Nieheim. Zu Beginn des kommenden Schuljahres werden erstmals alle Kinder aus Nieheim und den umliegenden Ortschaften die Grundschule in der Kernstadt besuchen. Dann läuft der Teilstandort Sommersell aus. Doch das bringt ein paar Probleme mit sich.
Die Grundschule verfügt nur über zehn Klassenräume, elf Klassen werden es jedoch im Schuljahr 2012/13 sein.
Ausweichmöglichkeiten gibt es keine, wie Schulleiterin Karin Finkeldei und Lisa Koch (Leiterin des Ganztagsangebotes) dem Ausschuss für Schulen, Jugend und Sport darstellten. Eindrucksvoll und ausführlich beschrieben sie die Raumsituation, die für sie alles andere als rosig aussieht. Der Mehrzweckraum im Untergeschoss der Schule wird sowohl als Speise- und Aufenthaltsraum als auch für Schlagzeugunterricht genutzt. Der Musikraum dient dem Durchgang zu diesem Mehrzweckraum. Der Betreuungsraum der OGS, früher der Werkraum der Grundschule, ist ohnehin schon zu klein für die 77 Kinder in der Betreuung.
Der Computerraum unter dem Dach wurde nie als Klassenraum zugelassen, hohe Raumtemperaturen im Sommer und die Enge durch Dachschrägen sprechen dagegen. Karin Finkeldei und Lisa Koch betonten, dass unter diesen Voraussetzungen eine individuelle Förderung und Betreuung der Kinder nicht möglich sei. Ratsherr Dr. Matthias Kros zeigte sich empört über die dramatische Lage. Diese wäre schon bei der Beschlussfassung über die Schließung der Grundschule Sommersell absehbar gewesen. "Die Situation ist schön geredet worden", sagte Kros. Unter dieser Prämisse hätte er der Schließung nicht zugestimmt. Bürgermeister Rainer Vidal und CDU-Fraktionssprecher Thomas Menne entgegneten, es wäre schon damals deutlich gemacht worden, dass dieser Engpass käme.
Karin Finkeldei ergänzte, dass auch die Entwicklung der OGS so nicht absehbar gewesen sei. SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Kuckuk fand deutliche Worte: "Ich kenne keine OGS im Kreis Höxter, die so schlecht dasteht wie Nieheim." Auf die unhaltbaren Zustände müsse reagiert werden, so Kuckuk. Darin waren sich auch alle Ausschussmitglieder einig. Ein Beschlussvorschlag der Verwaltung soll der Raumnot Abhilfe schaffen. Kontrovers wurden die darin aufgezeigten Alternativen diskutiert.
Ein Anbau wurde aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. Eine weitere Nutzung des Grundschulgebäudes in Sommersell würde die Schule auf zwei Standorte verteilen und eine Schülerbeförderung notwendig machen. Diese Lösung wurde ebenfalls von den meisten Ausschussmitgliedern nicht als optimal betrachtet. Doch auch der Vorschlag der Verwaltung, zwei flexible Klassenräume anzumieten, fand keine große Zustimmung. Die Kosten dieser Containerlösung beliefen sich auf rund 35.000 Euro im Haushaltsjahr 2012 und 20.000 Euro in jedem weiteren.
Der Ausschussvorsitzende Dr. Ulrich Kros machte deutlich, dass keine der Alternativen das Problem komplett und zufriedenstellend beheben würden. Er erhofft sich ein Votum der Elternschaft. Der Verwaltungsvorschlag wird nun in den Fraktionen diskutiert und soll in der nächsten Sitzung des Ausschusses am 28. Februar zur Beschlussfassung kommen.