Oerlinghausen. Dem Aufruf zu einem Mensa-Boykott sind gestern zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Niklas-Luhmann-Gymnasiums gefolgt. Ihre Kritik lautet: "Zu viel Geld für zu wenig Essen." Auf der Internet-Plattform Facebook war daraufhin die Protestaktion gestartet worden. Die Schulleitung antwortete mit großen Info-Plakaten und der Aufforderung zum Boykott des Boykotts, was nur bedingt Erfolg hatte.
Der Unmut hatte sich aufgestaut, nachdem der Caterer "Cultina" vor einiger Zeit die Preise angezogen hatte. Die sich allerdings im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen bewegen, wie "Cultina"-Geschäftsführer Joachim Klostermeyer und Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort übereinstimmend bestätigen. Allerdings herrschte etwas Unmut darüber, dass die Preisanhebung Schulleitung und Schulträger nicht direkt mitgeteilt worden ist. "Wir haben lediglich einen Aushang gemacht", gibt Klostermeyer zu.
Die Preise sind zu Beginn des Jahres bei den umsatzstarken Produkten um 10 bis 20 Prozent gestiegen. So kostet beispielsweise das beliebte Schnitzelbrötchen statt 1,80 jetzt 2 Euro, das tägliche Pasta-Gericht ist von 2,90 auf 3,20 Euro pro Portion geklettert. Das teuerste warme Essen liegt bei 3,80 Euro, zuzüglich Kosten für Dessert (0,60 Euro) oder Salat (0,70 Euro). "Damit bewegen wir uns noch in einem guten Rahmen", meint Schulleiter Stefan Sudholt. Kritik an Qualität und Menge des Essen mag er nicht gelten lassen.
Er sorgt sich allerdings darum, dass die "Goldgräberstimmung beim Start der Mensa" nun ins Negative umschlägt. Dabei sei es wichtig, dass die Mensa weiterhin gut angenommen werde, damit das Angebot, mit dem die Schule bisher zufrieden gewesen sei, aufrechterhalten werden könne. Am vergangenen Freitag haben Caterer, Schulleitung und Verwaltung deshalb auch zusammengesessen, um einige grundlegende Probleme anzusprechen, die letztlich ein Grund für die Preisanhebung waren.
Für "Cultina" sind beispielsweise die schwankenden Zahlen, die sich zwischen 150 und 250 bewegen, bei den warmen Essen schwierig. Das betrifft dann auch den Personaleinsatz. Dennoch lehnen die Oerlinghauser weiterhin ein vom Caterer gewünschtes Abo-System oder Vorbestellungen ab, wie Stefan Sudholt gegenüber der NW nochmals unterstreicht. Auch möchte er unbedingt verhindern, dass die Mensa zum reinen Kiosk-Betrieb umgewandelt wird. "Wir wollen keine Frittenbude, sondern weiterhin warmes Essen."
Da "Cultina" zurzeit jedoch nicht kostendeckend arbeitet, "muss sich jetzt jeder ein bisschen bewegen", wie Geschäftsführer Klostermeyer sagt. "Alle drei Beteiligten haben Interesse daran, das Geschäftsverhältnis weiterhin aufrechtzuerhalten", betont Stefan Sudholt. Und so habe er zugestimmt, dass die Mensa künftig nicht mehr um 7.30 Uhr öffnet (bis 15 Uhr), sondern erst um 9 Uhr. Die Nachfrage sei in der frühen Zeit derart gering, dass die Schule gut damit leben könne.
Die Verwaltung hat das Angebot gemacht, die Nebenkosten der Mensa wie Strom, Wasser, Müllabfuhr zu übernehmen. "Jeder Cent hilft", sagt Joachim Klostermeyer, für den die Luhmann-Mensa die erste Schulmensa war. Mittlerweile hat "Cultina" drei weitere Schul-Mensen übernommen. "Unser Ziel ist es schon, die Mensa in Oerlinghausen zu halten", sagt der "Cultina"-Chef. In rund vier Wochen will man sich nun wieder zusammensetzen und sehen, ob die Umdrehungen an den genannten Stellschrauben ausreichen.
Das sagen Schüler
"Ich kann den Boykott nachvollziehen, glaube aber nicht, dass damit etwas erreicht wird. Mich stört, dass man sich über uns hinweggesetzt hat, dass es weder vom Betreiber noch von der Schule Informationen gab." Schüler 11. Klasse
"Die Preise sind erhöht und die Portionen verkleinert worden. Das finde ich nicht richtig. Schmecken tut es aber gut." Schüler 7. Klasse
"Der Kosten wegen entscheiden sich einige jetzt für ein günstigeres Schnitzelbrötchen statt für ein Mittagessen. Andere gehen in die Geschäfte im Ort. Problem ist, dass die Stadt die Mensa nicht unterstützen will." Schüler 13. Klasse
"An der Gesamtschule Leopoldshöhe bekommt man es auch in, dass das Essen günstiger ist. Warum übernimmt man das Konzept nicht einfach?" Schüler 12. Klasse
"Mit dem Boykott sollte ein Zeichen gesetzt und darauf gedrungen werden, die fehlende Kommunikation zu verbessern. Durch die Plakate, auf denen die Schulleitung die Gründe der Preiserhöhung erläutert hat, ist unser Anliegen nach Transparenz erfüllt worden. ob sich etwas ändert, weiß ich nicht. Ich frage mich, warum man so viel Geld investiert hat, wenn man jetzt feststellt, dass die Verluste so groß sind. Die Qualität des Essens stimmt aber." Schüler 12. Klasse –kap
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