Oerlinghausen. "Natürlich muss man ein wenig selbstbewusst sein. Aber in welchem Beruf muss man das nicht?", fragt Melanie Dürbusch zurecht. Die 18-Jährige lernt bei der Gundlach Verpackung GmbH Verpackungsmittelmechanikerin. Bis jetzt: eine echte Männerdomäne.
Auch ihre Kollegin Manuela Bartels hat sich für einen Beruf entschieden, der zurzeit hauptsächlich von Männern ausgeübt wird. Sie wird Industriemechanikerin. "Ich habe mich schon immer für Technik interessiert. Zunächst habe ich Maschinenbau studiert, aber mich dann schnell für die praxisnahe Ausbildung entschieden", erzählt die 22-Jährige. Melanie Dürbusch hat während ihrer Schulzeit ein Praktikum bei Gundlach gemacht. Danach stand ihr Berufswunsch fest.
Den beiden jungen Frauen macht ihre Ausbildung sichtlich Spaß. "Ich arbeite überwiegend an Stanz,- Präge - und Klebemaschinen. Langweile kommt da nie auf", erklärt Melanie Dürbusch. Manuela Bartels kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn eine der Maschinen repariert werden muss.
Probleme, sich in der Männerwelt zurechtzufinden, hatten beide nicht. "Im Gegenteil: Oft helfen mir die männlichen Kollegen, wenn ich schwer heben muss. Da sind sie immer sehr zuvorkommend", sagt Manuela Bartels. Und Melanie Dürbusch ergänzt: "Sobald die Kollegen merken, dass man interessiert ist und Spaß an dem hat, was man macht, ist alles ganz unproblematisch."
Personalleiter Jörg Hesse wundert sich über die positiven Berichte überhaupt nicht: "Gemischte Teams haben oft große Vorteile. Es herrscht oft eine andere, eine angenehme Atmosphäre vor. Frauen sehen viele Dinge mit anderen Augen und suchen dann auch andere Lösungswege. Das kann ein Team sehr positiv beeinflussen." Auch deshalb wünscht sich Hesse mehr Bewerbungen von Schülerinnen, die einen technischen Beruf ergreifen möchten. Bisher liegt die Quote lediglich bei ungefähr zehn Prozent.
Um junge Frauen die Scheu vor technischen Berufen zu nehmen, wurde das Projekt MINTrelation ins Leben gerufen. Melanie Dürbusch und Manuela Bartels engagieren sich dabei als Firmenbotschafterinnen. "Wir sprechen mit interessierten Schülerinnen über unsere Berufe und sie können uns bei der Arbeit begleiten", erklärt Melanie Dürbusch. Die beiden Auszubildenden sind von dem Projekt überzeugt. Denn sie selbst haben in ihren von Männern dominierten Berufen bisher nur gute Erfahrungen gemacht und wollen interessierte Mädchen überzeugen, sich für eine technische Ausbildung zu entscheiden. Damit sind die beiden die perfekten Botschafterinnen. Auch Jörg Hesse freut sich, dass die Auszubildenden für das Projekt engagieren. "Was bringt es, wenn sich ein Personaler vor eine Gruppe Mädchen stellt und ihnen von den technischen Berufen erzählt? Es ist doch viel authentischer, wenn junge Frauen, ihre persönlichen Erfahrungen und ihr berufliches Wissen an Schülerinnen weitergeben."
Am heutigen Girlsday werden Melanie Dürbusch und Manuela Bartels zwei Mädchen ihre Berufswelt vorstellen. Weitere sollen folgen, damit schon bald die Bezeichnung Männerberufe aus den Köpfen verschwindet.