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16.05.2011
OERLINGHAUSEN
Römer ohne Englischkenntnisse
Großveranstaltung zur Spätantike im Freilichtmuseum soll wiederholt werden
VON BESIM MAZHIQI

Will’s wissen | FOTO: BESIM MAZHIQI

Oerlinghausen. Das hatten sich die Mannen von "Britannia" wohl auch anders gedacht. Anstatt als wilde Truppe von Kriminellen, Barbaren und Kriegsgefangenen die Waldbühne des Archäologischen Freilichtmuseums zur Großveranstaltung "Roman Breakdown" unsicher zu machen, wurden sie Opfer eines Relikts aus ebenso alten Tagen wie das römische Imperium: Grenzkontrollen. Dänische Beamte hielten die harten Jungs samt Lanze und Schwert auf ihrer Reise Richtung Bergstadt fest.


"Da sind ein paar Dinge gehörig schiefgegangen", erklärt Museumsleiter Karl Banghard auf Nachfrage und bedauert, dass Gäste enttäuscht wurden, die extra wegen der Truppe, die durch ihre realistische und professionelle Darstellungskunst des römischen Zeitalters bekannt geworden ist, anreisten. "Schön war das Wochenende trotzdem", habe man Banghard bestätigt.

Hans Friedrich und Ursula Meissner aus Jöllenbeck sind auf jeden Fall begeistert. "Das gesamte Freilichtmuseum lebt richtig auf", sag Ursula Meissner, die an jeder Ecke Darsteller entdeckt. Diese präsentieren, wie das Leben im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus, zu der Zeit, als das römische Imperium zerbröckelte, ausgesehen haben kann. Franziska Unger zeigt zum Beispiel, wie Menschen aus Thüringen in der Spätantike mit Beeren Stoffe färbten. Welche Kleidung Byzantiner trugen, erklären Judith Esdar und Henry Blumenstein.

Römisches Handwerk gibt es bei Volker Fiebiger zu sehen. Bei ihm dürfen Jung und Alt so richtig im Matsch wühlen, um beim Bau einer Lehmwand zu helfen. Ein paar Meter weiter fertigt Markus Gruner mit Hammer und Zange Repliken aus Silber, Bronze und Kupfer an, die Elbgermanen und Altsachsen als Accessoire an der Kleidung trugen.

Auch wenn die "Britannia"-Leute nicht kommen konnten: eine Kampfshow wird trotzdem gezeigt. Jung und Alt finden sich am Samstag und Sonntag zahlreich ein, um dabei zu sein, wenn "Contubernium Primum" die Spätantike zum Leben erwecken und sich ordentlich etwas auf die Mütze geben. Die Darsteller der Gruppe präsentieren unterschiedliche Soldatenbekleidungen, erklären die Entwicklung der Rüstung spätantiker Soldaten und ihrer Waffen wie Wurfäxte und Speere.

Die Besucher freut es. Manche, wie Timo Duden, dürfen sogar ran, um zu versuchen, die Schildträger mit gehörigem Anlauf umzuschmeißen. "Fehlanzeige", sagt der 25-Jährige, der nach dem zweiten Versuch etwas außer Atem ist. Nach Luft schnappen auch die Soldaten, die sich im Einzelkampf messen und zeigen, wie kleine Bataillone in Formation gegen ihre Gegner vorgegangen sind. Belohnt werden sie für ihren Einsatz mit anhaltendem Applaus.

"Das ist aber nicht zum Nachmachen gedacht, Kinder", heißt es am Ende der Show, nach der die Besucher Hand an Helm, Armschutz, Speer und Schild anlegen dürfen und sich mit vielen Fragen an die Darsteller wenden. "Ein guter Grundstock für die erste Großveranstaltung", resümiert Banghard, der am Samstag und Sonntag mehr als 1.700 Besucher im Freilichtmuseum gezählt hat. Dass es eine nächste Großveranstaltung dieser Art geben soll, steht für den Museumsleiter außer Frage. "Nächstes Mal wird es noch größer", sagt er. Dann sollen auf jeden Fall auch die "Britannia"-Mannen dabei sein - sofern sie nicht wieder den Umweg über Dänemark machen und im Zöllnerhäuschen übernachten müssen.

In die Geschichte eintauchen

Zum Untergang des Römischen Reiches gibt es nach Banghards Worten noch mehr Thesen als zur Varusschlacht.

Seit circa 15 Jahren erlebt die Spätantike eine Renaissance in der Forschung.

An die Stelle punktueller Probleme wie dem Rückgang des Städtewesens treten heute langfristige Veränderungen. Auch andere Schlüsselereignisse werden weitgreifender betrachtet.

Die Vorstellung eines abrupt einsetzenden, unaufhaltsamen Niedergangs ist durch das Konzept eines kontinuierlichen Wandels ersetzt worden.


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