Politiker wollen eine "Lex Kitekat" für Brakel durchsetzen, um den Tierschutz zu verbessern
Brakel.Paderborn hat es vorgemacht. 2008 wurde dort erstmals in Deutschland eine örtliche Kastrationspflicht für Katzen eingeführt. Seither gibt es über 70 Städten so eine "Lex Kitekat". Demnächst vielleicht auch in Brakel.
Offiziell handelt es sich dabei um eine ordnungsbehördliche Verordnung, eine Art ortsbezogenes Gesetz, dass aber Verstöße durchaus mit schmerzhaften Bußgeldern ahnden kann. "In Paderborn hat die Stadt bisher noch keinen Bußgeldbescheid verschicken müssen. Es gab aber immerhin 18 Verfahren gegen Verweigerer, doch bevor es soweit war, haben sich alle einsichtig gezeigt", erläuterte Tierschützer John Friedrich Pyka, der die Paderborner Kastrationspflicht mit auf den Weg gebracht hat.
Die Fraktion der Liste Zukunft im Rat der Stadt Brakel hat den Antrag gestellt, auch in der Stadt Brakel eine Kastrationspflicht für Katzen einzuführen.
Die Notwendigkeit für Brakel unterstrich am Donnerstagabend im Rat der Stadt auch die Brakeler Tierschützerin Angelika von Ledermann-Wartberg. Seit vielen Jahren kümmert sich die Brakelerin um streunende, verwahrloste und ausgesetzte Katzen. "Das Elend ist unglaublich groß, die Tierheime vollkommen überlastet. Nur mit Worten und Appellen bekommen wir das Problem nicht in den Griff", weiß Tierschützerin von Ledermann-Wartberg.
"Ich sehe ganz klar eine Handlungsoption für Brakel. Eine Folge der Unterlassung der Kastration ist ja auch, dass Katzenkinder gerade auch auf den Dörfern auf schreckliche Weise getötet werden", sagte Liste-Zukunft-Ratsvertreter Stefan Heilemann.
Unterstützung bekam der Antrag der Liste Zukunft durch die Grünen. "Dadurch wird der Tierschutz in unserer Stadt erheblich verbessert und es fallen für die öffentliche Hand keine Kosten an", betonte Grünen-Ratsfrau Ulrike Hogrebe-Oehlschläger.
SPD-Fraktionssprecher Peter Aßmann wandte ein, dass so eine Verordnung ohne entsprechende Kontrolle wenig wirksam sei, was aber wieder Kosten und Personal bei der Stadt binde.
Dem widersprach Tierschützerin von Ledermann-Wartberg. "Die Kontrolle übernehmen die Tierschützer. Aber ich bin überzeugt, wenn man den Leuten einfach nur sagt, dass man das machen muss, ist man schon einen ganzen Schritt weiter." Das entspricht auch den über vier Jahre gesammelten Erfahrungen in Paderborn. "Die Zahl der Kastrationen nimmt in jedem Jahr um 15 Prozent zu und damit können wir ganz zufrieden sein", sagte Tierschützer Pyka.
Die Brakeler Verwaltung ist gegen die "Lex Kitekat", da so ein Regelung nur durch ein Bundesgesetz wirksam getroffen werden könne. Die kommunale ordnungsbehördliche Verordnung sei vor Gericht anfechtbar. Allerdings habe es bisher in allen Städten mit Kastrationspflicht noch keine Klage vor Gericht gegeben. Stefan Heilemann: "Und wenn Brakel zum Präzedenzfall werden sollte, ist das auch positive zu sehen, weil es dann ein für allemal Klarheit gibt."
Das Thema soll zunächst noch in den Fachausschüssen diskutiert werden, bevor es eine Entscheidung im Rat gibt.