Höxter. Trommeln, zupfen, streichen oder aber auch das Schwirrholz über dem Kopf kreisen lassen. Am König-Wilhelm-Gymnasium (KWG) tauchten die Schüler der fünften und sechsten Klassen ein in die Welt der Klänge - und das ganz ohne Noten. Auf musikalischer Entdeckungsreise lernten die Jungen und Mädchen Instrumente von fernen Kontinenten wie Asien, Afrika oder Australien kennen.
Gemeinsam mit dem Klang-Künstler und leidenschaftlichen Instrumente-Sammler Reinhard Stille erforschten die Schüler Regen-, Wind- oder Meeresklänge, lauschten luftig-leichten oder eher erdverbundenen Klängen und erfuhren, wie laut ein chinesischer Konzertgong sein kann.
Ganz nebenbei vermittelte Reinhard Stille den Zuhörern Wissenswertes rund um die Instrumente und die Kulturen, aus denen sie stammen. 25 außergewöhnliche Instrumente entfalteten ihren Klang im Raum, und mitunter sogar im Körper der Schüler. "Es war sehr interessant. Ich stand in der Klangschale und habe den Ton bis zum Bauch gespürt", erzählt Lara aus der fünften Klasse von ihrem Erlebnis, als Reinhard Stille sie kurzerhand in das metallene Instrument stellte und dieses anschlug.
Eine Schlitztrommel aus Afrika vermittelte eher erdverbundene Klänge. Das Röhrenglockenspiel aus Asien oder die keltische Harfe schafften eine luftig-leichte Atmosphäre mit hellen Klängen im Raum. Die verschiedenen Blasinstrumente, Trommeln, Schüttel-, Streich- und Zupfinstrumente konnten nach anschließender Erklärung durch Reinhard Stille von den Schülern selbst ausprobiert werden.
Doch vorher ging es erst einmal um den Rhythmus. Aufstehen und den Rhythmus finden hieß es für die Schüler - was nicht allen so leicht fiel. Unterstützung kam von Lehrerseite: Eva Greipel-Werbeck, Organisatorin der Veranstaltung und Musiklehrerin, ließ es sich nicht nehmen, den Schülern als gutes Beispiel voran zu gehen. Bauchtanz zur Trommel löste heitere Belustigung und heftiges Kichern aus.
Dass es gar nicht so einfach ist, diese Vielfalt an Instrumenten zu spielen, merkten die Schüler schnell, als sie selbst Hand anlegen durften. Da musste eine mit Wasser gefüllte Klangschale mittels Reibung in Schwingung versetzt werden oder eine Feder wurde über der großen Trommel zum Schweben gebracht. Mit indonesischen Schüttelinstrumenten, den Anklungs, führten Reinhard Stille und die Teilnehmer sogar eine Unterhaltung, indem sie sich gegenseitig die Klänge "zuschüttelten".
"Meine Freundin Alena und ich haben die Harfe gespielt, aber es war gar nicht so einfach, sie auch so laut zu spielen, dass sie neben den ganzen anderen Instrumenten noch zu hören war", erzählte Jette aus der sechsten Klasse.
Und Annalisa wurde beim Ausprobieren des Waterphones, einer mit Wasser gefüllten Klangschale, sogar nass. "Es war schwierig, die Schale zum Klingen zu bringen, aber die Spritzer im Gesicht, als ich es geschafft habe, waren lustig", war sie begeistert.
Tim schaffte es sogar, dem Muschelhorn einen tiefen, langen Ton zu entlocken. "Aber als Trompeter bist du auch prädestiniert dafür", lobte Reinhard Stille. Australisches Didgeridoo, afrikanische Trommel, Ocean-Drum, Regenrohr und Donnerdose, Stahltrommel, Streich-Psalter oder Wölbbrett-Zither - die Vielfalt der Eindrücke, teils mit geschlossenen Augen "erlauscht", wird den Schülern wohl ein unvergessliches Erlebnis bleiben.