Oerlinghausen. Warum? Eine Frage, die seit vergangener Woche nicht nur die Katholiken im Pastoralverbund Lippe-West beschäftigt. Welchen Grund könnte Pfarrer Markus Pohl gehabt haben, die Gemeinden in Oerlinghausen, Leopoldshöhe und Lage von heute auf morgen zu verlassen. Ohne eine Erklärung. Das Erzbistum hat bislang keine neue Stellungnahme abgegeben. "Der Erzbischof ist auf Wallfahrt und nicht erreichbar", lässt Pressesprecherin Claudia Nieser wissen. Viele Gemeindeglieder wünschen sich indes eine zeitnahe plausible Antwort.
Niemand hat auch nur das kleinste Anzeichen vernommen. Umso größer ist die Irritation. "Wenn man etwas Fassbares hätte, wäre es einfacher", meint Elisabeth Hölscher von der Caritaskonferenz St. Michael. So plötzlich ohne ein Wort zu gehen, das sei gar nicht die Art von Markus Pohl, den sie als sehr offen und korrekt kennengelernt hat. Natürlich komme nun die Frage auf: "Hat es an uns, an der Gemeinde gelegen?" "Im Moment tappen wir alle im Dunkeln", beschreibt auch Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Hans-Werner Schiffer den Stand des Nicht-Wissens. "Man hängt in der Luft, fragt sich, was der ausschlaggebende Punkt war."
Natürlich, sagt Schiffer "sprießen die Gerüchte". Deshalb müsse es vom Erzbistum endlich eine konkrete Erklärung geben, fordert Elisabeth Hölscher. "Wir nehmen unsere Arbeit ernst, und man sollte auch uns ernst nehmen." Selbst Barbara Kubus, die noch gemeinsam mit Markus Pohl beim ökumenischen Kirchentag in München war, ist konsterniert. "Ein Rätsel für alle." Die Küsterin
war die Erste, die den Pfarrer bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren begrüßte. "Zehn Jahre bleibe ich", habe Pohl damals gesagt.
Und nun das. "Ich bin schockiert." Mit Herz und Seele sei Pohl dabei gewesen. "Ich konnte gut mit ihm arbeiten. Die meisten sind traurig." Nie sei ihm die Arbeit zu viel geworden. Gerade wegen seiner wertkonservativen Denkweise, weil er ein so frommer Priester, "jung mit einem guten, alten Kern" gewesen sei, seien einige aber wohl auch froh über Pohls Weggang. "Viele wollen eine moderne Kirche." Pohl hingegen habe sich auf das Alte besonnen, auch die regelmäßige Beichte wieder eingeführt.
"Nicht zu glauben im wahrsten Wortsinn", so beschreibt der früheren Pfarrgemeinderatsvorsitzende Josef Kirberich Pohls plötzlichen Abschied. "Das passt gar nicht zu ihm." Natürlich sei die Arbeitsbelastung für einen katholischen Pfarrer groß, verweist Alfons Haselhorst vom Kirchenvorstand auf die Sieben-Tage-Woche der Priester. Auch die Diaspora-Situation sei besonders, "sie kann aber auch eine Herausforderung sein".
Verwalter der Gemeinden ist derzeit Dechant Klaus Fussy. Er übernimmt im Wechsel mit dem Lagenser Pastor Jan Bojko und anderen Priestern auch die Eucharistiefeiern. Wortgottesdienste, so Fussy, könnten eventuell von befähigten Laien übernommen werden. "Eine Chance", wie Josef Kirberich findet. Auch eine, "die Ärmel hochzukrempeln und selbst aktiv zu werden". Die Arbeit in den kirchlichen Gremien laufe derzeit ohne geistliche Unterstützung weiter. So findet etwa die geplante Fahrt der Caritaskonferenz nach Soest am 23. Juni wie geplant statt. Ohne Markus Pohl. Vieles müsse derzeit "neu und anders organisiert werden", bestätigt Hans-Werner Schiffer. Die Gemeinde muss sich daran gewöhnen, sich wieder auf einen neuen Pfarrer einzustellen. Den Dritten innerhalb von zweieinhalb Jahren.
Wichtig, meint Josef Kirberich, sei vor allem, Ruhe in die Gemeinde zu bringen und nicht weiter zu mutmaßen. "Damit tut man Markus Pohl nicht recht." Kirberich würde sich wünschen, dass der 40-Jährige "der Gemeinde einen Brief schreibt und sich erklärt".