Augustdorf/Höxter (dpa/aja/-sg-/bo/röß). Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird am Mittwochnachmittag sein mit Spannung erwartetes Konzept für die Schließung von Bundeswehrstandorten vorstellen. Laut einem am Mittag veröffentlichten Dokument will de Maizière 31 von rund 400 Standorten in Deutschland schließen. 90 der bisherigen Kasernen werden zudem teilweise drastisch verkleinert. Auch Ostwestfalen-Lippe ist betroffen.
Auf der Internetseite des Verteidigungsministeriums ist jetzt auch ein pdf-Dokument zur Bundeswehrreform in Nordrhein-Westfalen einsehbar. Durch den vielfachen gleichzeitigen Zugriff ist das Dokument allerdings zeitweise nicht erreichbar.
Augustdorf: Deutschlands größter Heeres-Standort, die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im lippischen Augustdorf, soll von 4.050 Soldaten auf 2.480 Soldaten reduziert werden. Aufgelöst werden soll die Aufklärungskompanie 2010, die Panzer-Pionier-Kompanie 200 sowie das Panzerartilleriebataillon 215, mit dem die meisten Stellen verloren gehen (knapp 1.000).
Herford: Das Herforder Kreiswehrersatzamt in der bisherige Form wird aufgelöst. Die bisher 50 Stellen dort sollen laut den Plänen auf sechs zusammengestrichen werden. Sowohl Herford als auch Paderborn werden nicht mehr als Standort gelten.
Höxter: In Höxter soll das das ABC-Abwehrbataillon erhalten bleiben, keine Einheiten werden aufgelöst. Die 1.190 Stellen sollen allerdings auf 690 reduziert werden.
Minden: Auch der Standort Minden soll erhalten bleiben. Das Pionierregiment 100 wird allerdings aufgelöst. Von 1.070 Stellen bleiben hier 730 erhalten.
Paderborn: Die 40 Dienstposten in Paderborn sollen auf 10 zusammengestrichen werden.
Den Schwarzen Peter schob Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin der FDP, der rot-grünen Landesregierung NRW zu. "Das ganze Hickhack um den Nationalpark Senne hat in Berlin nicht unbedingt zu einer positiven Darstellung der Region OWL beigetragen. In Berlin hatte man den Eindruck, als stünde die Region nicht zu ihrem Bundeswehr-Standort Augustdorf", sagte sie gegenüber der NW. Das Verteidigungsministerium habe eine Zusicherung der Senne für die militärische Nutzung verlangt, diese sei ausgeblieben. Die Landesregierung habe es versäumt, rechtzeitig Klarheit zu schaffen. Die Planungen für einen Nationalpark, die auch vom Landrat Frieder Heuwinkel (CDU) bis zuletzt betrieben worden, so Kopp, wären nicht förderlich gewesen sondern "ausgesprochen schädlich."
"Für OWL hat der Beschluss des Ministers Licht und Schatten", sagte Kopp. "Positiv ist zu sehen, dass alle drei Standorte Augustdorf, Höxter und Minden erhalten bleiben." Außerdem begrüßt Kopp, dass das geplante Sanitätszentrum in Augustdorf weitergebaut werden soll. Dort seien bereits 120 Millionen Euro investiert worden. Doch zur Schattenseite zählt für Kopp, dass "ihr Heimatstandort" Augustdorf um 1.500 Dienstposten verkleinert werde.
Beer: "Die Region kann gut damit leben"
Die Vorsitzende des Bezirksverbandes OWL von Bündnis 90/Die Grünen, Sigrid Beer, äußert gegenüber der NW positiv zum Entscheid: "Der Verteidigungsminister hat konsequent entschieden. Die Region kann gut damit leben. Es ist keine Überraschung, dass Standorte verkleinert werden müssen. Auch wenn es für einzelne Standorte zunächst hart ist, so war die Entwicklung doch abzusehen. Schließlich mussten sich alle bei der Verabschiedung der Bundeswehrreform darüber im Klaren sein, was sie tun und was das dann folgerichtig auch für OWL bedeutet."Weiter erklärt Beer: "Insofern ist es unaufrichtig, nun die Schuld für die Verringerung der Truppenstärke am Panzerstandort Augustdorf in Düsseldorf zu suchen. Panzer sind das Kriegsmaterial des vergangenen Jahrhunderts. Konfliktlösungsstrategien müssen heute anders aussehen."
Es läge nun an der Gemeinde Augustdorf Chancen zu ergreifen und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu entwickeln. "Die Landesregierung bietet mit den Plänen für einen Nationalpark Senne ihre Hilfe an", so Beer
Kampeter: Bundeswehr bleibt präsent in OWL
"Das gibt nicht nur der Stadt, sondern der gesamten Region Zukunftssicherheit", sagte der Finanz-Staatsekretär Steffen Kampeter (CDU) sagt zur heute verkündete Entscheidung für den Bundeswehr-Standort Minden. "Das ist eine richtig gute Nachricht, die mich außerdem ganz persönlich freut." Denn auch er hatte in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne gedient. Ebenso werde der Standort im benachbarten Bückeburg als Internationales Hubschrauberausbildungszentrum mit 1.040 Dienstposten erhalten bleiben.
Insgesamt werde das Schwere Pionierbatallion 130 mit 730 Dienstposten in Minden stationiert bleiben. Das Pionierregiment 100 als Komandoebene werde hingegen aufgelöst, zukünftig untersteht das Mindener Bataillion der 1. Panzerdivision mit neuem Dienstsitz in Oldenburg. So bleibe die Bundeswehr in Ostwestfalen mit den drei großen Standorten Augustdorf, Höxter und Minden in der Fläche präsent. "Dies ist für mich die zentrale und positive Botschaft dieser Entscheidung", so Kampeter weiter. "Die Bundeswehr hat eine lange Tradition in der Region und wird diese fortsetzen." Besonderer Ausdruck der engen Verbundenheit mit der Mindener Bevölkerung sei zudem die Jahrzehnte währende Patenschaft der Pioniere mit dem hiesigen Bürgerbataillon.
Ihr österreichisches Rufzeichen passt übrigens ebenfalls sehr gut zu Hal(l)oween.
Wir leben eben leider nicht in einer friedlichen und heilen Welt, in der wir auf jede Form des Militärs verzichten können. Ebenso wenig leben wir in einer grünen Aue und diese grüne Aue wird auch nicht durch einen aberwitzigen Nationalpark Senne entstehen. Träumen ist erlaubt. Aber spinnerte Träume dürfen niemals in die Realität umgesetzt werden, denn diese Fantastereien kommen uns teuer zu stehen *RUFZEICHEN*