Bad Driburg. Schulamtsleiter Uwe Damer stellte dem Schulausschuss am Dienstagabend die Ergebnisse der Elternbefragung zur Zukunft der Schullandschaft in der Badestadt vor. Rund 100 Zuhörer verfolgten die Sitzung, bei der auch die Schulleiterinnen der drei weiterführenden Schulen in städtischer Trägerschaft sowie der Schulfachliche Dezernent der Bezirksregierung Detmold anwesend waren.
566 anonyme Fragebögen hatte die Stadtverwaltung im Dezember vergangenen Jahres an die Eltern verschickt, deren Kinder die Grundschulklassen 1 bis 3 besuchen. Darin abgefragt wurde unter anderem die Haltung gegenüber einer möglichen Gesamtschule in der Badestadt. Demnach sehen über die Hälfte der Befragten die Einrichtung einer Gesamtschule grundsätzlich positiv, 39 Prozent haben dagegen eine eher ablehnende Haltung.
Gäbe es in Bad Driburg nur noch eine städtische Gesamtschule und die beiden privaten Gymnasien St. Xaver und St. Kaspar, würden 24 Prozent (107) der befragten Eltern ihr Kind an der Gesamtschule anmelden, 46 Prozent (147 St. Xaver/57 St. Kaspar) bevorzugten die konfessionellen Gymnasien, 26 Prozent (118) sind noch unschlüssig. Nur auf die Erziehungsberechtigten der Drittklässler bezogen, würden 29 Prozent (48) die Gesamtschule wählen, 41 Prozent (49 St. Xaver/19 St. Kaspar) eines der beiden privaten Gymnasien, 24 Prozent (39) gaben "weiß nicht" an.
Bei einem unveränderten Schulangebot würden 15 Prozent (65) der Befragten ihr Kind ab Klasse 5 auf das Städtische Gymnasium, 14 Prozent (63) auf die Realschule, 13 Prozent (58) auf das Gymnasium St. Xaver, sieben Prozent (31) auf das Gymnasium St. Kaspar und nur drei Prozent (14) auf die Hauptschule schicken. 46 Prozent (203) der befragten Eltern haben noch keine Entscheidung getroffen.
Besonders auffällig sei, dass niemand sein Kind ab der fünften Klasse an der Anne-Frank-Förderschule anmelden möchte, obwohl in einer vorangegangenen Frage festgestellt wurde, dass pro Jahrgang etwa zehn bis 20 Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf haben.
Fast 60 Prozent wünschen sich das Abitur als endgültigen Schulabschluss für ihr Kind. Dabei ist es ihnen "sehr wichtig" (59 Prozent), dass auch künftig alle Schulabschlüsse einschließlich Abitur an einer Schule in Trägerschaft der Stadt Bad Driburg erworben werden können. "Die hohe Rücklaufquote von rund 80 Prozent macht diese Ergebnisse repräsentativ", betonte Schulamtsleiter Uwe Damer.
"Für die Einrichtung einer Gesamtschule müssen hundert Schüler aus dem eigenen Stadtgebiet kommen", erklärte Detlef Strauß, Schulfachlicher Dezernent der Bezirksregierung Detmold im Ausschuss. Bei einer Sekundarschule seien 75 Anmeldungen Voraussetzung.
"Ich kann nicht begreifen, wo man die Masse an Oberstufenschülern für eine Gesamtschule hernehmen will, wenn nur 24 Prozent der befragten Eltern ihr Kind an einer Gesamtschule anmelden würden", warf Ingrid Liebs, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums, ein.
Aus Sicht des Kollegiums und der Elternschaft sei es eine "sehr gute Lösung" für die Schullandschaft in Bad Driburg, eine Sekundarschule zu gründen und diese dann mit dem Städtischen Gymnasium als Kooperationspartner für die Oberstufe eng "zu verzahnen".
"Wir dürfen uns nicht nur um die Interessen einer einzelnen Gruppe von Schülern kümmern, sondern müssen auch den Hauptschülern und Realschülern gerecht werden", gab die Leiterin der Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule, Monika Mundanjohl, zu bedenken. Im Kollegium der Realschule bestehe eine große Tendenz für die Einrichtung einer Gesamtschule.
"Unsere Schule ist schön, und wir würden sie auch gerne erhalten, doch die prognostizierten Zahlen sprechen dagegen", betonte Petra Aubke, Schulleiterin der Caspar-Heinrich-Hauptschule. Für eine Gesamtschule sprächen unter anderem heterogene Klassen, in denen auch die schwächeren Schüler sehr gut gefördert werden könnten. "Eine große Heterogenität kann das Lernverhalten positiv beeinflussen. Die Mischung macht’s – wie so oft im Leben. Es geht darum, die Potenziale unserer Kinder, optimal zu nutzen und zu fördern", so Aubke. Auch der Ganztag biete hier viele Möglichkeiten, die die Hauptschule momentan aufgrund ihrer Schülerzahl nicht vorhalten könne.