Oerlinghausen. Pünktlichkeit ist eine bürgerliche Tugend, mit der man es als waschechte Rockband standesgemäß nicht so genau nimmt. Entsprechend relaxt geht es daher im Jugend- und Kulturzentrum Oerlinghausen (JZO) zu, als die Rockband "Tarranado" dort ihren zehnten Geburtstag feiert. Erst mal noch gemütlich eine rauchen, dann langsam auf die Bühne.
Die rund 80 Gäste sind da ähnlich entspannt, vertreiben sich die Zeit im und um das JZO mit Kaltgetränken und launigen Gesprächen. Den musikalischen Auftakt machen dann die Bielefelder "7 Days Awake". Mit einem 45-minütigen Set ihres experimentierfreudigen Psychedelic-Alternative-Rocks heizen sie Bühne und Publikum schon einmal für den Hauptact vor. "'7 Days Awake' sind eine befreundete Band, der Gitarrist hat unser Album abgemischt und gemastert", verrät "Tarranado"-Gitarrist Goetz Stabenow. "Da lag es nah, sie zu fragen, ob sie uns bei unserem Jubiläumskonzert unterstützen wollen."
Nach einer Umbaupause beginnen die Oerlinghauser "Tarranado" dann ihr gut zweistündiges musikalisches Feuerwerk. Der kleine Konzertsaal des JZO ist rappelvoll, direkt vor der Bühne wird auf engem Raum getanzt und geheadbangt. Die "Tarranado"-Jungs drehen voll auf, spielen sämtliche Hits der bisherigen Diskographie ebenso wie fast das alle Stücke des aktuellen Albums "White Elephant". Bei zwei älteren Liedern, die aus der Zeit stammen als die Band noch unter ihrem alten Namen "Dive" die Bühnen unsicher machte, stürmt der ehemalige Bassist Christian Wahrhahn die Stage und gibt ein kleines Gastspiel.
Zwischen den Songs versorgen die Bandmitglieder ihr Publikum mit witzigen Anekdoten der Bandgeschichte, etwa wie sie, bevor sie einen dedizierten Proberaum zur Verfügung hatten, unter Dachschrägen mit abgewinkelten Köpfen und ohne Sichtkontakt untereinander ihre ersten Songs eingeübt haben.
"Es freut uns, dass so viele Leute gekommen sind", sag Stabenow. "Da sind sowohl Leute bei, die vor zehn Jahren bei unserem allerersten Konzert dabei waren, als auch neue Fans." Die große Bandgeburtstags-Party ist nach dem Konzert allerdings noch lange nicht zu Ende. In bester Rocktradition wird das Jubiläum bis spät in die Nacht gefeiert.