Höxter. "Effi Briest! Ist die denn nicht tot zu kriegen?" - So lautet der Anfang der Inszenierung von Theodor Fontanes bekanntestem Roman "Effi Briest". Eine junge Schülerin (Christa Weisenburger) liest diesen Roman als Lektüre und versetzt sich dabei in Effi und die vergangene Zeit zurück. Dort angekommen wird sie mit einer für sie völlig fremden Welt konfrontiert, in der eine Rangordnung und strenge gesellschaftliche Normen vorherrschen.
Das 17-jährige Mädchen Effi von Briest wird schon in jungen Jahren mit dem wesentlich älteren Baron von Instetten (gespielt von Florian Rohner) verheiratet und zieht mit ihm nach Kessin, einem kleinen Ort in Hinterpommern. Gelangweilt und durch die ständigen Reisen ihres Mannes allmählich vereinsamt, beginnt Effi eine kurze aber doch leidenschaftliche Affäre mit dem Landwehrbezirkskommandeur von Crampas (Marius Rasche). Durch einen Zufall erfährt der gehörnte Ehemann erst nach Jahren von der Affäre und was dann passiert, davon können sich die Zuschauer am Mittwoch, 15. Februar, um 19.30 Uhr und am Freitag, 17. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter selbst überzeugen. Der Eintritt ist frei.
Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 bis 13 haben gemeinsam mit Unterstützung der Theater-AG-Leiterin Iris Kappmeier einige moderne Elemente, wie zum Beispiel Popmusik, in das Theaterstück mit eingebaut. Zudem sitzen oben auf der Ahnengalerie zwei alte Damen, die die erbarmungslosen, gesellschaftlichen Normen vertreten und das gesamte Geschehen mit sarkastischen Äußerungen kommentieren. Während alle Landadeligen in dem Stück als normale Karikaturen auftreten, wird der Baron von Instetten als eine tragische Figur dargestellt, da er der festen Überzeugung ist, Effis und sein eigenes Glück der Gesellschaft opfern zu müssen.
"Die Auswahl des Stücks war von großer Skepsis begleitet, da sich der Roman Effi Briest als Schullektüre nicht sehr großer Beliebtheit erfreut. Der Anfang der Inszenierung nach Edmund Linden und Angelika Möller nimmt diesen Aspekt auf, wenn es heißt: "Effi Briest! Ist die denn nicht totzukriegen?" Wir stimmen zu, denn es bleibt ganz besonders wichtig, dass die Heldin an gesellschaftlichen Konventionen zerbricht", so Iris Kappmeier, die am KWG die Fächer Deutsch und Englisch unterrichtet. Trotz der altertümlichen Sprache, verspricht die Inszenierung viel Spannung und sogar ein wenig Humor. Die insgesamt 14 Schülerinnen und Schüler hätten dem Stück auch ein ganz anderes Ende geben können: Anstelle ihres Tods hätte sie sich auch eine Zigarette anzünden können, was zur damaligen Zeit für die Emanzipierung stand. Doch die Nachwuchsschauspieler waren sich einig, dass Effis Leben kein Beispiel für die Emanzipation der Frau darstellen solle.