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13.07.2010
OERLINGHAUSEN
Aus Wickis Schmuckkästchen
Historisch korrektes Handwerk aus der Wikingerzeit

Authentisch | FOTO: GETHKE

Oerlinghausen (get). Bei diesen Temperaturen ist Arbeit auch dann schweißtreibend, wenn es sich dabei um alte, teils fast in Vergessenheit geratene Berufe handelt. Zierde und Zierrat der Wikingerzeit unter authentischen Bedingungen herzustellen gehört zweifelsohne zu den spannenden Berufen dieser Zeit - aber eben auch zu den anstrengenden.

So sitzen sieben Handwerker im Freilichtmuseum Oerlinghausen, tragen die funktionale aber durchaus auch warme Kleidung der Nordmänner und zeigen den Besuchern mit viel Leidenschaft, wie Wikinger-Schmuck im achten bis elften Jahrhundert angefertigt wurde. "Uns ist wichtig, dass gute Leute hier sind, die historisch korrekt arbeiten", sagt Christin Barthelmie, die gemeinsam mit ihrem Mann Torben bereits seit fünf Jahren Glasperlenherstellung im Museum präsentiert und nun zum ersten Mal eine größere Gruppe von Zierrat-Herstellern zusammengetrommelt hat.

Neben der Glasperlenherstellung wird das Brettchenweben vorgestellt. "Eine vergessene Technik, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde", verrät Nadine Engelskirchen, die mit der historischen Apparatur ein mit Silberdraht durchzogenes Schmuckband herstellt. "Das ist furchtbar viel Arbeit, sieht dafür aber besser aus. Damit wurden damals Luxusartikel hergestellt." Direkt neben ihr sitzt René Degen, der mit einer Schlauftechnik Gold- und Silberdrähte zu Halsketten und Armreifen verarbeitet. "Zur Zeit sitze ich an einer Replik des Goldschatzes von Profen", verrät Degen. Dieser stammt zwar aus der römischen Kaiserzeit, die verwendete Technik sei aber identisch.

Die Wikinger-Handwerker können viel Wissenswertes über ihre jeweiligen Fachbereiche, aber auch die Wikingerzeit im Allgemeinen berichten. "Wir sind zwar größtenteils Autodidakten - nur unsere Goldschmiedin übt diesen Beruf auch im wirklichen Leben aus - aber wenn einen das Hobby erst einmal gepackt hat, dann bleibt man auch dabei", sagt Christin Barthelmie. Ihr Wissen beziehen sie aus Fachbüchern ("Wir haben da eine eigene Bibliothek für zu Hause"), aber auch aus erster Hand. Forschungsbesuche in Skandinavien und diversen Museen sind keine Seltenheit, der rege Austausch der freundlichen und aufgeschlossenen historischen Handwerker untereinander hilft zusätzlich.

Das wissen auch die Besucher zu schätzen. Interessierte Nachfragen werden gern und ausführlich beantwortet, auch längere Expertengespräche kommen häufig vor. Bei manchen ist die Begeisterung so groß, dass sie sich von einem der zeitaufwendigen Hobbys sogar infizieren lassen. Ihr Wissen gibt die Truppe um Barthelmi auch gerne weiter. "Es ist schön zu sehen, wenn dann ein Jahr später der gleiche Mensch wieder dort ist und seine eigenen Fortschritte zeigt", sagt René Degen.


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