Bielefeld. Die vom Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin verkündete letzte Weichenstellung für die Bundeswehrreform bedeutet auch für die Region Ostwestfalen-Lippe einen schweren Schlag ins Kontor. Zwar bleiben die drei Hauptstandorte in Augustdorf, Höxter und Minden erhalten, doch müssen sie einen großen Aderlass verkraften. Von den bislang 6.290 Bundeswehr-Dienstposten werden dort in den kommenden Jahren 2.400 abgebaut. Darüber hinaus müssen auch einige hundert zivile Angestellte um ihren Arbeitsplatz fürchten.
In ganz NRW sollen 10.000 Dienstposten verschwinden. Ein schwacher Trost für Ostwestfalen-Lippe bleibt da nur, dass es in manchen anderen NRW-Städten, wie beispielsweise in Königswinter oder in Kerpen, in absehbarer Zukunft überhaupt keine Soldaten mehr geben wird. Auch der große und traditionelle Militärstandort Rheine mit seinem Transporthubschrauberregiment wird schon bald Geschichte sein.
Im lippischen Augustdorf, wo bislang einer der größten Truppenstandorte des Heeres existierte, herrschte am Mittwoch allgemeine Betroffenheit. Nicht mehr gut 4.000, sondern nur noch knapp 2.500 Soldaten werden dort voraussichtlich ab 2017 ihren Dienst versehen. Eine traditionelle Einheit, wie das Panzerartilleriebataillon 215, das schon seit Jahrzehnten mit mehr als 800 Dienstposten in Augustdorf angedockt ist, wird komplett aufgelöst.
Kommandeur sieht auch positive Effekte
Die Soldaten vor Ort nahmen die Nachrichten aus Berlin erstaunlich gelassen: "Mein Beruf ist Offizier, da muss ich ohnehin alle zwei Jahre wechseln", sagte der Hauptmann Dirk Koch aus Paderborn. "Von Bundeswehrsoldaten wird heute eben eine hohe Flexibilität erwartet", erklärte Major Markus Druppel, Chef der Aufklärungskompanie 210, die nach Ahlen verlegt wird.
Dirk Backen, Brigadegeneral und Kommandeur in Augustdorf, sieht nicht nur Nachteile in der Strukturreform. Die Tatsache, dass in Zukunft in Augustdorf keine Wehrpflichtigen, aber wesentlich mehr Zeitsoldaten ihren Dienst verrichten, werde positive Effekte haben, sagte Backen. Zeitsoldaten würden über wesentlich mehr Geld verfügen, und viele von ihnen würden sich auch mit ihren Familien in Augustdorf niederlassen. Eine ähnliche Hoffnung äußerte auch Friedel Heuwinkel (CDU), Landrat des Kreises Lippe. "Wenn sie in das zivile Leben zurückkehren, werden wir jedem einzelnen Soldaten unsere Hilfestellung anbieten", sagte er.
Ein düsteres Bild zeichnete hingegen der Bürgermeister von Augustdorf, Andreas Wulf (CDU). Mit der Streichung von 1.600 Dienstposten gehe in seiner Gemeinde jeder vierte Arbeitsplatz verloren, sagte er. Auch der Wohnungsmarkt, der Einzelhandel und die Gastronomie würden diese Reform negativ zu spüren bekommen. Nach Berechnungen habe jeder Soldat pro Jahr in Augustdorf für 800 Euro Umsatz gesorgt.
NRW-Erklärung an de Maizière
Auf einem Nebenkriegsschauplatz wurde derweil debattiert, ob die NRW-Landesregierung mit ihren Nationalparkplänen den Standort Augustdorf gefährdet habe. Dies behaupteten beispielsweise die FDP-Bundestagsabgeordnete Gudrun Kopp und der Augustdorfer Bürgermeister Wulf. Das Gegenteil sei aber der Fall, sagte der Chef der NRW-Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense, der Neuen Westfälischen.
Die NRW-Landesregierung habe sich stets für den Standort Augustdorf eingesetzt. Dem Verteidigungsminister de Maizière wurde eine von ihm verlangte Erklärung zugeschickt, wonach die NRW-Landesregierung "im Falle von Interessenskonflikten" in der Senne "nicht gegen die militärischen Belange entscheiden" werde.
auf Grund politischem Drucks oder sonst einem "Grund", aus dem Netz genommen habt, dann löscht doch auch wenigsten den "Link" dazu!!
@SENNEFREUND: Der Artikel wurde nicht entfernt. NW