Beverungen. Irritationen um die Weyrather Schule in Wehrden: Geringer werdende Schülerzahlen und eine UN-Konvention haben die Spekulationen um das Ende der Förderschule angeheizt. In einer Stellungnahme sprach der CDU- Ortsverband Wehrden bereits "von einer Enttäuschung, dass die Schule geschlossen wird."
So weit ist es noch nicht, betonte Beverungens Bürgermeister Christian Haase in der jüngsten Ratssitzung. Doch der Standort Wehrden ist in Gefahr. Grund ist neben der demografischen Entwicklung die rechtskräftig gewordene UN-Behindertenrechtskonvention, die die Bundesrepublik unterschrieben hat. Trotz eines behördlich festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarfs können die Schüler künftig in einer Regelschule unterrichtet werden. Darauf haben Kinder und Eltern einen Rechtsanspruch. Der entscheidende Fachbegriff lautet "Inklusion".
Eine inklusive Schule ist eine Schule, die allen Kindern zugänglich ist. Demnach haben alle Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung oder einem Handicap das Recht, gemeinsam mit Gleichaltrigen unterrichtet zu werden. Gegenwärtig besuchen aber noch 80 Prozent der lernbehinderten Schüler in Deutschland eine Förderschule. "Wir wissen aber aus zahlreichen Gesprächen mit den Eltern, dass sie es sich wünschen, dass ihr Kind auf eine Regelschule geht", berichtet Schulamtsdirektorin Rita Lackmann von der Bezirksregierung Detmold.
Dadurch würden die Schülerzahlen an den sechs Förderschulen im Kreis Höxter weiter sinken. Die Mindestzahl kann die Weyrather Schule aktuell schon nicht mehr erfüllen. "Die Förderschule in Wehrden liegt schon länger unter der genehmigungsfähigen Schülerzahl. Wir haben unabhängig von der UN-Konvention deshalb die Stadt Beverungen um eine schriftliche Stellungnahme gebeten, wie sie die Zukunft der Schule sieht", berichtet Rita Lackmann.
Wie grundsätzlich die UN-Konvention umgesetzt wird, bleibt jedem Staat selber überlassen. Nach einem Antrag der Landtagsfraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU hat der nordrhein-westfälische Landtag ohne Gegenstimmen beschlossen, die UN-Konvention zur Inklusion in der Schule umzusetzen. Die neue UN-Konvention beginnt das System der Förderschulen unter Druck zu setzen.
Nun muss abgewartet werden, wie schnell die Inklusion in NRW und damit auch im Kreis Höxter und der Stadt Beverungen umgesetzt werden kann. "Wir werden auch weiterhin Förderschulen vorhalten. Doch sechs Schulen werden es sicherlich nicht im Kreis bleiben. In welchem Zeitraum die Umsetzung der Inklusion passiert, kann noch nicht gesagt werden", erklärt Lackmann.
Eine reelle, langfristige Zukunft für den Standort Wehrden erscheint aber sehr unrealistisch. "Ich gehe davon aus, dass wir mindestens noch zwei Jahre die Förderschule erhalten werden, was danach passiert, kann ich nicht sagen", sagt Manfred Willeke, Schulleiter der Weyrather Schule.
Danach müssen die Kinder wahrscheinlich eine längere Anfahrt zur Förderschule in Kauf nehmen. "Wir können es den Jüngsten nicht zumuten mit dem Bus am Morgen weite Wege zur nächsten Förderschule zurückzulegen", macht der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Schepke deutlich. "Die SPD wird für den Erhalt der Förderschule kämpfen".
"Eltern werden überhaupt nicht mehr die Wahl zwischen einer Regel- und Förderschule haben, weil ihnen die Entfernung zu groß ist", befürchtet der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Wehrden, Günter Weskamp.