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09.10.2010
OERLINGHAUSEN
Besuch beim Vogelspinnen-Stammtisch Ostwestfalen
Behaarte Langbeiner sind zum Spielen ungeeignet
VON KARIN PRIGNITZ

Interessengemeinschaft | FOTO: NW

Oerlinghausen. Martin Sommer hat allen Mut zusammengenommen. Auf seiner Hand liegt eine Vogelspinne. Das behaarte Tier mit den acht langen Beinen hält still, rührt sich keinen Millimeter. "Das ist der Zeitlupen-Kollege", erläutert Züchter Marc Schormann. "Jede Vogelspinne hat ihren eigenen Charakter."

Mehr oder weniger regelmäßig trifft sich der "Vogelspinnen-Stammtisch OWL" seit Anfang des Jahres in der "Klappe 30". Wer das nicht weiß, würde es wohl kaum bemerken, denn die Gliederfüßer stehen in Kisten verpackt auf dem Tisch wie in einem Mini-Terrarium. Ein paar muntere Schaben für den kleinen Spinnenhunger zwischendurch gleich daneben.

16 Mitglieder hat die Interessengemeinschaft derzeit, etwa ein Dutzend sitzen um den Stammtisch herum und fachsimpeln. Als Martin Sommer sich traut, kommen andere neugierige Gäste hinzu. Christiane Sommer lässt die Vogelspinne auf ihre Hand gleiten, spürt die weichen Härchen auf der Haut, die langsamen Bewegungen des Tieres.

"Ich fand sie eklig"

"Vogelspinnen huschen nicht, sie tasten sich bedächtig vorwärts, setzen die Beine vorsichtig auf", bestätigt Halterin Ilona Steinbach. Für die Lemgoerin sind Vogelspinnen "faszinierende Tiere". So denkt Marc Schormann mittlerweile auch. Anfangs aber habe er diese Begeisterung überhaupt nicht teilen können. "Ich fand sie ekelig." Dass einer seiner Bekannten sich ausgerechnet eine Vogelspinne anschaffte, fand der 34-Jährige ziemlich "bekloppt". Bei jedem Besuch aber gewöhnte er sich ein bisschen mehr, fand allmählich selbst Gefallen daran.

"Irgendwann hatte ich dann auch eine." Seine Freundin allerdings hielt konsequent Abstand vom Terrarium. "Mittlerweile füttert sie sie", beschreibt Schormann den Reiz, den Vogelspinnen offensichtlich erst nach dem vierten oder fünften Blick auslösen.

Keine Angst davor, gebissen zu werden? "Ich habe meine Vogelspinne seit neun Jahren, und das ist noch nie passiert", sagt Meik Klett aus Augustdorf. "Weltweit ist kein einziger tödlicher Biss belegt." Vogelspinnen-Bisse seien wegen der etwa anderthalb Zentimeter langen Klauen schmerzhaft, aber nicht tödlich. Die Interessengemeinschaft ist vor allem bemüht, Vorurteile abzubauen, Angst und Ekel abzubauen.

Suche nach der begehrter Liebhaberin

Marc Schormann stellt außerdem klar, dass die Stammtischler keine Wildfänge halten, sondern Nachzuchten fördern. Deshalb ist der Tiertausch ein wichtiges Thema. Kurzzeitig den Besitzer wechseln vor allem geschlechtsreife Männchen, die von der gleichen Spinnenart sind, wie das Weibchen. "Böcke werden zum Verpaaren herumgereicht", bestätigt Marc Schormann die Suche nach den begehrten Spinnen-Liebhabern. Risikolos ist so ein Tausch allerdings nicht, denn "es ist nie auszuschließen, dass das Weibchen den Bock auffrisst".

Normalerweise würden Vogelspinnen deshalb alleine gehalten, bestätigt Andreas Probst aus Gütersloh: "Vogelspinnen sind Kannibalen, sie fressen sich auch gegenseitig." In der Regel sollten die Tiere in ihren Terrarien in Ruhe gelassen werden. "Raus holen und damit spielen ist nicht artgerecht."

Das geht eben nur mal schnell zu Demonstrationszwecken und mit einem Zeitlupen-Kollegen wie der Vogelspinne in der Oerlinghauser "Klappe 30". Dass andere Charaktere sehr viel fixer sein können, davon weiß einer der Stammtisch-Teilnehmer zu berichten. "Manche legen regelrechte Sprints hin. Die laufen dann schneller, als ein Mensch hinterher kommen kann."
  
     

  
  
     


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Kommentare
"Achim", ich glaube, Du hast Rudi R´s Beitrag und div. andere nicht aufmerksam gelesen. Fakt ist nunmal, dass gewisse Arten aggressiver (zu Deiner inneren Befriedigung von mir aus auch wehrhafter, ;-)) ) auf Störungen reagieren als andere...und ob einige Halter/Züchter Abstand vom
Begriff Aggressivität nehmen, "Achim", ich glaub das ist jedem interessierten eigentlich schnuppe, er will seine eigenen Erfahrungen sammeln und wird sich höchstwahrscheinlich eine "einfache" Art am Anfang zulegen und sich dann zu den schwierigeren Arten "hocharbeiten", da spielt Aggressivität sehr wohl eine Rolle (nicht nur)...

@Rudi Rüssel,
ich glaube du hast nicht aufmerksam gelesen. Es wurde nicht behauptet, alle Spinnen seien aggressiv, weder von Stefan noch von den darauf folgenden Kommentatoren.
Von Stefan H. wurden grundsätzlich gewisse Arten als aggressiv bezeichnet und das ist nun mal falsch.
Zudem nehmen schon seit mehreren Jahren erfahrene Halter und Züchter Abstand von dem Begriff Aggressivität im Bezug zu Vogelspinnen. Würdest du dich aktiv in entsprechend qualifizierten Foren aufhalten, wäre dir diese Tatsache sicherlich bekannt.

Der Begriff Aggressivität ist natürlich richtig, das muss man hier wohl überhaupt nicht ausdiskutieren, nur wenn das hier aus dem Zusammenhang gebracht wird und man Schreibern im nachhinein vorwirft, sie würden alle Spinnen als aggressiv bezeichnen (was so nie geschrieben wurde) , dann paßt was nicht...

@Johnny,
trotzdem ist der Begriff Aggressivität falsch, denn Spinnen sind auf lebende Tiere als Nahrung angewiesen und aufgrund dessen müssen sie äußerst schnell das Futtertier überwältigen.
Wehrhaft und Schnelligkeit lassen es vielleicht rabiat aussehen, aber das macht ein Tier und schon lange keine Spinne aggressiv!
Gruß Rudi

@Paderborner:
Insofern man keine echten Arachnophobiker daheim hat, sollte man als jemand, der gewillt ist, Spinnen dahim zu halten, behutsam die Mitbewohner an das eigene Vorhaben gewöhnen ;-) Das habe ich auch so gemacht. Besuche mit Partner(in) mal eine Messe oder einen Stammtisch in deiner Nähe ;-). Wenn die besorgten Menschen sehen, wie unbefangen mit den Tieren idR umgegangen werden kann, dass die eben keine actionhungrigen Menschenblutjunkies sind, sondern äußert interessante Lebewesen, die problemlos zu Hause gehalten und beobachtet werden können, werden sie eher umzustimmen sein. Zudem sollte das Terrarium absolut ausbruchsicher sein, das beruhigt ungemein.
Bei mir daheim gilt zB der Deal: "sollte je eine VS aus dem Terrarium entkommen, darf meine Freundin das Dicke Telefonbuch draufschmeissen". [Abgesehen davon dass eine 100 Gramm schwere VS niemals eine Terrarien-Falltürscheibe hochbekommt, achte ich aber schon sehr darauf, dass meine Pfleglinge nicht einfach so entsorgt werden ;-)] Die meisten meiner Bekannten finden Vogelspinnen im Terrarium, im Gegensatz zu den Winkelspinnen, die in unseren Wohnungen zu finden sind, überhaupt nicht eklig. Und auch ich hantiere lieber im Terri herum, als eine Winkelspinne auf "allgemeinen Wunsch" zu fangen und aus der Wohnung zu entfernen. Vogelspinnen sind in der Regel ruhige Tiere, die stundenlang (manchmal auch VIEL länger) reglos der Dinge harren die da kommen. Und das ist zB Futter, die Hand des Halters oder der Schwung Wasser, der in den Trinknapf pladdert. Und wie eine Spinne darauf reagiert ist niemals 100% vorhersehbar.



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