fluss – Lebendige Weser" in Höxter sieht in der Oberweser "viel Potenzial, unabhängig vom politischen Willen". "Man muss schauen, an welcher Stelle welcher Bedarf da ist." Die Möglichkeiten einer naturnahen Nutzung sei vielerorts gegeben.


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Kommentare
Sehr geehrter Manfredo, es geht um mehr als nur 4000Tonnen Güter, Es geht um Sicherheit, Hochwasserschutz, Ausbildung, Arbeitsplätze.
Immer wieder kritisiert die Regierung den Fachkräftemangel, ist aber selber der größte Abbauer von Fachkräften. ebenfalls verlieren Sie wieder 190 Einzahler in die Sozialkassen.

Fazit: NEIN zur WSV REFORM!!!!!!!!

Achtung, hier beginnt ein ähnlicher Vorgang wie bei der Bundesbahn. Hauptstrecken werden unterhalten und optimiert, Nebenstrecken wie Randstrecken stillgelegt und sich selbst überlassen.
Totgeschwiegen wird, dass seit Jahreswechsel ein Einstellungs- und Wiederbesetzungsmoratorium in der WSV übers gesamte Bundesgebiet veranlasst wurde. Diejenigen die einen Zeitvertrag haben bei der WSV besitzen und das sind nicht wenige sondern Tausende, die leben nicht nur mit der Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, nein bei Vertragsende werden diese Mitarbeiter Arbeitslos. Klar ohne betriebsbedingter Kündigung, aber ohne Chanche der Weiterbeschäftigung. Hier findet schon ein stilles und gewolltes"schrumpfen" statt. Ich möchte diejenigen bitten die Tonnen und Menschen in Zusammenhang bringen, sich doch über die historisch gewachsenen sehr vielfältigen und nützlichen Arbeitsgebiete der WSV zu informieren und dann zu urteilen ob diese Arbeitsbereiche notwendig sind oder vei Vergabe an Unternehmen zum Nulltarief zu haben sind.

Lieber Manfredo, da fehlt es Dir wohl am Detailwissen. Die Teile, die auf der Oberweser transportiert werden, können nicht per Bahn oder normalen LKW transportiert werden, ein Stück wiegt so ab 60 bis über 250 to. Das andere ist, dass die Berechnung der Beschäftigten pro Flusskilometer beim Vergleich mit der Autobahn auch unfair ist, da hier Anzahl der Schiffsführer z.B. in Relation gesetzt wird zur Anzahl der Beschäftigten in der Verwaltung. Vielfach wird nicht berücksichtigt: 1 Schiff entspricht ca. 200 LKW = 200 LKW-Fahrer + Beschäftigte an den Autobahnraststätten, Autohöfe, Motels + Polizei, Straßenbauverwaltung, Straßemeistereien, Straßenbauunternehmen, ADAC etc, Mautverwaltung, Rettungswesen. Leitstellen , Verkehrsfunk......
Ich denke, wenn man tatsächlich über alle Kostenträger rechnet, dann ist auch ein schwach genutzter Wasserweg nicht so viel schlechter, wie die vielbefahrerene Autobahn. Von der Ökobilanz ganz zu schweigen.
Bedenke: jeder Verkehrsträger hat seine schwächen aber auch seine stärken, die es auszunutzen und nicht zu missbrauchen gilt.
Abgesehen davon ist der Bund auch Eigentümer der Wasserstrassen, somit sind ein nicht unerheblicher Teil der 190 Beschäftigten mit Aufgaben betraut, die dem Bund aus diesem Status erwachsen - ganz egal ob der Fluss Bundeswassertrasse ist oder nicht.

190 Kollegen für ganze 4000 Tonnen? Wahnsinn! Mal ehrlich, ich bin kein absolut kein Verfechter des Straßenverkehrs aber 4000 Tonnen lassen sich locker mit 200 LKW-Fahrten bewältigen. Sagen wir im Einzugsbereich des Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden ein Arbeitstag für eínen LKW-Fahrer. Demgegenüber steht - wenn die Zahlen im Artikel richtig sind - ein Arbeitsjahr eines Mitarbeiters des Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden. Vermutlich reicht eine Güterzugfahrt für die genannten 4000 Tonnen.
Manfredo

Was ist denn bitte eine "naturnahe nutzung"? Da wo eine nutzungs- und vermarktungshaltung aufkommt wird in wirklichkeit der lebensraum zerstört. "Die natur" hat sich in dem fall dem wirtschafts-wachstums-fortschritts kalkül zu unterwerfen; somit wird "die natur" zu einem seelenlosen funktionsträger und in eine zweckmäßige form gepresst.



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