Rheder (bat). Der Schlosspark in Rheder ist ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings nur bei ausgewiesenen Gartenkennern und Menschen aus der näheren Umgebung. Aber schon in diesem Jahr könnte sich der Schlosspark in Rheder zu einem echten Besuchermagnet entwickeln. Der Kreis Höxter will im Rahmen des Projekts im Schlosspark in Rheder einen 30 Meter langen, zwölf Meter breiten und bis zu zehn Meter hohen Weidendom errichten (die NW berichtete).
Das ganz aus lebenden Weidenbaumstrukturen bestehende Bauwerk soll schon ab März entstehen und bereits im Mai für Besucher begehbar sein.
"Bis allerdings auch die große Kuppel ganz zugewachsen sein wird, vergehen sicher noch acht weitere Jahre, aber das Bauwerk ist in jeder Phase spannend, da es ja wächst und sich ständig verändert", sagte Weidendom-Erbauer Horst Peter Trapet, Baumpflege-Experte des Projektbüros Bioplan aus Höxter, das mit der Umsetzung beauftragt ist.
"Die Kombination aus Lebendbau und Kunstobjekt wird sich harmonisch in den historischen Schlosspark eingliedern und eine Bereicherung des gesamten Ensembles bilden", sagte Projektleiter Thorsten Blume vom Kreis Höxter. Der Weidendom soll vom Schloss Rheder bewirtschaftet werden. Er soll sogar für Feiern und Veranstaltungen gemietet werden können. Auch ist angedacht, dort Trauungen stattfinden zu lassen.
"Äußerst grenzwertig"
Gebaut wird der Weidendom allerdings mit öffentlichen Geldern. Insgesamt werden für das Projekt Kosten von 190.000 Euro beziffert. 90.000 sind für das Bauwerk selbst vorgesehen. 100.000 Euro entfallen auf die Gestaltung der Umgebung. Das Weidenbauwerk selbst werde zu 80 Prozent gefördert sodass der Kreis als Projektträger hier nur einen Eigenanteil von 20 Prozent aufbringen müsse, erläuterte Kreis-Abteilungsleiterin Dr. Kathrin Weiß.Diese Verquickung aus privater Bewirtschaftung und öffentlicher Investition stieß dem FDP-Ratsvertreter Manfred Hartmann sauer auf. "Hier wird der Stadt Brakel ein Geschenk gemacht, dass aber gleichwohl vom Steuerzahler finanziert wird. Und so etwas auf einem privaten Grund und Boden zu machen, sodass ein Privatunternehmer davon profitiert, finde ich doch äußerst grenzwertig", kritisierte Hartmann.
Es blieb jedoch die einzige kritische Stimme am Donnerstag im Rat der Stadt Brakel. "Ich kann nur sagen, dass das Vorhaben im Bezirksausschuss in Rheder sehr positiv aufgenommen worden ist und ich kann diese Ansicht nur teilen, denn hier wird für Rheder eine enorme Aufwertung realisiert, von der wir insgesamt nur profitieren können", betonte Liste-Zukunft-Ratsherr Stefan Heilemann.
Der Schlosspark in Rheder ist ein ausgewiesenes Schmuckstück der Gartenbaukunst. Er zählt zu den bedeutendsten Landschaftsparks in Ostwestfalen. Der Erbauer des Parkes, Joseph Bruno Graf von Mengersen, auch als Dichtergraf des Nethegaus bekannt, orientierte sich an den Schriften Fürst Pückler-Muskaus, der in Bad Muskau, Branitz und Babelsberg berühmte Landschaftsparks schuf. 1895 wurde der acht Hektar große Park angelegt.
2003 hatte die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer im Schlosspark von Rheder eine einzigartige Rauminstallation verwirklicht. Sie hat in 33 umgestürzte Eichen-, Ulmen-, und Kiefernbäume Texte, Aphorismen und Gedichte eingraviert. Inzwischen ist vieles davon verwittert, aber es finden sich noch viele Spuren des Kunstprojekts.

















