Oerlinghausen / Leopoldshöhe. Markus Pohl ist weder über Festnetz noch Handy zu erreichen. In seinem Umfeld nimmt niemand offiziell Stellung. Alle verweisen auf die Pressestelle des Erzbistums Paderborn. Die ringt sich eine dürre Mitteilung ab, die das Kirchenleben von mehr als 8.000 Menschen quasi auf den Kopf stellt.
"Pfarrer Pohl hat auf eigenen Wunsch das Gespräch mit dem Erzbischof gesucht und um eine Auszeit gebeten", erklärt Pressesprecherin Claudia Nieser. "Der Erzbischof ist dieser Bitte nachgekommen." Pohl habe persönliche Gründe gehabt – gesundheitlicher Natur, schiebt sie dann noch nach. Die Katholiken in Oerlinghausen, Leopoldshöhe und Lage sollen offiziell erst am Wochenende informiert werden, die verantwortlichen Gremien etwas früher. Dennoch ist gestern natürlich schon bei vielen angekommen, dass der Leiter des Pastoralverbundes Lippe-West aufgegeben hat. Denn er wird sich nach der Auszeit eine andere Pfarrstelle suchen. Die für Lippe-West wird neu ausgeschrieben, wie Claudia Nieser erklärt.
Überrascht, erschrocken, traurig – das sind Reaktionen auf die Entscheidung des 40-Jährigen, der erst im Januar 2009 sein Amt angetreten hatte. Unumstritten war der Geistliche nicht. Lateinische Messen, die Kreuzreliquie, die Kaiser-Karl-Gebetsstätte dokumentieren nach Ansicht mancher eine sehr, vielleicht zu konservative Denkweise. Dass sich deshalb innerhalb der Schar der Gläubigen Widerstand formiert habe, "können wir nicht bestätigen, und wir möchten das auch nicht kommentieren", so die Pressesprecherin des Erzbistums.
Anzeichen für den Rückzug auf Zeit hatte es offenbar nicht gegeben. Am Freitag war Pohl zur Premiere des Musicals "Das Wasserkartell" auf dem Ökumenischen Kirchentag in München, am Samstag hatte er ein Paar getraut, am Sonntag ganz normal das Hochamt gefeiert. Am nächsten Tag Besuch beim Erzbischof.
Pfarrer Markus Pohl ist mit sofortiger Wirkung beurlaubt. So eine Auszeit dauert in der Regel drei Monate, doch schließt Claudia Nieser nicht aus, dass die für Pohl verlängert wird.
Die Katholiken in Oerlinghausen, Leopoldshöhe und Lage müssen sich also in Kürze mit dem dritten Pfarrer innerhalb von zweieinhalb Jahren vertraut machen. Nach dem überraschenden Tod von Andreas Braun im Juni 2007 hatte Bernhard Henneke die Leitung des Pastoralverbundes übernommen. Er brach ebenfalls nach knapp eineinhalb Jahren seine Zelte ab und wechselte zum Pastoralverbund Eggegebirge. Markus Pohl war am 25. Januar 2008 mit einer feierlichen Messe in sein neues Amt eingeführt worden.