Partei sieht lange abgelehnte Schulform als "letzte Option" für Brakel und Bad Driburg
Höxter. Kehrtwende bei der CDU: Nachdem sich die Partei im Kreis jahrelang gegen Gesamtschulen ausgesprochen hat, ist diese Schulform nun offiziell eine "Option" - wenn auch "die letzte", wie der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Jürgen Hermann sagt. Konkret geht es um die CDU-regierten Schulstandorte Brakel und Bad Driburg.
"Wir würden bei entsprechenden Anmeldezahlen eine Gesamtschule im Kreis Höxter akzeptieren", sagte Hermann auf einer Pressekonferenz in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Höxter. "Die Notwendigkeit muss da sein." Das Angebot beschränkt sich aber auf Brakel und Bad Driburg. Generell fordert die CDU im Kreis weiterhin "den Erhalt von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien", wie Hermann betonte.
Der Hintergrund: Für Brakel und Bad Driburg hatte der Schulexperte Dr. Ernst Rösner in seinem Gutachten ein schwarzes Bild gezeichnet (die NW berichtete). So sei absehbar, dass sich das Brakeler Petrus-Legge-Gymnasium und das städtische Gymnasium in Bad Driburg wegen sinkender Schülerzahlen nicht langfristig halten können Hier brachte Rösner unter anderem eine Gesamtschule als Lösung ins Spiel (siehe Info-Kasten).
Ziel der CDU sei es, "alle Schulabschlüsse möglichst ortsnah zu ermöglichen", sagte Christian Haase, stellvertretender Kreisvorsitzender und Bürgermeister von Beverungen. Darum jetzt das eingeschränkte Ja zur Gesamtschule: Wenn eine Stadt ihr Gymnasium verliere, könne "eine Gesamtschule eine Option für das Abitur vor Ort" sein, sagte CDU-Landrat Friedhelm Spieker.
Die Bedingung der Christdemokraten: Die Eltern in Brakel und Bad Driburg sollen befragt werden. Einem Votum für eine Gesamtschule werde man sich nicht entgegen stellen, kündigte Spieker an. "Wir werden die Elternwillen akzeptieren." Bislang hatte die CDU immer eine Nachfrage bei Eltern für Gesamtschulen im Kreis bezweifelt.
Nun müssen man "intern abklären, wann das gemacht werden kann", sagte Hermann zur Elternbefragung. In beiden Städten steckt die öffentliche Diskussion nach dem Schock durch das Expertengutachten noch in den Anfängen. Eltern und Lehrer sind verunsichert. Jetzt soll offenbar Tempo gemacht werden. "Bis Anfang des Jahres" will die CDU "Aussagen treffen", kündigte Hermann an.
Die Aussagen zur Gesamtschule will die CDU indes nicht als schulpolitischen Schwenk verstanden wissen. Ein solcher sei "nicht zu erkennen", so Hermann. Grund zum Umdenken sei allein die demographische Entwicklung. Es stehe "keine Ideologie mehr im Vordergrund", wie Haase befand. "Vor zehn Jahren gab es keinen Grund, das System abzuschaffen", ergänzte Spieker.
Außerdem kündigte Spieker das Aus der bisherigen Förderschulen im Kreis an. Diese seien nicht mehr nötig, wenn Kinder mit Förderbedarf nach dem Inklusionskonzept künftig Regelschulen besuchen. Laut Spieker könnten "ein bis drei" Förderschulen übrig bleiben. Eine Option sei, dass der Kreis für diese die Trägerschaft übernehme. Das solle binnen "fünf bis zehn Jahren" geregelt werden.
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