Lauenförde/Höxter. Die Debatte über den Bau einer Salzabwasser-Pipeline zur Weser im Kreis Höxter ist neu entfacht. Nachdem Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) weiterhin konsequent eine Pipeline zur Nordsee ablehnt, wurde nun beim wiederaufgenommen Runden Tisch die Salzeinleitung zwischen Bad Karlshafen und Würgassen mitdiskutiert. "Die Pipeline zur Weser ist leider immer noch im Gespräch", bestätigte Jürgen Unruhe, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender, nach einem Informationsaustausch in Berlin.
Eine Entwicklung, die auch Christian Meyer, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Niedersachsen, bestätigen konnte. Meyer referierte auf Einladung des Holzmindener Kreisverbandes der Grünen im Lauenförder Yachthafen, unweit der möglichen Einleitungsstelle, über die neu entbrannte Diskussion.
"14 Millionen Kubikmeter Salzlösung fallen jedes Jahr bei der Kali-Förderung von Kali und Salz (K+S) an. Die Hälfte davon wird in die Werra gekippt, der Rest wird in den Untergrund gepresst. Kein Fluss in Mitteleuropa hat so eine hohe Salzkonzentration", erklärte Meyer. Schuld daran ist ein für die Werra genehmigter Grenzwert von 2.500 Milligramm Salz pro Liter aus dem Kriegsjahr 1942. 2009 wurde der Grenzwert letztmals bestätigt.
"Für die Anrainer im Kreis Höxter und Holzminden ist es egal, ob die sieben Millionen Kubikmeter Salzlösung in die Werra oder in die Weser gekippt werden. Beide Lösungen sind gleich schlecht", erläuterte Christian Schneider vom Büro am Fluss, der ebenfalls in Lauenförde referierte. "Entscheidend ist, was die Genehmigungsbehörden in Hessen machen, wenn im November 2011 die Genehmigung für die Verpressung ausläuft und im November 2012 die Einleitgenehmigung und die Festsetzung des Chloridgrenzwertes neu entschieden wird", sagte Schneider. "Werden die Werte revidiert, dann muss K+S nach neuen Lösungen suchen."
Christian Meyer hat allerdings wenig Hoffnung, dass Hessen vor dem Unternehmen einknickt, an dem 5.790 Arbeitsplätze hängen. Dürften bei der Kaliproduktion über 2012 hinaus weiterhin 14 Millionen Kubikmeter Salzlauge anfallen, bleibt nur die Möglichkeit einer Pipeline. Die von K+S favorisierte 63 Kilometer lange Leitung zur Werra, wo bisher täglich 200 Lkw hinfahren, wurde wegen der starken Belastung für den kleinen Fluss gestrichen. Bleiben eine Weserpipeline oder die Nordseepipeline.
"Obwohl die eigenen Parteien in den Anrainer-Kommunen für eine Nordseepipeline sind, lehnt die niedersächsische Landesregierung diese Variante ab", erläuterte Meyer, der nicht davon ausgeht, dass die Landesregierung bis zur Landtagswahl 2013 die Meinung ändert.
"Wir müssen eine weitere Belastung des Küstenmeeres vermeiden", hatte Sander seine Entscheidung begründet und nahm damit die Versalzung des Süßwasserflusses Weser in Kauf.
"Für die Nordsee sind die Salzmengen kein Problem. Außerdem ist doch aktuell bereits die Weser die Nordseepipeline", sagte Meyer. "Zwar lagert sich Salz bei Hochwasser auch im Hinterland ab, das schadet jedoch nur der Natur an der Weser und schlägt sich kaum messbar auf die Menge Salz aus, die in der Nordsee ankommt".
Jürgen Unruhe erklärte nach seiner Gesprächsrunde in Berlin, an der auch Vertreter der Firma K+S sowie Professor Dr. Hans Brinckmann als Leiter des Runden Tisches "Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion" teilnahmen, dass K+S derzeit mehrere Genehmigungsverfahren parallel betreibe: "Als kurzfristige Lösung wollen sie eine weitere Verlängerung der Genehmigungen zur Entsorgung der Abwässer unter Tage und zur weiteren Einleitung in die Werra. Als langfristige Lösung sehen sie eine weitere dauerhafte Versenkung der Abwässer sowie eine Pipeline zur Nordsee, beziehungsweise eine Pipeline zur Weser, unterhalb der Einmündung der Diemel."
Für Christian Meyer ist deshalb klar, dass alle Kommunen gemeinsam Druck ausüben müssen, dass die Grenzwerte endlich gesenkt werden. Alternativ bleibt für den Politiker jedoch nur eine Pipeline in die Nordsee, damit Werra und Weser nicht länger als Abwasserkanal benutzt werden.

















