Abiturientin des Niklas-Luhmann-Gymnasiums fühlt sich von Mitschülerinnen gemobbt
Oerlinghausen. An die eigene Schulzeit erinnert sich fast jeder gern zurück: gemeinsame Erlebnisse auf Klassenfahrten, Streiche, die den Lehrern gespielt wurden, vielleicht die erste Liebe. Freundschaften, die während der Schulzeit geknüpft wurden, halten manchmal ein Leben lang. Laura Bartusch wird sich nur mit Grausen an ihre Schulzeit erinnern. "Ich werde gemobbt", sagt die junge Frau. "Und das seit der 7. Klasse."
Jetzt steht Laura kurz vor dem Abitur, in drei Wochen werden die ersten Klausuren geschrieben. Seit Montag ist sie von ihrem Hausarzt krank geschrieben. Montag hatte sie Geburtstag, doch gefeiert hat sie ihren 19. nicht. Und Glückwünsche von Schulfreundinnen gab es auch nicht.
Im Gespräch gibt sich Laura gefasst. Sie blickt ihren Gesprächspartner an, bemüht sich um eine feste Stimme. Das misslingt manchmal. Sie knibbelt an ihren Fingernägeln, kaut auch mal an einem der blau lackierten Nägel und gibt dadurch einen Blick darauf preis, wie es in ihrem Inneren aussieht.
"Ich ramm dir ein Messer in den Bauch." Darin gipfelte die erste Mobbing-Attacke. Zwei Mitschülerinnen am Niklas-Luhmann-Gymnasium hatten sich Laura als Opfer ausgesucht, schildert Mutter Karin Bartusch den Beginn. In der 8. Klasse kam dann eine neue Mitschülerin in die Klasse. "Zuerst bin ich gut mit ihr ausgekommen", berichtet Laura. Doch irgendwann hätten die anderen beiden das Mädchen vereinnahmt. Auf einer Klassenfahrt sei sie abends aus dem Zimmer ausgesperrt worden, der Platz im Klassenraum sei ihr weggenommen und ihre Schulsachen auf den Flur geworfen worden.
Auf die Frage, warum sie denn nicht schon damals die Schule gewechselt habe, zuckt sie mit den Schultern: "Ich wollte mich nicht vertreiben lassen und habe gedacht, dass ich das schon hinkriege." Es habe ja auch Zeiten gegeben, in denen nichts vorgefallen ist. "Meistens dann, wenn ich mich so verhalten habe, wie die anderen es von mir erwartet haben. Zeitweise habe ich sogar die Hausaufgaben der drei Mädchen gemacht."
Einen Grund für das Mobbing kann sie sich nicht vorstellen. Sie ist weder eine besonders gute Schülerin gewesen noch besonders schlecht "Aber die hatten immer etwas an mir auszusetzen. Ob es nun meine Haarfarbe war, mein Nagellack oder mein Gewicht." Massiv geworden ist das Mobbing seit Weihnachten. "Auf der einen Seite bin ich rasend wütend, auf der anderen Seite ist mir zum Heulen zumute." Sie sei aus allen Gremien rausgeflogen, die etwas mit dem Abi zu tun haben. Die Mitarbeit an der Abi-Zeitung - Geschichte. "Ich werde nicht mal zu meinem eigenen Abi-Ball gehen können", sagt sie und bricht dann doch in Tränen aus. "Ich will nur noch mein Abitur einigermaßen hinkriegen", sagt sie.
Schulleiter Stefan Sudholt sorgt dafür, dass Laura "in der Zeit bis zum Abitur keine Nachteile entstehen". Für die vier Abi-Fächer hätten die Fachlehrer ein Arbeitsprogramm entwickelt. Das bekommt sie zusammen mit dem Arbeitsmaterial per E-Mail nach Hause geschickt, "weil der normale Weg, dass die Sachen von Mitschülern vorbeigebracht werden, in diesem Fall nicht möglich ist".
Die Abi-Klausuren müsse sie zur gleichen Zeit schreiben, wie alle anderen. "Aber wenn es die Situation erfordert, kann sie die Klausuren auch räumlich getrennt von den anderen Abiturienten schreiben." Das Problem sei Thema im Kollegium, die Schule betreibe seit längerem Anti-Mobbing-Arbeit. "Ich sehe, dass es dem Mädchen schlecht geht und will helfen, dass sie die letzten Wochen bis zum Abitur vernünftig übersteht", sagt Sudholt.