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19.05.2010
OERLINGHAUSEN - UPDATE 20.01 UHR
Böning soll "pro NRW"-Stadtrat in Oerlinghausen werden
Neue politische Heimat angeboten - und abgelehnt
VON SUSANNE LAHR

Markus Wiener | FOTO: NW

Oerlinghausen. Aufmerksam werden bei "pro NRW" die Vorgänge um den ehemaligen Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Frank Böning,  in der lippischen Stadt Oerlinghausen verfolgt.

Dessen Abwahl am Montagabend vom Posten des CDU-Sprechers als Folge seines Besuches auf dem  "pro NRW"-Programmparteitags in Leverkusen wird als "antidemokratische Posse der besonderen Art" gewertet, als "wochenlange Kampagne linker Medien und Parteien". "Pro NRW"-Generalsekretär Markus Wiener  bietet  dem 43-Jährigen, der nun auch von "führenden ,Parteifreunden' zum Verzicht auf sein Ratsmandat aufgefordert" werde, eine neue politische Heimat an. Wiener rät Frank Böning, sein Ratsmandat zu behalten und zum ersten "pro NRW"-Stadtrat in Oerlinghausen zu werden. "Zusammen mit dem Lemgoer Stadtrat Fabian Thies oder dem Mindener Kreistagsabgeordneten Ulrich Manes könnten Sie bei pro NRW endlich wieder etwas für Ihre Heimat und die Deutschen in der Region Ostwestfalen-Lippe bewegen", erklärt der Generalsekretär in einer Pressemitteilung.

Der erzwungene Abgang des konservativen CDU-Hoffnungsträgers in Oerlinghausen  bezeichnet "pro NRW" als "regelrechte Hetzjagd".  Markus Wiener: "Wieder einmal ein unwürdiges Schauspiel der ehemals christlichen und konservativen CDU! Was für ein Niedergang der Partei Alfred Dreggers und Konrad Adenauers! Doch der ,Fall Böning' bestätigt einmal mehr, dass die CDU zu einer völlig zeitgeisthörigen und linken Partei degeneriert ist." Deren Linkstrend zu stoppen, das gehe definitiv nur noch von außerhalb der CDU.  Diesen Weg gingen inzwischen viele ehemalige CDU-Mitglieder und Funktionäre innerhalb der Pro-Bewegung.  Genannt werden der langjährige Ehrenfelder CDU-Vorsitzende Jörg Uckermann und der ehemalige Siegener JU-Chef Gereon Breuer (Sohn des dortigen CDU-Landrates Paul Breuer).  "Für aufrechte Patrioten und Wertkonservative ist bei pro NRW immer Platz", erklärt Markus Wiener. "Zu diesem einzig konsequenten Schritt lade ich auch ganz herzlich Herrn Böning ein."

Gestern Nachmittag hat Frank Böning  dankend abgelehnt.  "Ein solches Angebot der pro-NRW-Partei an mich ist unerwünscht, und ich lege keinen Wert auf eine wie auch immer geartete Unterstützung aus dieser Richtung. Ich lehne diese und jede sonstige Offerte dieser Partei ab." Zu "pro NRW" mit ihrem "unausgegorenem rechten Weltbild und Zielen auf einem unseriösem Hintergrund"  habe er sich mehrfach klar ablehnend geäußert.  Und er distanziere sich hiermit abschließend.  "Ich bin und bleibe CDU-Mitglied", erklärte Böning gegenüber der NW. 

Nach der SPD, den Bündnisgrünen und einzelnen CDU-Ratsmitgliedern haben am Mittwochabend nun auch die Liberalen  die Niederlegung des Ratsmandates als zwangsläufige Folge  von Bönings Handeln bezeichnet. Sein Besuch bei "pro NRW" sei mehr als eine Dummheit gewesen, wie es CDU-Bezirkschef Elmar Brok bezeichnet hatte. Mit seinem "politisch-moralischem Fehlverhalten" habe Frank Böning dazu beigetragen, der Partei öffentlichen Raum zu verschaffen. "Er hat ihr möglicherweise ungewollt, aber indirekt genutzt", heißt es seitens der FDP-Stadtverbandsspitze.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Böning hat bei seinem Besuch von pro-NRW von seinem Informationsrecht Gebrauch gemacht, wie jeder Journalist, der sich über eine radikale Partei informiert.
Wenn man ihm weiter nichts vorwerfen kann und seinen CDU-Parteiausschluß fordert, offenbart man, daß man einen Mangel an demokratischer Haltung,

Zur Aussage des 2. stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Erich Schmitt an anderer Stelle "Wir geraten unter Generalverdacht, das ist das Problem" fällt mir nur noch ein: Herr Schmitt, fürchten Sie sich eigentlich auch im Dunkeln?

Endlich! Auch die FDP hat noch was zum Thema zu sagen.
Im übrigen beantrage ich den sofortigen Rücktritt von Herrn Caesar und Herrn Brok wegen "politisch-moralischem Fehlverhalten"! Niederlegung aller Ämter inbegriffen natürlich.
Der Besuch von Herrn Böning bei den Pro-NRWlern könnte unter "menschliche Neugier" abgehakt werden. Bekanntlich reizt doch das "Verbotene" am meisten. Außerdem gibt es dafür in der Bundesrepublik Deutschland eine Meinungs- und Informationsfreiheit. "Dumm" war lediglich die Annahme, daß sich bestimmte Leute die Gelegenheit entgehen lassen würden, ihn zu entsorgen.

Liebe FDP: Nicht Herr Böning hat Pro NRW genutzt, sondern die Medien, welche das Thema genüßlich in die Breite getreten und damit besagter Partei eine nie dagewesene Plattform geboten haben!

Von dieser Stelle die dringende Aufforderung an Herrn Weigel, endlich die CDU-Plakate abzuhängen. Als aufrechter Christdemokrat und stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender will er doch wohl nicht seinen überwiegend betagten Fraktionskollegen diese Arbeit zumuten? Da Herr Böning jetzt nicht mehr durch seine Anwesenheit seine – Weigels – "Parteiarbeit für die CDU" behindert, spricht doch nichts mehr dagegen, durchzustarten. Oder lieber den Mund als die Finger dreckig machen?

Na ja...ausser dem Parteinamen ändert sich ja dann für den ehrenwerten Gentleman nicht viel.

Man muß die CDU und Herrn Böning nicht besonders mögen, um festzustellen, daß hier mit unsauberen Mitteln gearbeitet wurde.

Wenn die Herren Caesar und Brok erst hinter ihrem Fraktionsvorsitzenden stehen, um ihn bei wachsendem "politischen Druck" ungerührt der heulenden Meute zum Fraß vorzuwerfen, muß die CDU sich fragen lassen, wessen Brot sie eigentlich ißt. Wer bestimmt hier, was zu glauben ist?

Herrn Caesar und Herrn Brok sowie den anderen Kollegen aus der CDU ist zu raten, sämtliche Spiegel in ihrem Umfeld entfernen zu lassen, denn reinschauen dürfte in Zukunft schwierig sein. Oder auch nicht, je nach Grad der Abgebrühtheit.

Mag sein, daß mit Herrn Böning einige Damen und Herren verschiedener parteipolitischer Ausrichtung ein – nennen wir es soziobiologisches – Problem haben, seine politische Arbeit hat Anerkennung verdient. Vielleicht waren ja auch noch ein paar persönliche Rechnungen offen?

Welchen Dienst die CDU in Oerlinghausen sich damit erwiesen hat, ihren Fraktionsvorsitzenden abzusägen, bleibt abzuwarten. Dieselbe CDU hat Herrn Böning vor wenigen Monaten erst im Amt bestätigt. So schlimm kann er also nicht gewesen sein. Wir können jedenfalls gespannt sein, wer ihm nachfolgen darf. Herr Weigel vielleicht? Zumindestens scheint er eine moralische Instanz innerhalb der Fraktion zu sein. Und ist ihm vorher noch nicht aufgefallen, was für ein Fiesling Herr Böning ist?

In diesem Zusammenhang darf man sicher höflich anfragen, wann endlich die CDU-Plakate in Oerlinghausen abgenommen werden... Ich vermute, das hat Herr Böning sonst auch gemacht.



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