Südafrikanerin Renecia Fillies wohnt in Oerlinghausen und drückt zwei Nationalteams die Daumen
Oerlinghausen. Am 11. Juni ist es endlich soweit. Der Ball rollt, die Fußballweltmeisterschaft in der Republik Südafrika beginnt. Renecia Fillies ist im Staat an der Südspitze Afrikas aufgewachsen, ihre Mutter, sechs Geschwister, neun Nichten, vier Neffen und noch viel mehr Familie leben in Kapstadt. Der Tipp der 51-Jährigen, die von Kindesbeinen an fußballbegeistert ist: "Spanien gewinnt im Endspiel gegen Deutschland."
Die Südafrika-Fahne weht bereits im Garten, die Tröte in Schwarz-Rot-Gold steht bereit. Renecia Fillies wird mit beiden Mannschaften mitfiebern. Wenngleich sie nicht daran glauben mag, dass die südafrikanischen Kicker besonders weit im Turnier kommen werden. "Für sie ist es schon etwas Besonderes, dabei zu sein."
Alle zwei Jahre fliegt Renecia Fillies, die gerade mit den Throndamen der Oerlinghauser Schützengesellschaft ihren Geburtstag gefeiert hat, in die ferne Heimat. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft werden sie und ihr Mann Klaus, den sie in Südafrika kennengelernt hat, allerdings nicht live dabei sein. "Flüge sind im Moment einfach zu teuer." Die WM in Südafrika, die vielen Besucher aus der ganzen Welt, sieht sie als Chance für ihr Land. Als Chance, "dass viele nach der WM hier Urlaub machen und sehen, was für ein Traumland das ist."
Zu negatives Bild von Südafrika
Das viele Grün, der Tafelberg, die Nationalparks und das Meer zählt Renecia Fillies zu den besonders hervorstechenden Merkmalen. Natürlich gebe es auch Armut und Kriminalität, "aber längst nicht nur bei den Schwarzen, das zieht sich durch alle Farben". Das Bild, was von den Medien gezeichnet werden, sei meist viel zu negativ, findet die gelernte Hotelfachfrau, die früher im Holiday Inn arbeitete und heute die Cafeteria bei Bertelsmann leitet. "Touristen müssen nur ein paar Regeln beachten."
Zwei ihrer Nichten mit eigenem Reisebüro in Kapstadt, die genauso fußballverrückt sind wie ihre Tante, werden im Kampf um das runde Leder im Station mitfiebern. "Meine beste Freundin und ihr Mann haben Karten für ein Deutschland-Spiel bekommen." Am 13. Juni steht die erste Partie der Nationalmannschaft gegen Australien auf dem Programm, am 18. Juni gegen Serbien, am 23. Juni ist Ghana der Gegner. Danach mal sehen. Renecia Fillies wird im Pulk mit anderen Fans im Oerlinghauser "Eckstüberl" am Simonsplatz mitfiebern, auf Traumtore hoffend und eine Wiederholung des Sommermärchens vor vier Jahren.
Auch ihren Mann hat sie längst mit dem Fußball-Virus infiziert. "Er hatte vorher nichts damit am Hut, jetzt steht er sonntags am Platz", wenn die Oerlinghauser kicken. "Wir sind der ersten Mannschaft auch schon hinterhergefahren." Fast mag sie es nicht verraten, dann aber muss es doch raus: Seit 17 Jahren ist Renecia Fillies Bayern-Fan. "Bei Arminia-Bayern war ich auf der Alm." Fan bleibt Fan.
Schon als Kind hat die fröhliche, seit Oktober 1995 in der Bergstadt lebende Südafrikanerin viel lieber Zeit auf dem Fußballplatz als beispielsweise im Konfirmationsunterricht am Sonntagnachmittag verbracht. "Da musste meine Mutter uns immer wegholen." Ihre Favoriten in der deutschen Mannschaft? "Schweinsteiger und Lahm, die sind mir sehr sympathisch." Und egal, ob es das Löw-Team tatsächlich bis ins Endspiel schafft oder nicht: "Drei Deutschlandfahnen für das Auto habe ich schon besorgt."
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