Bad Driburg. Angesichts rückläufiger Geburtenzahlen steht auch die Schullandschaft in Bad Driburg vor einem Umbruch. Der Zusammenschluss von Hauptschule, Realschule und Städtischem Gymnasium zu einer Gesamtschule rückte in den vergangenen Wochen immer stärker in den Fokus. Rund 200 interessierte Eltern, Lehrer und Schüler waren am Mittwochabend der Einladung zu einer ersten Informationsveranstaltung zum Thema Gesamtschule im Rathaus der Badestadt gefolgt.
"Bad Driburg ist bereits ein herausragender Bildungsstandort. An unseren weiterführenden Schulen wird hervorragende pädagogische Arbeit geleistet", betonte Bürgermeister Burkhard Deppe. Auch in Zukunft alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse in städtischer Regie anbieten zu können, sei das erklärte Ziel der Verwaltung. Die Einrichtung einer Gesamtschule zum Schuljahr 2013/14 sei mit Blick auf sinkende Schülerzahlen an Caspar-Heinrich-Hauptschule und Städtischem Gymnasium als beste Alternative in den Fokus der Überlegungen gerückt.
"Die Gesamtschule ist eine Schule der Vielfalt, die die Laufbahn-Entscheidung sehr lange offen hält", betonte Brigitte Köhler-Thewes. Sie stellte das Gesamtschul-Konzept am Beispiel der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule in Paderborn vor.
"Je breiter eine solche Gesamtschule aufgestellt ist, umso größer ist die Qualität der Förderung", unterstrich Detlef Strauß, Schulfachlicher Dezernent der Bezirksregierung in Detmold. Voraussetzung für eine Genehmigung seien unter anderem eine vorangegangene Elternbefragung sowie das Einvernehmen benachbarter Schulträger. Auch widersprach er dem Gerücht, im Kreis Höxter könne nur eine Gesamtschule eingerichtet werden.
"Für die Einrichtung einer Gesamtschule in Bad Driburg brauchen wir 100 Schüler aus dem eigenen Stadtgebiet. Diese Zahl werden wir unserer Einschätzung nach auch sicher erreichen", erklärte Schulamtsleiter Uwe Damer. Die Räumlichkeiten seien mit dem Schulzentrum und dem von den jetzigen Gebäuden der Haupt- und Realschule aus fußläufig erreichbaren Städtischen Gymnasium ebenfalls gegeben.
Die Rektorin der Caspar-Heinrich-Hauptschule, Petra Aubke, sprach sich im Bürgerforum für die Zusammenlegung der drei Schulen zu einer Gesamtschule aus. An der Hauptschule werde "eine sehr gute und wertvolle pädagogische Arbeit geleistet", so Aubke. Dennoch dürfe man die Augen vor den Entwicklungen der Zukunft nicht verschließen. Die Gesamtschule sei diesbezüglich "der richtige Weg".
Ebenso deutlich äußerte sich auch Monika Mundanjohl, Rektorin der in ihrem Bestand langfristig eigentlich nicht gefährdeten Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule, die Zustimmung des gesamten Lehrerkollegiums gegenüber einer Gesamtschule. Auch der Schulleiter der Anne-Frank-Schule in Alhausen, Werner Claes, sieht die Gesamtschule beim Thema Inklusion "am besten aufgestellt".
Nur Ingrid Liebs, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums, sprach sich gegen eine Gesamtschule aus. Über das gut aufgestellte pädagogische Angebot könne das Gymnasium in städtischer Trägerschaft auch weiterhin aufrechterhalten werden, so ihre Überzeugung.
Die Gesamtschule würde frühestens zum Schuljahr 2013/14 starten. "Schüler, die zum kommenden Schuljahr auf eine weiterführende Schule wechseln, werden die gewählte Schulform bis zum Abschluss durchlaufen können", betonte Uwe Damer. Gleiches gelte für die Grundschulen.
Entscheidend sei dabei auch in Zukunft der Elternwille, unterstrich Bürgermeister Burkhard Deppe abschließend. "So lange genügend Anmeldungen vorliegen, wird die Stadt Bad Driburg als Schulträger keinen Grundschulstandort schließen", so der Verwaltungschef.