Brakel. Das Thermometer zeigt zehn Grad unter Null an. Nur langsam kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke. Der große Teich am Kaiserbrunnen ist zugefroren. Eine dünne Schneedecke liegt auf der dicken Eisschicht. Eine friedliche Idylle - noch. Denn am Ufer bereitet eine vierköpfige Gruppe des DLRG-Ortsverbands Brakel alles für eine Einsatzübung vor. Übungsziel ist die Rettung von eingebrochenen Personen aus dem Eis.
Es ist Samstagmorgen, 9.30 Uhr. Gerade geht die Alarmierung heraus. Rettungsschwimmer Andreas Dahmen macht sich bereit. Der 17-Jährige mimt die im Eis eingebrochene Person und wird gleich in das dafür vorbereitete Eisloch steigen. Für ihn ist es ganz ungefährlich. Andreas Dahmen hat einen Trockentauchanzug angelegt, der ihn vor Kälte und Nässe schützen wird. Zudem ist er mit einem Seil gesichert. Inzwischen ist die aus Rettungsschwimmern und Tauchern bestehende DLRG-Einsatzgruppe eingetroffen.
Hochkonzentriert und mit sicheren Handgriffen bereitet die Gruppe alles für die Eisrettung vor. Taucherausrüstung, Sicherheitsseile, Steckleiter und auch das Motorrettungsboot "Alligator" wird einsatzbereit gemacht. Übungseinsatzleiter ist Joachim Hoblitz. "Wir versuchen die Übungen so realitätsnah wie möglich auszuführen.
Nur zehn Minuten bleiben
Denn im Ernstfall entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Da muss schon jeder wissen, was er zu tun hat und auch jeder Handgriff muss sitzen", sagt Hoblitz und erklärt, dass bei dem im Eis eingebrochenen Menschen nach etwa zehn Minuten die Muskelfunktion nachlässt. "Man ist kraftlos und kann sich nicht mehr bewegen. Nach weiteren fünf bis zehn Minuten tritt dann die Bewusstlosigkeit ein". Insgesamt also ein knappes Zeitfenster, das den Rettungskräften da im Ernstfall bleibt. Bisher hat die Brakeler DLRG noch keine Person aus dem Eis retten müssen. Durch ein Seil gesichert, schiebt sich derweil Teamkollege Markus Gödde auf den zugefrorenen Teich mit einer Steckleiter Stück für Stück an das Eisloch heran, um den "Verunglückten" herauszuholen.
Die als Übung getarnte Rettung gelingt schnell und sicher. Inzwischen ist auch der Bootstrupp starklar. Es gilt eine zweite Person zu retten, die sich unter dem Eis befindet. Das Motorboot "Alligator", mit Rollen unter dem Rumpf ausgestattet, ist mit Seilen gesichert und wird von Einsatzkräften, die sich am gegenüberliegenden Ufer befinden, über das Eis zur Unglücksstelle gezogen. Rettungstaucher Daniel Menne wird nach der "vermissten Person", in diesem Fall eine Holzlatte mit Kleidung, suchen.
Reservetaucher ist Ulrich Berendes. Sie haben beide eine spezielle Ausbildung zur Eisrettung absolviert. "Eine Herausforderung für die Taucher stellt die Dunkelheit dar, die unter dem Eis herrscht. Oft hat man nur zehn Zentimeter Sichtweite. Man verliert schnell die Orientierung", sagt Joachim Hoblitz. Beklemmungen oder Panik dürfe man da nicht haben. Zehn Prozent der Taucher würden daher bei dieser Disziplin abspringen. In seinem Trockentauchanzug vor Kälte und Nässe geschützt, taucht Daniel Menne in das eisige Wasser ein. Er ist mit einer Leine gesichert, an der er bei Bedarf ziehen und damit Signale geben kann. Sie ist auch ein Stück weit Orientierung, um wieder zum Ausstieg zu gelangen.
Eisloch muss wieder geschlossen werden
Im Notfall würden die Leinenführer den Taucher an die Oberfläche ziehen. Im Boot hat Sebastian Hoblitz die Leitung und überwacht den Taucheinsatz zusätzlich mit einem Funkgerät. Nach wenigen Minuten hat Rettungstaucher Menne die Attrappe gefunden und an die Oberfläche gebracht. "Beide Übungen sind reibungslos verlaufen, und auch die Zeiten waren gut", zeigt sich Übungseinsatzleiter Joachim Hoblitz mit der Eisrettung rundum zufrieden. Das Eisloch wird natürlich wieder geschlossen.
Übrigens: Die Eisrettung der Brakeler DLRG wurde von dem WDR-Fernsehen gefilmt.
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