Kritik an den Einrichtungen für Mütter in Not wird in Höxter nicht geteilt / "Jedes Leben retten"
Höxter. Seit Oktober 2007 gibt es ein Babyfenster am St.-Ansgar-Krankenhaus. Bisher wurde noch kein Säugling dort abgegeben. "Darüber bin ich froh, denn ein Babyfenster sollte wirklich der letzte Ausweg sein", sagt Volker Klimpel, Chefarzt der Kinderklinik des Krankenhauses.
Die so genannten Babyklappen sind umstritten. Nicht zuletzt wegen der unklaren Rechtslage und ethisch-moralischer Bedenken. Aktuell werden die Einrichtungen für Mütter in Not vom Kinderhilfswerk Terre des Hommes kritisiert. Babyklappen seien "wirkungslos" und sorgten "nur für eine illegale Möglichkeit, sich eines Kindes zu entledigen", sagte Sprecher Michael Heuer.
Chefarzt Klimpel sieht das anders. Er spricht sich gegen die Abschaffung von Babyfenstern aus: "Sie sind notwendig, denn es muss für Frauen als letzten Ausweg die Möglichkeit geben, ihr Kind dort abzulegen." Erklärtes Ziel sei jedoch die Prävention. "Darauf legen wir großen Wert." So biete das Krankenhaus vorbeugende Maßnahmen wie Beratungen an, um die Situation verzweifelter Mütter zu verbessern. Sollte doch einmal ein Kind im Babyfenster abgelegt werden, gebe es immer noch die Möglichkeit, es zu einem späteren Zeitpunkt in seine Familie zurückzuführen.
Eine ähnliche Auffassung vertritt der Leiter des Jugendamts, Gerhard Handermann. Auch er sieht in Babyklappen ein Angebot, das als letztes Mittel genutzt werden sollte. "Das Jugendamt unterstützt den Lebensschutzgedanken, er steht im Vordergrund." Handermann verweist auf zwei Babyfenster in Hamburg, die seit 2000 bestehen und die ersten in Deutschland waren. Bisher wurden dort 14 von 38 abgelegten Kindern von ihren Müttern zurückgeholt. "Das beweist die Sinnhaftigkeit", meint der Jugendamtsleiter.
Einige kritisierten das Angebot "Babyklappe", weil die dorthin gebrachten Kinder "nicht wissen, wo sie herkommen", sagt Gabriele Popp-Linder vom Kinderschutzverein. Für sie steht jedoch das Überleben des Kindes im Vordergrund. "Und das wäre nicht gesichert, wenn es die Babyklappen nicht gäbe."
Der Verein Babyfenster im Kreis Höxter hat sich 2006 gegründet und sich für die Babyklappe am St.-Ansgar-Krankenhaus stark gemacht. "Aus der Motivation heraus, jedes Leben zu retten, haben wir uns damals zusammengefunden", sagt die Vorsitzende Margarete Knoke. Auch sie ist froh darüber, dass bislang kein Baby am Krankenhaus abgelegt wurde. Die Einrichtung Babyfenster deswegen abzuschaffen, hält sie aber für falsch: "Grundsätzlich müssen Frauen, die weder ein noch aus wissen, die Möglichkeit haben, ihr Kind in die Obhut von Pflegern zu geben."
In der Kinderklinik wären die Helfer sofort zur Stelle: Denn sobald das Babyfenster von außen wieder verschlossen wird, erhält der Pförtner ein elektronisches Signal. Er alarmiert das Personal auf der Station, das sich umgehend um das Baby kümmert.