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18.02.2012
HÖXTER
Zehn Jahre ohne Lohnerhöhung
Beschäftigte der Asklepios-Weserberglandklinik wollen ordentlichen Tarifvertrag
VON BURKHARD BATTRAN UND BURCKHARDT HOEPTNER

Haben den Prozess der Umstrukturierung mitgetragen | FOTO: BURKHARD BATTRAN

Höxter. Die rund 200 Mitarbeiter der Asklepios-Weserbergland-Klinik sind sauer: Der Konzern mache Rekordgewinne. Die Aktionäre stopften sich mit Dividenden die Taschen voll, aber die Mitarbeiter schauen in die Röhre.

"Seit zehn Jahren sind die Beschäftigten ohne Lohnerhöhung. Wir waren immer geduldig und haben den Prozess der Umstrukturierung engagiert mitgetragen, aber jetzt, wo die Durststrecke überwunden ist, haben auch wir ein Anrecht auf eine angemessene Entlohnung", sagt Betriebsratsvorsitzender Ansgar Beermann.

Die Gewerkschaft Verdi hat nun als Interessenvertretung der Asklepios-Beschäftigten die Arbeitgeberseite zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Verdi will 13 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. "In diesem ersten Schritt der Verhandlungen soll es nur um den nicht stattgefundenen Inflationsausgleich gehen", sagt Verdi-Verhandlungsführer Gewerkschaftssekretär Thomas Trittin.

Allerdings lehne die Klinikleitung jegliche Verhandlungen ab. Sie habe lediglich den Betriebsrat zu Gesprächen eingeladen. "Das ist der falsche Ansprechpartner. Der gesetzliche Weg des Betriebsverfassungsgesetzes verlangt, dass Tarife mit den gesetzlich festgelegten Tarifparteien ausgehandelt werden und das sind die Gewerkschaften", betont Trittin.

Das Asklepios-Konzert betreibt deutschlandweit rund 100 Kliniken. In Brandenburg werden aktuell Tarifgespräche geführt. In Bayern will Asklepios dem Arbeitgeberverband beitreten und so die landesüblichen Tarife akzeptieren. Allein in Hessen und Nordrhein-Westfalen lehne Asklepios Gespräche mit den Gewerkschaftsvertretern ab, erklärt Trittin.

Das Problem ist nicht nur, dass es seit zehn Jahren keine Lohnerhöhung gegeben hat. Es gibt auch keine einheitlichen Tarifvertrag. "Ich bin 2007 eingestellt worden, als die Arbeitsnachfrage gering war, eine Kollegin, die zwei Jahre später gekommen ist, bekommt für dieselbe Arbeit 300 Euro mehr", berichtet eine 49-jährige Krankenschwester. Das ist nur eine von vielen arbeitsrechtlichen Ungerechtigkeiten. "Es gibt Mitarbeiter, die erhalten ab 21 Uhr Nachtschicht-Zulagen andere erst ab 23 Uhr", sagt Tarifkommissionsmitglied Siegfried Klenke.

Ein Pfleger mit einem durchschnittlichen Einkommen von 2.800 Euro habe in den letzten zehn Jahren auf einen kompletten Jahresverdienst verzichtet, hat Klenke ausgerechnet. Am Lohnverzicht der Mitarbeiter verdienen die Aktionäre. "19,7 Millionen Euro Gewinnerwartung wurde zum 3. Quartal 2011 im Konzern errechnet", betont Gewerkschaftssekretär Trittin.Die tarifliche Gesamtsituation an der WBK ist schwierig. Es gibt Mitarbeiter mit alten Tarifverträgen nach Bundesangestelltentarifvertrag. Für die Pflegeheim-Beschäftigten der Asklepios Weserblick GmbH gibt es gar keinen Tarifvertrag. Zudem gibt es eine konzerneigene Leiharbeitsfirma. Die darin Beschäftigten können nach Bedarfslage im Konzern hin- und hergeschoben werden. Gewerkschaftssekretär Trittin: "Tarifflucht und Lohndumping kann nicht das Ziel einer seriösen Personalentwicklung sein, darum haben wir den Arbeitgeber aufgefordert, mit Verdi als zuständigem Tarifpartner in Sondierungsgespräche einzutreten."

"Verdi soll für die Beschäftigten die Verhandlungen führen"

Verdi hatte unter den Beschäftigten eine schriftliche Umfrage gemacht. 140 der 190 Befragten hatten sich dafür, ausgesprochen, dass Verdi für die Beschäftigten die Verhandlungen führt. Knapp 100 Beschäftigte sind auch Verdi-Mitglieder. "Die Betriebsleitung hat uns bereits damals über den Tisch gezogen, als wir in die Fünf-Prozent-Kürzung eingewilligt haben. Statt vorübergehend, war das dann dauerhaft. Wir brauchen einen starken und kompetenten Verhandlungsführer auf unserer Seite. Das können wir nicht selbst, dafür gibt es schließlich Gewerkschaften", betont ein 41-jähriger Physiotherapeut.

Wie ernst es um die WBK bestellt war und ist, versuchte in einem Gespräch mit der NW Geschäftsführer Oleg Giese zu verdeutlichen. "Die Mitarbeiter sollen ihr Geld haben, aber wir haben es nicht", leitete er das Gespräch ein. Seit 2002 seien 18 Millionen Euro in das Haus investiert worden, 2008 habe man es zum ersten Mal geschafft, eine schwarze Null zu schreiben. Dennoch, so Giese, sei es vermessen zu sagen, die Löhne der WBK lägen bis zu 20 Prozent unter dem Branchenschnitt. Giese öffnete seine Aktenmappe und legte selbst geschriebene Notizen auf den Tisch, einen Vergleich mit den Häusern des Grafen in Bad Driburg. In manchen Bereichen läge die WBK etwas darunter, in anderen sogar drüber.

2004 habe man sich aus dem Landeskrankenhausplan verabschiedet, einhergehend mit Personalreduzierungen, machte der Geschäftsführer deutlich. 2005 sei man in den Reha-Bereich eingestiegen, um das Haus fortführen zu können, und 2006 sei das Pflegeheim eröffnet worden. So sei die WBK auf mehre Säulen gestellt worden, um sie aus den roten Zahlen herauszubekommen.

Giese: "Ich will einen Vergütungsrahmen für alle Mitarbeiter. Darüber rede ich schon seit 2007." Aber der Betriebsrat sei nicht zu Gesprächen bereit. Er lasse sich von Verdi instrumentalisieren. Gestern erhielt Betriebsratsvorsitzender Ansgar Beermann von der Geschäftsführung eine Einladung mit fünf vorgeschlagenen Gesprächsterminen, um die Lohn- und Gehaltssituation der Mitarbeiter zu klären. Oleg Giese abschließend: "Wir dürfen die wirtschaftliche Situation nicht vergessen. Es geht um die Wurst."

Kommentare
Ein bisschen Recherche wäre nicht schlecht.
Im ersten Absatz heisst es: "Der Konzern mache Rekordgewinne. Die Aktionäre stopften sich mit Dividenden die Taschen voll,"
Die Asklepios Kliniken GmbH hat keine Aktionäre (wie bei GmbHs üblich), "die Rekordgewinne" liegen in Q3/2011 70 Mio unter dem Vorjahr und die nicht vorhandenen Dividenden (da keine Aktionäre) werden vollständig in dei Rücklagen im Eigenkapital eingestellt. Kann man alles im Finanzbericht Q3 nachlesen (Link unterdrückt), aber das würde halt nicht passen um den entsprechenden Ton zur Einleitung des Artikels zu setzen.

Da wird über ein Ehrensold eines Unehrenhaften Bundespräsidenten a.D diskutiert und Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter die ihren harten Job im Pflegebereich tätigen sollen einen Hungerlohn bekommen.Ob der Geschäftsführer dieser Klinik auch auf sei Geld verzichtet?Dieses ist so Absurd,das man es nicht begreifen kann.


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