Die erste Verbundschule des Landes will auch zu den ersten Sekundarschulen gehören
Oerlinghausen. Die Idee der Gemeinschaftsschule war gestern, jetzt kommt die Sekundarschule. Die Heinz-Sielmann-Schule (HSS) wollte gerne das Erste, doch nachdem der Modellversuch der rot-grünen Landesregierung geplatzt ist, möchte die HSS die Idee der Sekundarschule ab dem Schuljahr 2012/13 in der Bergstadt umsetzen. Und die Zeit drängt mal wieder - wie so oft in schulischen Belangen in den vergangenen Jahren.
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Oerlinghausen ist Burkhard Blienert am Dienstagabend gekommen, um über das Ergebnis des noch recht frischen Schulkonsenses in Düsseldorf mit der CDU-Opposition zu sprechen. Blienert ist Referent der SPD-Landtagsfraktion unter anderem für die Bereiche Schule und Weiterbildung. Etwa 40 Zuhörer fanden den Weg in die Aula der Südstadtschule, zumeist Lehrerinnen und Lehrer sowie Kommunalpolitiker und "nur wenige Eltern", wie Rolf Bockwinkel bedauert.
Der Leiter der Heinz-Sielmann-Schule hätte sich gefreut, wenn viele Mütter und Väter sich über die neue Sekundarschule informiert hätten. Denn der Elternwille ist maßgeblich bei der Frage, wie sich das schulische Angebot in den Kommunen angesichts des demographischen Wandels entwickeln kann. "Die Sekundarschule ist eine echte Chance für uns", sagt Bockwinkel mit Überzeugung. "Zumal wir uns angesichts des wegbrechenden Hauptschulzweiges sowie Gedanken über die Zukunft machen müssen." Für den neuen 5. Jahrgang sind nur noch 31 Schüler angemeldet worden. Er möchte auf keinen Fall warten, bis die Verbundschule zwangsweise 2017 in eine Sekundarschule umgewandelt wird.
Was eine Sekundarschule ist, versucht Burkhard Blienert darzustellen. Sie ist eine Schule der Sekundarstufe I (in der Regel im Ganztag) und umfasst damit die Jahrgänge 5 bis 10. In den Klassen 5 und 6 muss bei individueller Förderung gemeinsam gelernt werden. Ab Klasse 7 besteht die Möglichkeit, weiter integriert oder die Kinder in einzelnen Fächern differenziert nach Leistungsvermögen und Neigung differenziert zu unterrichten (teilintegriert) oder die einzelnen Bildungsgänge von Haupt-, Realschule oder Gymnasium abzubilden (kooperativ).
Beim kooperativen Weg, so Blienert, sollen sowohl die Vorbereitung auf die berufliche Bildung als auch auf gymnasiale Standards abgebildet werden. Die Sekundarschule hat zwar keine eigene Oberstufe, aber dafür einen oder mehrere Kooperationspartner (Gymnasium, Gesamtschule oder Berufskolleg). Über das Grundkonzept entscheiden Schulkonferenz und Schulträger.
Doch wie in der Kürze der Zeit den Elternwillen in Erfahrung bringen, zumal doch die Sekundarschule als solche noch weitgehend unbekannt ist? Burkhard Blienert verwies auf einen Musterfragebogen, der in Kürze zur Verfügung stehen soll. Angesichts der Tatsache, dass im Februar bereits die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen von den Eltern vorgenommen werden müssen, riet Blienert der Politik, frühzeitig einen Tendenzbeschluss zu fassen, so sie denn für die Sekundarschule ist. "Legen Sie ein Bekenntnis dazu ab, durchaus auch bevor die Schulkonferenz getagt hat."
Der Schulkonsens im Land muss noch durch eine Änderung der Landesverfassung und eine Schulrechtsänderung in trockene Tücher gebracht werden. "Nach den Anhörungen sollen Ende Oktober die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden", erklärt der Landespolitiker. Erst danach können die Durchführungsbestimmungen folgen.
Wenig Zeit also bis zum Frühjahr. Oerlinghausens Beigeordneter Hans-Jörg Düning-Gast schlägt daher vor, das Thema gleich im nächsten Schulausschuss auf die Tagesordnung zu setzen. Die erweiterte Schulleitung der HSS wird Anfang Oktober in Klausur gehen.