Höxter. Bis zu 80 große Lastwagen fahren täglich vom Kaliwerk Neuhof nach Philippsthal an der Werra. Ihre Fracht: Salzlauge. Die Produktionsrückstände des Salz- und Düngemittelherstellers K + S werden in die Werra und damit in die Weser gekippt. Um die Lkw-Fahrten einzusparen, will das Unternehmen eine 63 Kilometer lange Pipeline zur Werra bauen. Über sie sollen jährlich 700.000 Kubikmeter Lauge eingeleitet werden. Doch es formiert sich Widerstand. Auch die Städte Beverungen, Höxter, Holzminden, Boffzen und Lauenförde haben Einwände gegen das Projekt vorgebracht.
5.000 Widersprüche gegen die geplante Rohrleitung sind bei der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium Kassel, eingegangen. Die Abwässer stammen nicht aus der aktuellen Produktion, durch die weitere sieben Millionen Kubikmeter Salzlauge jährlich eingeleitet werden. Es ist Regenwasser, das auf die riesige Salzhalde bei Neuhof fällt und damit zur Lauge wird. "Die 700.000 Kubikmeter, um die es jetzt geht, wurden bisher in den Untergrund gepresst. Aber die Versenkungsräume sind voll", erläutert Christian Schneider vom Verein Lebendige Weser in Höxter. Schneider fürchtet, dass mit der Pipeline die Belastung der Werra und der Weser dauerhaft gefestigt "und damit der wasserrechtliche Ausnahmezustand seit 1942 auch nach 2012 bleiben wird". Eine deutliche Verbesserung werde nur dann erreicht, wenn die Belastung mit Chlorid unter 300 Milligramm pro Liter und Kalium unter 20 Milligramm pro Liter liegt. "Dieses muss das mittelfristige Ziel sein." Eine deutliche Reduzierung der Grenzwerte, die noch in diesem Jahr vom Regierungspräsidium Kassel neu festgelegt werden, fordern auch die Weserstädte im Kreise Höxter und Holzminden.
Doch K + S versucht, bei normalem Pegel der Flüsse immer soviel einzuleiten, dass die Grenzwerte von 2.500 Milligramm Chlorid und 90 Grad deutsche Härte fast erreicht werden. Bei Hochwasser haben die Gewässer eine kurze Verschnaufpause. Durch den Bau von größeren Stapelbecken werde das Unternehmen in der Lage sein, auch größere Abflüsse der Werra zu nutzen und somit die Hochwasserwelle "aufzusalzen".
Zudem werde durch die "Neue Integrierte Salzwassersteuerung" eine weitere Zunahme an Salzabwässern geplant. Zwar werden dann "weichere" Inhaltsstoffe eingeleitet, aber die Menge mit bis zu 9.000.000 Kubikmeter Lauge zwischenzeitlich deutlich erhöht.
Zu den großen Kritikern der Pipeline an die Werra und die Salzeinleitung gehören auch Beverungen, Höxter und die Anrainerkommunen des Kreises Holzminden. "Wir sind grundsätzlich gegen jede zusätzliche Salzeinleitung", erklärte Beverungens Bürgermeister Christian Haase. Insbesondere bei Weserhochwasser sieht die Kommune gefahren. "Wir fürchten, dass dann die Salzbelastung in den Auen steigen wird, und dass das Auswirkungen auf unser Trinkwasser haben könnte."
Ab 28. November sollen die 5.000 Einwände erörtert werden. Dazu werden die Städte gemeinsam einen Vertreter, den Umweltanwalt, Hans Peter Sawatzki, entsenden. Haase kündigte aber an, selbst an der Diskussion teilzunehmen, sollte die von K + S ebenfalls angedachte Pipeline nach Bad Karlshafen zur Sprache kommen.
Bisher, so steht es auf der Tagesordnung, soll unter anderem über Auswirkungen auf Überschwemmungsgebiete, Auswirkungen auf Trinkwasser, Grundwasser und Flüsse sowie mögliche Alternativen gesprochen werden. Die sieht Haase zumindest kurzfristig in einer zumindest teilweisen Abdeckung der Halden. "Die wurde bisher immer als unfinanzierbar abgelehnt. Aber so einfach kann es sich K + S nicht machen", sagte Haase.