Stahle. Nach zweijähriger Funkstille hat sich die Freilichtbühne Stahle mit einem musikalischen Freudenfest jubelnd und triumphierend zurück gemeldet. Rund 500 Besucher kamen zum angekündigten "großen Konzert zur Wiedereröffnung". Sie erlebten eine Gala der Extraklasse. Dargeboten von einer auf drei Säulen aufbauenden Künstlerallianz aus zwei Ensembles und einer Gesangssolistin.
Insgesamt begeisterten das Publikum rund 40 Könner ihres Fachs, von denen jeder einzelne das Zeug hat, auch allein zu bestehen. Genau darauf pfeifen sie. Sie gewinnen ihre Freude aus dem Zusammenspiel, das alle so professionell beherrschen, dass sie sich scheinbar mühelos als Gesamtkunstwerk aus Guss präsentieren. Alle gemeinsam sind der "Star des Abends": Das Revue-Ensemble des Schlosstheaters Fürstenberg unter Leitung von Bärbel Mihm, das Happy Music Sound Orchestra unter Leitung von Roland Beverungen und die Bredenborner Sängerin Marita Paßlick, die in Wirklichkeit auch ein "Herdentier" ist.
Mit viel Gruppenerfahrung und überschäumender Freude bringt sie sich in die Show ein und setzt mit viel Temperament besondere Akzente. "I’m so excited" schmettert sie so überzeugend wie alle drei Pointer Sisters zusammen und reißt alle mit. Es ist die pure Lust und Freude am Musizieren, Singen, Tanzen, die von allen ausgeht und die von Beginn an ein Spiel von Wechselseitigkeit in Gang setzt.
Und über allem schwebt der Geist des Meisters der guten Laune durch Musik schlechthin, der lebenden Legende James "Hansi" Last, der es mit 82 Jahren immer noch nicht lassen kann und gerade wieder einmal auf Tournee ist. Ihm hat sich das Happy Music Sound Orchestra ganz und gar verschrieben. Dem unverwechselbaren James-Last-Sound, seinem Rhythmus, seiner musikalischen Stilvielfalt eifern die rund 25 Musiker nach – mit der gleichen Energie, Freude und faszinierend originalgetreu.
Ganz still wurde es bei der ergreifenden Interpretation des "einsamen Hirten" von Peter Voss. Sein Spiel auf der Panflöte traf alle mitten ins Herz.
Geniale Treffer – meistens mitten ins Lachzentrum – landete Wulf Dominicus als fantastischer Moderator des Abends. Seine durchgefeilte Selbstinszenierung, bei der er mal im feinen Anzug, mal im weißen Frack mit weißem Zylinder antrat, fügte nicht nur elegant zusammen, was an diesem Abend zusammengehörte, sondern bot ein eigenständiges Unterhaltungsprogramm. Er sang und tanzte, begeisterte mit Sketchen, Gags und Bonmots, die er scheinbar locker aus dem Ärmel schüttelte. Jeder Auftritt wurde mit wachsamer Spannung erwartet und war immer für eine Überraschung gut.
Ebenso gekonnt schlug der Show- und Theatermann den Bogen zu den Auftritten der Revue-Künstlerinnen und Künstlern. Sie begeisterten das Publikum mit vielseitiger Show auf höchstem Niveau. Sogar oder gerade dann, wenn Martin "Louis" Klinkemeier mit dröhnendem Bass "What a wonderful World" schmetterte, und noch tiefer einfach unvorstellbar ist.
Hoch hinaus ging es dann wieder mit flotten Tanz- und Gesangs-Szenen aus den Musicals "Grease" und "Sister Act", hinreißenden Balladen und typischen Schlosstheater-Gags. So erzielte Thomas Golüke, der Mann im quietschgrünen Maßanzug, einen Riesen-Lacherfolg, als er zur James-Last-Traumschiff-Melodie plötzlich im pinkfarbenen Pappdampfer erst über die Bühne und dann mitten durchs Publikum dümpelte.
Dickes Lob vom Bürgermeister
Stahle (rho). Mit großer Freude verkündete Walter Sieburg, Vorsitzender des Kultur-Fördervereins Stahle, zu Beginn der Veranstaltung das Ende der zweijährigen Zwangspause auf der Freilichtbühne Stahle. Geschuldet dem Risiko des unkontrollierbaren Steinschlags, dem ausgerechnet auch die geplanten Festveranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen der Bühne zum Opfer gefallen waren. Sein Dank galt allen, die Sanierung mit großem Einsatz voran getrieben und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Höxter und viel Eigenleistung durchgeführt haben. Großes Lob erteilte Bürgermeister Alexander Fischer dem verantwortlichen Kultur-Förderverein Stahle. Er würdigte das enorme Engagement des Vereins für den Erhalt und Betrieb einer einzigartigen Naturbühne, die sich mit ihren besonderen und hervorragenden kulturellen Angeboten einen ausgezeichneten Ruf in der Region erworben hat. Dazu gehört auch die Präsentation der Bühne durch kunstvolle Beleuchtung und Lichteffekte. Zur Wiedereröffnung der Bühne lieferte Alexander Rexfordt vom Schlosstheater, der sein Hobby jetzt zum Beruf machen will, sein absolutes Meisterstück. Mit zauberhaften Lichtspielen und Farbeffekten präsentierte sich die Bühne von der allerbesten Seite.