Gemeinsamer Antrag im Rat / Stiewe: "Dreigliedriges Schulsystem ist nicht mehr zu halten"
Brakel. Über das Thema Schulentwicklung wird im Kreis Höxter derzeit intensiv diskutiert. Die Prognosen und Handlungsoptionen, die Professor Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund in seinem Gutachten aufgezeigt hat, erschrecken und signalisieren Handlungsbedarf in den weiterführenden Schulen. Sie geben aber auch Optionen frei, über andere Schulformen nachzudenken.
In Brakel haben sich jetzt die Fraktionen der CDU und der UWG/CWG positioniert. In einem gemeinsamen Antrag sprechen sie sich für die Errichtung einer Gesamtschule in Brakel aus. Für eine Gesamtschule hatte sich vor kurzem auch die Liste Zukunft ausgesprochen (die NW berichtete).
"Brakel hat die besten Voraussetzungen für diese Schulform", sagte Uwe Oeynhausen, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, gestern Vormittag in einer Pressekonferenz mit der Stadt Brakel. Dafür würden der zentrale Schulstandort im Kreis Höxter, das umfassend renovierte Schulzentrum, die angegliederten Sporthallen und das Hallenbad sowie auch eine gute Verkehrsanbindung sprechen. Das Fundament der Gesamtschule seien die Hauptschule, die Realschule und das städtische Gymnasium.
"Die Schulen werden auf jeden Fall die nächsten sieben Jahre erhalten bleiben", führte Oeynhausen an, und betonte, dass Schüler, die sich 2012 für die jetzige Schulform an den weiterführenden Schulen entscheiden, ganz sicher auch ihren Abschluss in der gewählten Schulform machen. "Uns geht es darum, den Schulstandort Brakel zu erhalten und den Schülern auch zukünftig optimale Fördermöglichkeiten zu bieten", fasste Oeynhausen zusammen.
Dazu zähle auch die Entwicklung eines guten Schulkonzeptes. Da sei insbesondere die Meinung und Vorstellung der Eltern von Bedeutung. Geplant ist eine Umfrage bei den Eltern von Grundschülern in den dritten und vierten Klassen, die möglichst zeitnah durchgeführt werden soll.
"Der Schlüssel zum Erfolg der Gesamtschule ist das pädagogische Konzept. Die Schule hat nur eine Chance, wenn dies stimmt", führte Alexander Rode (CDU) an.
Die Konzeption soll sich vornehmlich auf die Schüler konzentrieren, die vor Ort die Schulen besuchen. Wichtig ist den Antragstellern, dass neben den Eltern auch fachkompetente Konzeptentwickler und Referenten eingebunden werden, die einer neuen Gesamtschule von Beginn an ein hohes qualitatives Niveau verleihen. So wird die Installation eines engen Netzwerks mit Schulleitungen und Schulträgern angestrebt, die bereits Erfahrungen mit der Gesamtschule haben.
Ein weiteres Anliegen ist die Kooperation zwischen Schule und heimischer Wirtschaft, die weiter ausgebaut und intensiviert werden soll.Bedeutend sei auch das Thema Wertevermittlung. Die könne man sich beispielsweise in Form einer Erziehungsvereinbarung zwischen Eltern, Schülern und Lehrern vorstellen, so Uwe Oeynhausen.
Den Antrag von CDU und UWG/CWG will Bürgermeister Hermann Temme aber nicht als politische Kehrtwendung verstehen. "Es ist ganz einfach die richtige Antwort auf die Zeit und auf die aktuelle Situation", versicherte er. Man müsse nach vorne schauen. "Wenn dabei alle an einem Strang ziehen, ist die Gesamtschule die richtige Wahl für Brakel", so Temme. Es gebe viele gut funktionierende Gesamtschulen.
Dem stimmte auch CDU-Stadtverbandsvorsitzender Josef Stiewe zu. "Das dreigliedrige Schulsystem ist nicht mehr zu halten. Es gibt keine Alternative zur Gesamtschule". Bis 2013 sollen erste Perspektiven zur Gesamtschule erstellt werden. Geplant sind zudem verschiedene Informationsveranstaltungen.
Mit dem Antrag der CDU und UWG/CWG werden sich noch der Schulausschuss und der Rat der Stadt Brakel befassen.