Oerlinghausen. Martin Sommer hat allen Mut zusammengenommen. Auf seiner Hand liegt eine Vogelspinne. Das behaarte Tier mit den acht langen Beinen hält still, rührt sich keinen Millimeter. "Das ist der Zeitlupen-Kollege", erläutert Züchter Marc Schormann. "Jede Vogelspinne hat ihren eigenen Charakter."
Mehr oder weniger regelmäßig trifft sich der "Vogelspinnen-Stammtisch OWL" seit Anfang des Jahres in der "Klappe 30". Wer das nicht weiß, würde es wohl kaum bemerken, denn die Gliederfüßer stehen in Kisten verpackt auf dem Tisch wie in einem Mini-Terrarium. Ein paar muntere Schaben für den kleinen Spinnenhunger zwischendurch gleich daneben.
16 Mitglieder hat die Interessengemeinschaft derzeit, etwa ein Dutzend sitzen um den Stammtisch herum und fachsimpeln. Als Martin Sommer sich traut, kommen andere neugierige Gäste hinzu. Christiane Sommer lässt die Vogelspinne auf ihre Hand gleiten, spürt die weichen Härchen auf der Haut, die langsamen Bewegungen des Tieres.
"Ich fand sie eklig"
"Vogelspinnen huschen nicht, sie tasten sich bedächtig vorwärts, setzen die Beine vorsichtig auf", bestätigt Halterin Ilona Steinbach. Für die Lemgoerin sind Vogelspinnen "faszinierende Tiere". So denkt Marc Schormann mittlerweile auch. Anfangs aber habe er diese Begeisterung überhaupt nicht teilen können. "Ich fand sie ekelig." Dass einer seiner Bekannten sich ausgerechnet eine Vogelspinne anschaffte, fand der 34-Jährige ziemlich "bekloppt". Bei jedem Besuch aber gewöhnte er sich ein bisschen mehr, fand allmählich selbst Gefallen daran.
"Irgendwann hatte ich dann auch eine." Seine Freundin allerdings hielt konsequent Abstand vom Terrarium. "Mittlerweile füttert sie sie", beschreibt Schormann den Reiz, den Vogelspinnen offensichtlich erst nach dem vierten oder fünften Blick auslösen.
Keine Angst davor, gebissen zu werden? "Ich habe meine Vogelspinne seit neun Jahren, und das ist noch nie passiert", sagt Meik Klett aus Augustdorf. "Weltweit ist kein einziger tödlicher Biss belegt." Vogelspinnen-Bisse seien wegen der etwa anderthalb Zentimeter langen Klauen schmerzhaft, aber nicht tödlich. Die Interessengemeinschaft ist vor allem bemüht, Vorurteile abzubauen, Angst und Ekel abzubauen.
Suche nach der begehrter Liebhaberin
Marc Schormann stellt außerdem klar, dass die Stammtischler keine Wildfänge halten, sondern Nachzuchten fördern. Deshalb ist der Tiertausch ein wichtiges Thema. Kurzzeitig den Besitzer wechseln vor allem geschlechtsreife Männchen, die von der gleichen Spinnenart sind, wie das Weibchen. "Böcke werden zum Verpaaren herumgereicht", bestätigt Marc Schormann die Suche nach den begehrten Spinnen-Liebhabern. Risikolos ist so ein Tausch allerdings nicht, denn "es ist nie auszuschließen, dass das Weibchen den Bock auffrisst".
Normalerweise würden Vogelspinnen deshalb alleine gehalten, bestätigt Andreas Probst aus Gütersloh: "Vogelspinnen sind Kannibalen, sie fressen sich auch gegenseitig." In der Regel sollten die Tiere in ihren Terrarien in Ruhe gelassen werden. "Raus holen und damit spielen ist nicht artgerecht."
Das geht eben nur mal schnell zu Demonstrationszwecken und mit einem Zeitlupen-Kollegen wie der Vogelspinne in der Oerlinghauser "Klappe 30". Dass andere Charaktere sehr viel fixer sein können, davon weiß einer der Stammtisch-Teilnehmer zu berichten. "Manche legen regelrechte Sprints hin. Die laufen dann schneller, als ein Mensch hinterher kommen kann."
Begriff Aggressivität nehmen, "Achim", ich glaub das ist jedem interessierten eigentlich schnuppe, er will seine eigenen Erfahrungen sammeln und wird sich höchstwahrscheinlich eine "einfache" Art am Anfang zulegen und sich dann zu den schwierigeren Arten "hocharbeiten", da spielt Aggressivität sehr wohl eine Rolle (nicht nur)...